Supersport-Wm
Mit Talent, Mut, Schlauheit und Coolness: Dominique Aegerter kürt sich zum Weltmeister

Dominique Aegerter ist der sechste Schweizer, der im Töff-Strassenrennsport Weltmeister wird. Die Entscheidung fällt früh, weil Aegerters letzter Konkurrent Steven Odendaal kurz nach dem Start stürzt.

Klaus Zaugg
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Dominique Aegerter sichert sich im argentinischen San Juan den WM-Titel.

Dominique Aegerter sichert sich im argentinischen San Juan den WM-Titel.

Archivbild: Julio Munoz/EPA (Jerez, 2. Mai 2021)

In der ersten Kurve ist alles entschieden. Steven Odendaal (28) stürzt. Zu Fall gebracht von einem Konkurrenten. Dominique Aegerter (31) ist damit praktisch Weltmeister. Gewiss, der Südafrikaner schwingt sich wieder in den Sattel und fährt weiter. Er reiht sich als 18. ins Feld ein. Will er den vorzeitigen Titelgewinn des Schweizers verhindern, muss er vor ihm ins Ziel kommen. Unmöglich. Sechs Runden vor Schluss gibt er auf und beendet das Rennen und damit ist Dominique Aegerter definitiv Weltmeister. Er müsste nicht einmal mehr das Rennen beenden. Er zeigt sich nun als würdiger Champion, kehrt nicht an die Box zurück (was er hätte tun können, um bereits den Titel zu feiern) und fährt auf Platz 3.

Dominique Aegerter ist nach Luigi Taveri, Stefan Dörflinger, Jacques Cornu, Tom Lüthi und Randy Krummenacher erst der sechste Schweizer, der im Töff-Strassenrennsport in den Soloklassen Weltmeister wird. Natürlich hat dieser Triumph in der Supersport-Klasse nicht das Prestige der Titel von Luigi Taveri, Stefan Dörflinger und Tom Lüthi, alle in der «höchsten Liga», im GP-Zirkus errungen. Es ist eine Weltmeisterschaft auf Höllenmaschinen, die sehr nahe an den Serientöffs sind. Das gilt auch für den Titel von Jacques Cornu in der Langstrecken-WM (1982) und natürlich für Randy Krummenacher, der 2019 in der gleichen Klasse wie jetzt Dominique Aegerter Weltmeister geworden ist.

Zwei Rennen ausgelassen – trotzdem dominiert

Jede Weltmeisterschaft hat ihre eigene Geschichte. Und die von Dominique Aegerter eine ganz besondere. Er hat diese Saison nebenbei auch noch den «Batterie-Weltcup» bestritten, die Meisterschaft auf den elektrischen Motorrädern. Deshalb musste er wegen Terminkollisionen zwei Supersport-Rennen auslassen. Und hat trotzdem nun im argentinischen San Juan im drittletzten Rennen der Saison bereits den Titel gesichert.

Das mag zeigen, wie sehr er diese Klasse dominiert. Und dass er fahrerisch immer noch gut genug wäre für die Moto2-WM. Aber eben: nicht mehr gut genug, um im GP-Zirkus ein Siegfahrer zu sein, der kein Geld bringen muss, um zu fahren. Sondern Geld verlangen kann.

Langjährige Geldgeber halten die Treue

Talent, Mut, taktische Schlauheit und Coolness – das ist der weltmeisterliche Mix von Dominique Aegerter. Die Besonderheit dieses Erfolges: Es ist eine Familiengeschichte und hat auch eine Prise Romantik. Nach dem Abschied aus der Moto2-WM im Herbst 2019 kehrt der Rohrbacher (aus einem Dorf in der Nähe von Langenthal) zu seinen Wurzeln zurück. Nun zahlt sich aus, dass er nie arrogant war, dass er sein Dorf nie verlassen, dass er nie vergessen hat, woher er kommt. Er verliert zwar Sponsoren. Aber die langjährigen Geldgeber halten ihm die Treue. Kevin Aegerter übernimmt das Management und mit erstaunlichem Geschick und einer Prise «Bauernschlauheit» orchestriert er die Karriere seines Bruders. Nach der Zwischensaison (2020 «nur» Moto2-Ersatzpilot und Einsätze im «Batterie-Weltcup») fädelt Kevin Aegerter den Vertrag im Team von Ten Kate in der Supersport-Klasse ein. Mutter Beatrice hält ihren beiden Söhnen als kluge, geduldige Administratorin im Büro den Rücken frei. Nächste Saison tritt Dominique Aegerter mit dem gleichen Team zur Titelverteidigung an.

Schweizer Weltmeister in den Soloklassen:
Luigi Taveri: 1962, 1964, 1966 (125 ccm).
Stefan Dörflinger: 1982, 1983 (50 ccm), 1984, 1985 (80 ccm).
Jacques Cornu: 1982 (Langstrecken-WM).
Tom Lüthi: 2005 (125 ccm).
Randy Krummenacher: 2019 (Supersport).
Dominique Aegerter: 2021 (Supersport).

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