Tennis

Kleinkunst in der Zauberkiste: Roger Federer gewinnt auf Sand und sagt: «Ja, ich will mich hier mit Nadal messen»

Roger Federer überzeugt bei seiner Rückkehr auf Sand.

Roger Federer überzeugt bei seiner Rückkehr auf Sand.

Tennis Roger Federer feiert in Madrid bei seiner Rückkehr auf Sand einen Blitzsieg. Drei Jahre hat der Maestro nicht mehr auf dieser Unterlage gespielt. Und trotzdem ging alles so schnell, Richard Gasquet konnte nicht mit Federer mithalten.

Als Roger Feder an diesem Abend den Platz betrat, da war er von Kopf bis Fuss in weiss gekleidet – blütenweisses Stirnband, blütenweisse Jacke, blütenweisse Hose, blütenweisse Socken. Es war alles angerichtet für einen grossen Abend der Kunst in der Caja Mágica, der Zauberkiste von Madrid, wie die Anlage am Ufer des Manzanares heisst.

Seit drei Jahren, oder 1090 Tagen, hat Roger Federer, inzwischen 37 Jahre alt, keine Partie mehr auf Sand bestritten. Und manch einer hatte sich schon die Frage gestellt, ob der Baselbieter überhaupt je wieder auf der Unterlage zaubern würde, auf der er einst seine ersten Bälle geschlagen hatte. Federer, so erzählte er es nun, hatte sich bereits Ende des letzten Jahres dazu entschieden. «Weil ich Lust hatte. Weil ich den Sand vermisst habe. Weil ich in einer Phase meiner Karriere, meines Lebens bin, in der ich geniessen möchte.»

Sein Gegner für die Rückkehr hätte wohl kein passender sein können als Richard Gasquet, dieser Franzose, 32-Jährig, einst die Nummer 7 der Welt, wie Federer ein Stilist, der die Rückhand einhändig spielt. Einer, dessen Spiel immer ein Genuss ist – das jenem von Federer aber nur wenig entgegensetzen kann.

Und so war es wie meist, seit 2005, als sich die beiden erstmals miteinander massen: Den einen oder anderen Glanzpunkt vermochte Gasquet zwar zu setzen, den Sieg aber trug Federer davon: – zum 18. Mal im 20. Duell. Gleichwohl sagte Federer, er sei nervös geworden, als er zwei Stunden vor dem Spiel angefangen habe, nachzudenken. Denn seine zwei Erfolge gegen Federer hatte Gasquet jeweils auf Sand einfahren können.

Die ungewohnte Nervosität

Davon war er an diesem «speziellen Abend», wie es Federer formulierte, aber meilenweit entfernt. Der Schweizer führte schnell mit 3:0, gewann den ersten Satz in 23 Minuten und den Match in 52 Minuten mit 6:2, 6:4. Dass er seinem Widersacher derart überlegen war, eröffnete dem dreifachen Madrid-Sieger auch die Möglichkeit, sein gesamtes Repertoire durchzuexerzieren, ganz zur Freude der über 12 000 Zuschauer in der Zauberkiste.

Wer Federer an diesem lauen Frühlingsabend spielen sah, dürfte sich zuweilen gefühlt haben, als würde er Pablo Picasso beim Skizzieren eines Meisterwerks über die Schulter schauen. Sein Racket führte er virtuos wie einen Pinsel und malte damit Schläge mit unterschiedlichem Drall, Winkel und Länge auf die Leinwand mit dem weissen Rechteck und dem Netz in der Mitte. Schnell und leichtfüssig rutschte er auf dem blutroten Sand in die Ecken, von links nach rechts, nach vorne ans Netz und zurück – immer in perfekter Balance.

Gasquet nicht auf Augenhöhe

Es war nicht so, dass Federer jeder Schlag, jeder Strich mit dem Pinsel nach Wunsch gelang. Mal setzt er eine Vorhand neben das Feld, mal blieb ein Stoppball an der Netzkante hängen. Die Summe seiner Pinselstriche ergab gleichwohl ein stimmiges Bild, wenn auch kein Meisterwerk. Für einen aufregenderen Abend fehlte ihm ein Gegner auf Augenhöhe.

Richard Gasquet konnte nie verbergen, dass er letztmals vor fünf Monaten ein Turnier bestritten hatte. Anfang Jahr hatte sich der 32-Jährige an der Leiste operieren lassen. So wurde es nicht das erhoffte Spektakel zweier Stilisten, sondern nur ein Stück Kleinkunst von Federer.

Entsprechend nüchtern analysierte Federer seine Rückkehr. «Es war von meiner Seite ein gutes Spiel, aber Richard war sicher nicht auf der Höhe, darum darf ich diesen Sieg nicht überbewerten.» Auf wen Federer am Donnerstag trifft, ist noch nicht bekannt. Es ist entweder der Franzose Gaël Monfils (32, ATP 18), oder der Ungar Marton Fucsovics (27, ATP 36).

Vor dem Turnier hatte Federer seine Vision für seine Turniere auf Sand skizziert. «Ich will es geniessen. Es soll nicht nur Krampf und Kampf sein.» Nur, um anzufügen, dass Zweiteres folge, sollte er erfolgreich sein. Vor zehn Jahren feierte Federer in Madrid seinen zweiten und letzten Sieg gegen Rafael Nadal auf Sand. Er gewann danach auch zum ersten und einzigen Mal in Roland Garros. Als er danach gefragt wird, ob er auch deshalb in Madrid spiele, um noch einmal auf Sand auf Nadal zu treffen, bejahte der Künstler Federer. «Denn das würde bedeuten, dass ich hier den Final erreiche.»

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