Die Doppelbelastung einer Berufsfrau und jungen Mutter ist alles andere als einfach. Das weiss mittlerweile auch Serena Williams. Vor zehn Monaten kehrte der Superstar nach der Geburt von Tochter Olympia auf die Tennistour zurück, aber noch immer wartet die 37-jährige Amerikaner auf den ersten Turniersieg als Mama. Im zweiten Monat schwanger, errang sie vor zwei Jahren an den Australian Open ihren 23. und bislang letzten Grand-Slam-Titel. Ein Sieg fehlt ihr, um zu Rekordhalterin Margaret Court aufzuschliessen.

Serena Williams verliert an den Australian Open

Nachdem sie letztes Jahr in Wimbledon und am US Open im Final verloren hatte, scheiterte Williams in Melbourne schon in den Viertelfinals. Gegen Karolina Pliskova, die Weltnummer 7 aus Tschechien, führte sie im dritten Satz 5:1 und schlug zum Sieg auf. Doch in diesem wichtigen Moment übertrat sie sich den linken Knöchel und schien in der Folge Mühe zu haben, sich zu bewegen. Dennoch kamen später noch drei weitere Matchbälle dazu. Williams konnte jedoch keinen nützen und verlor am Ende 4:6, 6:4, 7:5.

Als Ausrede wollte sie den Knöchel nicht anführen. «Er scheint ganz okay zu sein», versicherte sie danach. «Ich habe bei den Matchbällen eigentlich nichts falsch gemacht», meinte sie. «Karolina hat einfach angefangen, unglaublich gut zu spielen. Sie riskierte alles, war sehr aggressiv und traf ein paar Mal die Linien.» Die Niederlage sei einfacher zu verdauen, weil sie sich nicht viel vorzuwerfen habe. Ganz so, wie das Williams in Erinnerung hatte, war es aber nicht. Sie machte es ihrer Gegnerin auch etwas einfach.

Für Williams geht derweil das Warten auf den 24. grossen Titel weiter. «Ich will euch nicht anlügen. Ich gehe in jedes Turnier in der Erwartung, zu gewinnen», betonte die exzentrische Amerikanerin. «Es ist noch nicht passiert, aber ich fühle, dass es kommen wird.»

Pliskova nach dem Sieg über Serena Williams

Immer die gleichen Disney-Filme

Sie erinnerte daran, dass sie erst vor zehn Monaten von einer schwierigen Schwangerschaft zurückgekommen sei: «Ich weiss, dass ich noch vieles verbessern muss.» Sie geniesse das Familienleben mit Olympia, aber ihr Feuer sei noch immer da. «Ich bin keine gute Verliererin», betont sie. In den nächsten Wochen wartet nun wieder eine Überdosis Disney auf Serena Williams. «Es sind immer die gleichen zwei Filme, die meine Tochter schauen will: ‹Die Eiskönigin› und ‹Die Schöne und das Biest›», erzählte sie in Melbourne. «Ich frage sie immer wieder, ob wir nicht etwas anderes schauen wollen, aber es sind nur immer diese zwei.»

Die Jagd nach dem nächsten Grand-Slam-Titel gibt sie aber nicht auf. «Ich glaube weiter an die Nummer 24», versichert sie. Die nächste Chance kommt in Paris.

In Melbourne standen andere in den Halbfinals, die bereits in der Nacht auf Donnerstag gespielt wurden. Pliskova traf auf die US-Open-Siegerin Naomi Osaka, die Bencic-Bezwingerin Petra Kvitova auf die ungesetzte Amerikanerin Danielle Collins. Mit Osaka, Kvitova und Pliskova hatten gleich drei der vier Halbfinalistinnen die Chance, am Montag als Nachfolgerin von Simona Halep die neue Nummer 1 zu werden.