Tour de Suisse Women
Eine gelungene Premiere der Frauen-Tour – auch wenn die Schweizerinnen haarscharf am Sieg vorbeifahren

Die beiden Schweizer Aushängeschilder brillieren an der erstmaligen Tour de Suisse der Frauen. Zum Gesamtsieg reicht es trotzdem nicht.

Raphael Gutzwiller
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Marlen Reusser (links) und Elise Chabbey sind die besten Schweizerinnen an der Tour de Suisse.

Marlen Reusser (links) und Elise Chabbey sind die besten Schweizerinnen an der Tour de Suisse.

Gian Ehrenzeller / Keystone

Die erste Austragung der Frauen-Tour wird dank zwei gelungenen Etappen zu einem Bewerbungsschreiben für weitere Auftritte der Frauen. In packenden Rennen liefern sich starke Athletinnen an beiden Tagen einen guten Kampf. Insbesondere die beiden Schweizer Aushängeschilder brillieren: Mit der Zweiten Elise Chabbey und der Dritten Marlen Reusser stehen beide auf dem Podest.

Zum Sieg reicht es aber nicht, weil die Genferin Elise Chabbey und Siegerin der ersten Etappe, am Sonntag nicht ganz an ihren starken Auftritt vom Vortag anknüpfen kann. Chabbey zeigt ein aktives Rennen, aber die Britin Elizabeth Deignan – am Samstag noch knapp von Chabbey bezwungen – sammelt wertvolle Sekunden bei den Zwischensprints und hatte gegen Schluss auch die besseren Beine. Chabbey stürzt sogar noch, holte aber dennoch den zweiten Schlussrang der Wertung.

Elise Chabbey trägt nach der ersten Etappe gelb.

Elise Chabbey trägt nach der ersten Etappe gelb.

Gian Ehrenzeller / Keystone

«Ich hatte nach der ersten Etappe das gelbe Trikot, das wollte ich natürlich verteidigen. Aber es war ein schwieriges Rennen und es gelang mir deshalb nicht», zeigt sich Chabbey enttäuscht. Und kündigt an: «Ich werde im nächsten Jahr zurückkommen und die Gesamtwertung angreifen.»

Mountainbikerinnen brillieren auf der Strasse

Überzeugt auf der Strasse: Die Mountainbikerin Linda Indergand.

Überzeugt auf der Strasse: Die Mountainbikerin Linda Indergand.

Gian Ehrenzeller / Keystone

Neben den beiden stärksten Schweizer Strassenradfahrerinnen Marlen Reusser und Elise Chabbey brillierten auch die Mountainbikerinnen auf ungewohnter Unterlage. Zur besten Schweizerin stieg in der zweiten Etappe Linda Indergand als Vierte auf, während schon am Vortag mit Jolanda Neff eine Mountainbikerin brilliert hatte. In Vorbereitung auf die Olympischen Spiele haben die Mountainbikerinnen im Namen von Swiss Cycling die Tour de Suisse bestritten.

Ein Schritt zur Gleichberechtigung

Die erste Austragung der Tour de Suisse für die Frauen ist ein wichtiger Schritt zur Gleichberechtigung im Schweizer Radsport – darin sind sich die Athletinnen einig. «Es ‹fägt›, dass wir auch unsere Tour de Suisse haben. Es hat mir richtig Spass gemacht», bilanzierte Marlen Reusser. Und Elise Chabbey sagte: «Der Anlass ist geglückt, ich habe es genossen, in der Schweiz fahren zu können.»

Die Rennen gehörten anders als bei den Männern nicht zur World-Tour, auch deshalb bestritten gleich 28 Schweizerinnen die diesjährigen beiden Etappen. Um einen ähnlichen Stellenwert international zu erhalten, braucht es noch viel Arbeit. Das Ziel der Organisatoren ist es, dass dereinst die Frauen-Tour und die Männer-Tour ineineinander vereint werden könnten. In diesem Jahr ist es nach zwei Etappen der Tour de Suisse für die Frauen schon vorbei, bei den Männern stehen acht Tage auf dem Programm.

Zeitfahr-Training mit zwei Etappen in den Beinen

Absolviert nach zwei Tour-Etappen noch ein Zeitfahren: Marlen Reusser.

Absolviert nach zwei Tour-Etappen noch ein Zeitfahren: Marlen Reusser.

Andy Mueller / Freshfocus

Marlen Reusser beendete die Tour de Suisse nach ihrem dritten Rang im Gesamtklassement nicht, sondern setzte sich sogleich noch für eine Runde aufs Zeitfahr-Velo. Vor dem Rennen der Männer absolvierte sie eine Trainingsfahrt auf der Rennstrecke, um sich den Schliff für die Olympischen Spiele zu holen. «Für meine Beine war das eine grosse Herausforderung, aber es hat sich gelohnt. Wir konnten die Abläufe mit dem Team trainieren», so Reusser. Ihr Fokus richtet sich in Richtung Tokio, wo sie im Zeitfahren zu den Favoritinnen gehört. Dass die Form schon stimmt, hat sie gezeigt. Elise Chabbey reist trotz starker Tour de Suisse nicht nach Tokio, da die Schweiz nur einen Startplatz besitzt.

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