TV-Kritik
Jann Billeter und die Frage: Warum verlassen die Stars SRF Sport?

Der beliebteste Schweizer Sport-Moderator Jann Billeter ist zu Gast bei Urs Gredig in der SRF-Talkshow «Gredig direkt». Billeter äussert sich zur Krise bei SRF Sport. Und erzählt, warum sein Leben mit 23 Jahren nach einer Hirnblutung an einem seidenen Faden hing.

Etienne Wuillemin
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Normalerweise ist er es, der die Fragen stellt. Gestern sind die Rollen für einmal vertauscht. Jann Billeter ist selbst Gast. Bei Urs Gredig in der SRF-Talkshow «Gredig direkt». Das ist durchaus brisant. Schliesslich verliess Billeter, der beliebteste Sport-Moderator in der Schweiz, das Schweizer Fernsehen in diesem Sommer nach den Olympischen Spielen von Tokio und wechselte zu «MySports».

Wobei Billeter nur einer von mehreren Stars ist, der SRF Sport den Rücken kehrte. Auch Steffi Buchli, Matthias Hüppi und Stefan Bürer verliessen den Sender jüngst. Die Zusammenarbeit mit dem langjährigen Tennis-Kommentator Heinz Günthardt wurde derweil nicht verlängert. Und es ist nicht ganz auszuschliessen, dass der Exodus in nächster Zeit weitergeht.

Eine halbe Stunde lang dauert das Interview von Billeter bei Gredig. Und dieser zögert nicht, die entscheidende Frage schon ziemlich früh im Gespräch zu stellen. «Die vielen Abgänge im Sport – da spricht man darüber, auch ausserhalb von SRF. Zufall oder System?», fragt Gredig.

Billeter – charmant und eloquent wie immer – gelingt mit seiner Antwort das Kunststück, die Probleme bei SRF Sport zwar deutlich anzusprechen. Dabei seinen ehemaligen Arbeitgeber aber nicht allzu sehr an den Pranger zu stellen. Er sagt: «Digitalisierung und Wandel haben dafür gesorgt, dass es da und dort einen Bruch und Probleme gibt. Ich will nicht sagen, dass alles super ist in diesem Haus und alles perfekt läuft in der Sportredaktion. Man kennt die Probleme und ich habe die auch angesprochen. Das muss man nicht öffentlich anschauen, sondern intern. Das wird auch gemacht. Und ich wünsche dieser Sportredaktion, dass man sich findet.»

Ein bisschen konkreter wird Billeter dann trotzdem noch. «Das Angebot im Sport ist über die Jahre stark gewachsen. Es ist vieles dazugekommen. Alles ist live. Man kann über alles berichten – hat aber weniger Mittel und Leute zur Verfügung. Ja, das ist schwierig unter einen Hut zu bringen. Denn man möchte alles anbieten, muss aber schauen, die Leute nicht zu überlasten.» Und seine Konklusion: «Darum ist es wichtig, dass man sagt: Mensch vor Zahl nehmen als Wert, damit es gut kommt.» Schade, verpasst Gredig nach dieser Aussage die auf dem Silbertablett servierte Gelegenheit, noch einmal nachzuhaken.

24 Jahre bei SRF Sport: Jann Billeter verliess den Sender im Sommer. Hier posiert er während den Olympischen Spielen 2016 im SRF-Studio direkt am Strand von Rio de Janeiro mit Steffi Buchli, die SRF ebenfalls verliess.

24 Jahre bei SRF Sport: Jann Billeter verliess den Sender im Sommer. Hier posiert er während den Olympischen Spielen 2016 im SRF-Studio direkt am Strand von Rio de Janeiro mit Steffi Buchli, die SRF ebenfalls verliess.

Keystone

Es bleibt jedoch der einzige kleine Mangel dieses spannenden Gesprächs. Je länger es dauert, desto mehr erfahren die Zuschauerinnen und Zuschauer auch über den Menschen Jann Billeter. Offen erzählt er, wie er als damals knapp 19-Jähriger erfuhr, an einer Nierenkrankheit zu leiden. Darum seine Ambitionen, Eishockeyprofi zu werden, begraben musste. Und wegen Komplikationen schliesslich eine Hirnblutung erlitt, worauf er mit einer Überlebenschance von 20 Prozent auf die Intensivstation verlegt wurde.

Wie Billeter über die grossartigen Menschen im Spital spricht, die ihm in dieser schwierigen Situation ein zweites Leben ermöglicht haben, berührt. Und ist gerade in Zeiten der Pandemie wohltuend.

Anstatt Eishockeyprofi ist Billeter nun eben TV-Profi geworden. Einer, der nun bei «MySports» seine Leidenschaft Eishockey voll ausleben darf, ohne vom immer grösser werdenden Stress bei SRF Sport aufgefressen zu werden. Das ist schön für ihn. Und schade für den Gebührenzahler.

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