U21-Europameisterschaft
Das 2:3 gegen Kroatien ist für das Schweizer U21-Nationalteam ein Rückschlag, aber kein Ausrutscher

Die Schweizer U21-Nationalmannschaft enttäuscht gegen Kroatien lange und verliert mit 2:3. Grund für die Niederlage: Fehlende Chancenverwertung, ein Goaliefehler und zehn verschlafene Minuten.

Raphael Gutzwiller
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Kassiert das Tor zum 1:0: Anthony Racioppi (grünes Trikot).

Kassiert das Tor zum 1:0: Anthony Racioppi (grünes Trikot).

Peter Klaunzer / Keystone

Zwei Ausrutscher beschreiben diese 2:3-Niederlage der Schweizer U21-Nationalmannschaft gegen Kroatien ideal.

Der erste Ausrutscher kommt in der achten Minute. Anthony Racioppi ist der Unglücksrabe. Zunächst spielt der Schweizer Goalie den Ball in die Füsse von Luka Ivanusec. Aus der Distanz zieht der kroatische Offensivspieler direkt ab, erwischt Racioppi auf dem falschen Fuss, der zu allem Überfluss noch ausrutscht. Es ist das 1:0 für Kroatien.

Der zweite Ausrutscher kommt in der 20. Minute. Diesmal auf der anderen Seite. Dem kroatischen Goalie Dominik Kotarski unterläuft ein ähnlicher Abspielfehler, direkt in die Füsse von Bastien Toma. Dieser hat zunächst zwar Schwierigkeiten mit der Ballannahme, lanciert danach aber Jérémy Guillemenot mit einem Steilpass. Der St. Galler Stürmer lobbt den Ball aus guter Position über das Tor. Riesenmöglichkeit vertan.

Jérémy Guillemenot und seine vergebenen Chancen

«Diese zwei Szenen fassen die Partie perfekt zusammen. Uns fehlte heute die Kaltschnäuzigkeit, die Kroatien hatte», findet ein enttäuschter U21-Nationaltrainer Mauro Lustrinelli nach der Partie.

Liess viele Chancen liegen: Jérémy Guillemenot (SUI).

Liess viele Chancen liegen: Jérémy Guillemenot (SUI).

Bild: Marko Lukunic/Freshfocus

Tatsächlich hätte alleine Jérémy Guillemenot genügend Tormöglichkeiten gehabt, mindestens für einen Punktgewinn zu sorgen. Nach dem überzeugenden 1:0-Startsieg gegen England enttäuschen die Schweizer ein wenig, doch sie sind spielerisch nicht schlechter als die Kroaten. Sie haben mehr Abschlüsse, häufiger den Ball und eine höhere Passgenauigkeit. Lustrinelli sagt: «Wir haben kein schlechtes Spiel gemacht. Doch wir haben unsere Chancen nicht genutzt. Zudem haben wir zehn schlechte Minuten eingezogen, in der wir die Organisation verlieren und zwei Tore kassieren.»

Lustrinelli und seine Wechsel

Zwischen der 61. und der 64. Minute fallen die Tore zum 2:0 und 3:0 für die Kroaten. Kurz zuvor hat Lustrinelli, der schon in der Startelf vier Spieler ausgetauscht hat, nochmals dreimal gewechselt. Die Unordnung ist spürbar. «Ich wollte nochmals Schwung bringen. Leider hat es dann aber kurzzeitig an der Organisation gefehlt», so der ehemalige Stürmer.

Zunächst kommt Jordan Lotomba zu spät und verursacht einen Foulelfmeter. Nikola Moro verwandelt vom Punkt. Und nur drei Minuten später ist es wieder Moro, der mit einem fantastischen Steilpass Dario Vizinger lanciert, der den Ball ins weite Eck versenkt. Wieder hat die Schweizer Defensive bei dieser Aktion nicht gut ausgesehen.

Tore erzielen die Schweizer nur dank kroatischer Mithilfe

Dan Ndoye, Felix Mambimbi und Cedric Zesiger (von links) schöpfen nochmals Hoffnung.

Dan Ndoye, Felix Mambimbi und Cedric Zesiger (von links) schöpfen nochmals Hoffnung.

Peter Klaunzer / Keystone

Die U21-Nationalmannschaft, die so viel Lust auf mehr gemacht hat mit ihrem ersten Auftritt, zeigt in der Folge immerhin Moral. Obwohl mit dem Rücken zur Wand, hätte sie mit ein bisschen Glück – und v einer besseren Chancenauswertung – noch einen Punkt holen können. Dass das Schweizer Team überhaupt noch zu zwei Toren erzielen konnte, lag aber in erster Linie an Fehlern in der kroatischen Hintermannschaft. Zehn Minuten vor dem Ende unterläuft Vizinger ein Handspiel, Kastriot Imeri verwandelt den Penalty. Und in der 89. Minute verursacht Sandro Kulenovic nach einem Eckball ein Eigentor zum 2:3. Trotz sechsminütiger Nachspielzeit und einer letzten grossen Möglichkeit durch Alexandre Jankewitz bleibt die Schweiz ohne Punktegewinn.

Der enttäuschte Trainer Mauro Lustrinelli (mit der roten Krawatte) verlässt den Platz nach der 2:3-Niederlage.

Der enttäuschte Trainer Mauro Lustrinelli (mit der roten Krawatte) verlässt den Platz nach der 2:3-Niederlage.

Peter Klaunzer / KEYSTONE

Das Team von Trainer Mauro Lustrinelli, das durch die Qualifikation mit neun Siegen nacheinander beinahe geflogen ist, ist wieder auf dem Boden der Realität angekommen. Ohne gute Chancenverwertung und mit haarsträubenden Fehlern in der Defensive reicht es nicht an einer Europameisterschaft. Es ist der erste grosse Rückschlag für das Schweizer Team, für das es am Mittwoch gegen Portugal zu einem Finalspiel um den Einzug in den Viertelfinal kommt. «Wir haben eine gute Moral», ist Lustrinelli überzeugt. Die Niederlage gegen Kroatien soll nur ein Rückschlag sein, kein Ausrutscher.

Telegramm

Schweiz - Kroatien 2:3 (0:1)

Koper (Slowenien). - SR: Higler (NED).

Tore: 8. Ivanusec 0:1. 61. Moro (Foulpenalty) 0:2. 64. Vizinger 0:3. 79. Imeri (Handspenalty) 1:3. 89. Kulenovic (Eigentor) 2:3.

Schweiz: Racioppi; Lotomba, van der Werff, Zesiger, Sidler (59. Rüegg); Pusic (59. Ndoye), Sohm (59. Imeri), Domgjoni (66. Jankewitz), Toma; Guillemenot, Zeqiri (69. Mambimbi).

Kroatien: Kotarski, Bradaric, Erlic (25. Vuskovic), Sverko; Franjic, Bistrovic, Moro, Babec, Ivanusec; Vizinger, Spikic.

Gelbe Karten: 6. Babec (Foul), 45. Sidler (Foul). 45. Vizinger (Foul). 45. Franjic (Foul). 48. Van der Werff (Foul). 60. Lotomba (Foul). 91. Kulenovic (Foul).

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