Super League

Übung macht den Meister - Die Super League-Schiedsrichter testen den VAR

Der Schiedsrichter – im Bild Alain Bieri – hat die Möglichkeit, sich die Szene am Spielfeldrand noch einmal anzuschauen.

Der Schiedsrichter – im Bild Alain Bieri – hat die Möglichkeit, sich die Szene am Spielfeldrand noch einmal anzuschauen.

Ab der nächsten Saison kommt in der Super League der VAR zum Einsatz. In der Thuner Stockhornarena wird derzeit fleissig für die Einführung des Videobeweises geprobt.

Foul oder kein Foul? Der Stürmer des FC Solothurn und der Old-Boys-Verteidiger liefern sich im Basler Strafraum ein heisses Duell. Auf der Tribüne erkennt der Zuschauer zwar ein Zupfen und Schubsen, aber nicht, ob das Vergehen penaltywürdig ist. Auch für Schiedsrichter David Schärli ist die Szene nicht einfach zu bewerten.

Nur gut, dass draussen vor dem Stadion eine dreiköpfige Crew in einem mit mehreren Monitoren ausgerüsteten Van sitzt. Der Video-Assistent-Referee (VAR), dessen Assistent (Avar) und der Techniker verfolgen aufmerksam, was sich im Innern des Stadions tut. Sie können dank einer Auswahl von verschiedenen Bildern und Einstellungen in den meisten Fällen gut beurteilen, wie diese und jene Szene zu ahnden ist. In besagtem Spiel ist sofort geklärt: kein Foul.

Der Techniker (rechts) bereitet dem VAR (Mitte) und dessen Assistenten die Bilder auf.

Der Techniker (rechts) bereitet dem VAR (Mitte) und dessen Assistenten die Bilder auf.

International gefordertes Ausbildungsprogramm

Marcel Schär, der Trainer der Solothurner, sagt: «Für mich war es eine 50-zu-50-Situation, aber von so weit weg schwer zu erkennen. Der VAR hat es sicher besser gesehen.» Schär sagt, er habe ein positives Gefühl. «Die Bedingung ist einfach, dass der Spielfluss nicht leidet.»

Es ist Sonntagmorgen und in der Thuner Stockhornarena herrscht ein reger Betrieb. Sechs U15-Mannschaften tragen ein Turnier aus. Der Anlass ist Bestandteil des vom International Football Association Board (Ifab) geforderten Ausbildungsprogramms. Und Voraussetzung für die Einführung des Videobeweises in der Super League.

Jetzt steigt Spitzenschiedsrichter Sandro Schärer aus dem Van und gibt Auskunft, wie er die Arbeit am Bildschirm erlebt. «Es macht Spass, aber es braucht sehr viel kognitive Energie. Man wird müde dabei.» Schärer denkt, die grösste Herausforderung bestehe darin, der Öffentlichkeit klarzumachen, welche Aufgabe der VAR genau hat und dass rasch eine einheitliche Linie gefunden wird. Schärer erklärt den Job des Assistenten: «Er ist mein Back-up und überwacht das Hauptgeschehen, wenn ich dabei bin, mir eine bestimmte Situation anzuschauen und zu beurteilen.»

Man liegt im Zeitplan

Auch Schärers Kollege Alain Bieri ist an diesem Morgen im Einsatz. «Ich freue mich auf den Videobeweis. Er wird uns Schiedsrichtern zu mehr Sicherheit verhelfen.» Mit den vielen Kameras im Stadion würde den Fernsehzuschauern nichts entgehen. Dadurch sei der Druck auf die Schiedsrichter gross geworden und es sei daher sinnvoll, dass die technische Entwicklung auch ihnen zugutekomme.

Erst im November des vergangenen Jahres haben die Klubs ihre Zustimmung zur Einführung und Mitfinanzierung des Videobeweises gegeben. Entsprechend ambitiös war daher das Ziel, diesen ab der Saison 2019/20 in der Super League zu lancieren. Doch Projektleiter Reto Häuselmann sagt, man liege im Zeitplan.

Zentrale in Volketswil

Der grösste Brocken sei nun noch die Einrichtung des Video Operation Room. Was in der Testphase noch im Van ablief, wird künftig in einer Zentrale in Volketswil erledigt. Und gemäss Häuselmann muss auch noch festgelegt werden, wie die TV-Zuschauer und jene im Stadion über die Entscheide des VAR informiert werden.

Zufrieden ist Projektleiter Schiedsrichterausbildung Hellmut Krug: «Alle sind motiviert und lernbegierig», sagt der Deutsche, doch die Nagelprobe werde kommen, wenn die Zeit des Übens ohne Druck in die Wettkampfphase übergehe. Für Krug steht fest: «Der VAR wird viel mehr unter Druck stehen, als der Schiedsrichter. Diesem wird künftig eher ein Fehler verziehen, als dem VAR, mit seinen Überwachungsmöglichkeiten.»

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