Kommentar

Unsere Kinder bewegen sich immer weniger – deshalb braucht es in den Schulen eine tägliche Sportstunde

Treiben Kinder keinen Sport, hat das gravierende Folgen. (Archivbild)

Treiben Kinder keinen Sport, hat das gravierende Folgen. (Archivbild)

9 von 10 Kindern bewegen sich zu wenig. Jeder Fünfte unter 18-Jährige ist übergewichtig. Mit fatalen Folgen für die Zukunft der Kinder und Kosten für die Gesellschaft. Deswegen braucht es in den Schulen eine tägliche Sportstunde. Und zwar besser heute als morgen. Ein Kommentar.

Welchen Stellenwert der Sport in vielen Schulen geniesst, hat sich in der Coronakrise gezeigt: einen viel zu geringen. Auf die Besonderheiten des Sportunterrichts wurde in Schutzkonzepten keine Rücksicht genommen, beklagt der Dachverband der Schweizer Sportlehrer. Sie fühlen sich im Stich gelassen.

Welche Gefahren die Tendenz birgt, dass der Sport in den Lehrplänen immer mehr zum Aussenseiter wird, zeigt die Entwicklung der letzten Jahre. Befeuert durch die Digitalisierung bewegen sich 9 von 10 Kindern nicht einmal eine Stunde im Tag moderat. Jeder Fünfte unter 18-Jährige ist übergewichtig. Mit fatalen Folgen für die Zukunft der Kinder.

Treiben Kinder keinen Sport, hat das gravierende Folgen. Ihnen fehlt nicht nur ein zusätzliches soziales Netz, sondern sie leiden später auch öfter an gesundheitlichen Problemen, aus denen Nachteile auf dem Arbeitsmarkt entstehen. Deshalb gilt es, Kinder möglichst früh für Sport zu begeistern.

Doch ausserhalb der Schule betreibt jedes achte Kind gar keinen Sport. Noch drastischer ist das Bild bei Kindern mit Migrationshintergrund – jedes vierte ist neben dem Schulsport inaktiv. Eine Bevölkerungsgruppe, die schon jetzt 40 Prozent ausmacht, und weiter wachsen wird. Das zeigt, welch wichtige Funktion der Schulsport in unserer Gesellschaft erfüllt.

Übergewicht verursacht 8 Milliarden Kosten

In der obligatorischen Schule sind zwar drei Stunden Sport pro Woche verankert. Doch das geht zu wenig weit. Dieser Ansicht ist auch das Bundesamt für Sport. Seit einem Jahrzehnt kämpft es für eine tägliche Sportstunde.

Weil die Lehrer Bewegungsmangel, Übergewicht, Konzentrationsmangel und ein hohes Aggressionspotenzial auf den Pausenplätzen festgestellt haben. Auf dem politischen Parkett hat das Vorhaben aber einen schweren Stand. 2018 wurde ein Pilotprojekt mit 60 Klassen in Luzern eingestellt. Trotz Erfolgen – und wegen Kostendrucks.

Ein Argument, das zu kurz greift. Denn von 2002 bis 2012 haben sich die Kosten, die Übergewicht und Adipositas verursachen von 2,6 auf knapp 8 Milliarden (!) Franken verdreifacht. 2000 Franken pro Klasse und Schuljahr würde die tägliche Sportstunde kosten. Gemessen am Preis, den Kinder, die sich heute zu wenig bewegen, morgen zahlen, ist das eine lächerlich geringe Summe. Deshalb braucht es in der Schweiz, wie zum Beispiel in Österreich, eine tägliche Sportstunde. Und zwar lieber heute als morgen. Weil der Sport im Lehrplan kein Aussenseiter mehr sein darf.

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