Nations League

Video-Schiri, Physis, drohender Abstieg: Das sind die fünf Erkenntnisse nach dem 1:2 gegen die Ukraine

Nationaltrainer Vladimir Petkovic an der Pressekonferenz nach dem 1:2.

Nationaltrainer Vladimir Petkovic an der Pressekonferenz nach dem 1:2.

Vor dem Spiel gegen Deutschland. Welche Themen beschäftigen die Schweizer Nationalmannschaft nach der Auftaktniederlage in der Nations League?

Punkt 1: Die Sache mit der Physis/Rhythmus

«Wir hatten in der zweiten Halbzeit weniger Rhythmus, weil die Spieler physisch noch nicht 100 Prozent bereit sind», sagte Vladimir Petkovic. Die mangelnde Physis und der fehlende Rhythmus, sie waren offensichtlich, und sie sind wohl als Hauptgrund für den Einbruch in der letzten halben Stunde zu sehen. Zumal die Ukrainer in der heimischen Liga bereits den Meisterschaftsbetrieb aufgenommen haben. Und die Spieler von Schachtjor bis Mitte August sich in der Europa League beweisen durften.

Fast zehn Monate Pause, nur drei Trainings mit dem Nationalteam, dazu Meisterschaften, die noch nicht ihren Betrieb aufgenommen haben. Für die Schweizer war dies alles ein grosses Problem. Goalie Yann Sommer, der beim ersten Gegentor keine gute Figur machte und sagte, dass er normalerweise 95 von 100 solchen Schüssen festhalte, schlug in dieselbe Kerbe: «Wenn man sich lange nicht sieht, braucht es Zeit, bis man sich wieder aneinander gewöhnt. Alle Spieler kommen aus einer Vorbereitung heraus.»

Punkt 2: Pressing

Die Schweizer wollen sich entwickeln, suchen den trendigen, modernen Fussball, wollen mit hohem Pressing und viel Laufbereitschaft spielen. Ein bisschen Bayern München, ein bisschen Liverpool, das tönt doch gut. Das System ist frech, die Spielweise anfällig für Konter, weshalb es besonders viel Zeit und viele Trainings braucht, bis alles formvollendet angewendet werden kann. Zeit, die besonders im Kreis der Nationalmannschaft rar ist.

Da ist es auch nicht dienlich, wenn wegen Absagen zuviele Spieler ersetzt werden müssen wie gegen die Ukraine. Weil die Eingespieltheit, das Vertrauen ineinander, vermutlich auch die Verantwortung auf dem Platz verloren gehen. Nur soviel: Im Vergleich zu den letzten Länderspielen gegen Georgien und Gibraltar musste Pektovic auf sechs Positionen umstellen.

Punkt 3: Wo ist der VAR?

Vladimir Petkovic fragte in die Runde:

Der Schweizer Nationaltrainer zweifelte an der Pressekonferenz nach dem Spiel, ob dem Führungstreffer der Ukraine nicht eine Abseitsposition vorausgegangen war. Er war es nicht, womit Petkovics Einwand für dieses Tor die Luft genommen worden wäre.

Petkovic wollte mit seiner Frage die Uefa nicht angreifen, vielmehr einen Denkanstoss liefern. In Zeiten des Fortschritts, in Zeiten, in denen der VAR quasi «State of the Art» ist im Fussball und diesen so sehr und entscheidend verändert, darf man sich tatsächlich fragen, weshalb der europäische Verband auf den Einsatz von Videoschiedsrichtern verzichtet.

Granit Xhaka zeigte ein gutes Spiel, auch wenn ihm die letzten Pässe nicht gelangen.

Granit Xhaka zeigte ein gutes Spiel, auch wenn ihm die letzten Pässe nicht gelangen.

Punkt 4: Die fehlende Kreativität

Die Beobachtung ist nicht neu: Der Schweiz fällt es schwer – wenn der Gegner massiert steht und selbst nicht wahnsinnig offensiv ausgerichtet ist – in die gefährliche Zone einzudringen. Bis zum Sechzehner sah gegen die Ukraine lange alles schön und gut aus. Doch die zwingenden Ideen durch die Mitte kamen nicht, die ein Xherdan Shaqiri haben kann, wenn er gut drauf ist.

Granit Xhaka sagte:

Zu mononton griff die Schweiz über die Seiten an, und die Flanken, die dann folgten, fanden mit Ausnahme bei Ruben Vargas' Pfostenkopfball selten Abnehmer. Andere Mittel wären vermehrt Schüsse aus der Distanz gewesen. Haris Seferovic, der dieses Manko gleich selbst festgestellt hatte, lieferte bei seinem Tor den Tatbeweis.

Punkt 5: Der drohende Abstieg

Man mag noch nicht so weit rechnen, weil erst ein Gruppenspiel absolviert ist in der Nations League. Doch die Niederlage in der Ukraine bringt die Schweiz gegen Deutschland in ihrer Gruppe unter Druck. Deutschland und Spanien haben die Punkte geteilt bei ihrem Aufeinandertreffen, geht man davon aus, dass die Iberer die Ukrainer am Sonntag zu Hause schlagen, droht der Mannschaft von Vladimir Petkovic nach zwei Spielen bereits ein Rückstand von drei Punkten auf den rettenden Nichtabstiegsplatz. Im Oktober folgen dann die Partien in Spanien und Deutschland.

Diese Ausgangslage ist grundsätzlich nicht weiter tragisch, weil die Nations League auch in der zweiten Ausgabe ihren Stellenwert sucht. Doch die Schweiz hat an diesem Format Gefallen gefunden, weil es ihr ermöglicht, sich im Ernstfall mit den Besten zu messen. Insofern würden in diesem Wettbewerb künftig Spiele gegen Mittelklasseteams aus Europa drohen. Zudem zählen die Partien in der Nations League für die Weltrangliste der Fifa und damit auch für die europäische Rangliste der Uefa. Das hat wiederum Auswirkungen auf die Gruppenauslosung für die im nächsten Jahr bevorstehende WM-Qualifikation. Noch wäre die Schweiz als Weltranglistenzwölfte ein Gruppenkopf und würde auf einfachere Gegner treffen, mit weiteren Niederlagen wäre der Verlust dieser Position wahrscheinlich.

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