VOlleyball
Eine Relegation ohne Resignation: Traktor Basel startet in die NLB-Saison

Ein halbes Jahr nach dem freiwilligen Rückzug aus der höchsten Liga, beginnt am Samstag für das Basler Volleyballteam mit vielen Jungen die neue Saison. Startgegner ist in der Rankhofhalle Amriswil.

Riccardo Ferraro
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Auch wenn die Spieler von Traktor Basel nicht mehr in der NLA blocken können, motiviert sind sie immer noch.

Auch wenn die Spieler von Traktor Basel nicht mehr in der NLA blocken können, motiviert sind sie immer noch.

Edgar Hänggi / bz Zeitung für die Region

Der 5. März ist der Tag der Entscheidung. Der Vorstand von Traktor Basel veröffentlicht auf der Vereinshomepage das Statement mit der Überschrift: «Die Würfel sind gefallen – Rückzug in die NLB». «Das Sponsorenmanagement in der Pandemiezeit war nicht einfach und das führte zu finanziellen Problemen», erklärt Heiko Breer, der Sportchef von Traktor Basel. Das Risiko einer weiteren NLA-Saison wird zu gross und so entscheidet der Vorstand an diesem Märztag freiwillig abzusteigen. «Es war eine Zäsur», sagt auch Roland John, Co-Präsident von Traktor.

Sportlich machen sich die fehlenden Mittel in der vergangenen Saison bemerkbar, denn Traktor spielt praktisch ohne ausländische Spieler – ein Nachteil gegen viele Teams. Darunter leidet vor allem die Motivation. Bei den Mitarbeitenden und Trainern ist die Zeit vor allem während der Pandemie ebenso schwierig. Sie arbeiten viel, um einen NLA-Betrieb aufrecht zu erhalten. Doch die Unsicherheiten wie lange gespielt werden darf und die fehlenden Zuschauer setzen dem Verein zu.

Das Fundament für die Saison ist gelegt

Ungewiss ist zu diesem Zeitpunkt, welche Spieler überhaupt bei Traktor bleiben. «Weil ausser in der NLA kein Volleyball gespielt werden konnte, zog sich diese Ungewissheit durch alle Teams», sagt Breer. Vom NLA-Kader wechseln schliesslich diesen Sommer viele Spieler zu anderen NLA-Vereinen. Nico Ramer, Timo Simonett und Nathan Borch entscheiden sich aber mit dem Verein in die NLB zu gehen, die am Samstag beginnt. Komplettiert wird das Team durch Spieler des ehemaligen Teams aus der 1. Liga. «Hauptziel ist es, erst mal in der NLB zu bleiben», stapelt Breer tief und erklärt gleich warum:

«Wir haben viele ganz junge Spieler und die müssen sich erst an das Niveau gewöhnen.»

John ist gleicher Meinung und sagt: «Die Jungen konnten nun eineinhalb Jahre nicht spielen und kommen von der 2. oder 1. Liga direkt in die NLB.»

Die Vorbereitung von Traktor ist ausserdem geprägt von Kompromissen. Viele der Hallenspieler überbrücken den Sommer im Sand und spielen Beachvolleyball. Die Beachsaison dauert in manchen Fällen bis Anfang September. Folglich trainiert das Hallenteam jeweils erst spät zusammen.

«Das fehlende gemeinsame Training werden wir am Anfang merken. Auf der anderen Seite kommen die Beacher körperlich fit und mit viel Spielpraxis zurück»,

stellt Breer fest. Sehr gespannt ist er auf die jüngsten Spieler im Team. Linus Deecke, Lino Steinmann und Severin Breer haben alle Jahrgang 2004. Wie sie sich auf dem hohen Niveau der NLB schlagen und entwickeln, muss sich erst zeigen.

Dank Fusion zu grösserem Gewicht in der Region

Auch organisatorisch wird am Verein geschraubt. Die schon Jahre andauernde Beziehung zum Damenverein Volley Glaibasel wird intensiviert, die beiden Vereine fusionieren im Sommer. «So sind wir ein grösserer Verein und haben mehr Gewicht in der Region. Zusätzlich können wir beispielsweise im Vorstand Synergien nutzen», erklärt Breer die Massnahme, die das mittel- bis langfristige Ziel des Vereins, junge Spieler sowie Volleyball in Basel zu fördern, unterstützen soll.

«Wir wollen eine Plattform bieten, die eine gute Ausbildung und gutes Volleyball ermöglicht»,

sagt John. Eine Rückkehr in die NLA ist bewusst nicht das Ziel. Der Weg dorthin ist lang und benötigt vor allem finanzielle Mittel. «Wenn diese wieder vorhanden sein sollten, sind die Strukturen für einen NLA-Verein in Basel schaffbar», sagt John. Am Samstag beginnt erst mal die NLB-Saison mit einem erfolgshungrigen Team. Erster Gegner von Traktor ist in der Rankhofhalle Amriswil.

«Wir sind sehr motiviert und freuen uns, mit einem jungen Team, in dem viele Spieler aus Basel sind und hier ausgebildet wurden, in die Saison zu starten», erklärt Breer. Es ist eine Art «back to the roots», war doch der ursprüngliche Plan von Traktor, Spielern, die in der Region ausgebildet wurden, die Möglichkeit zu geben, in der Region auf hohem Niveau zu spielen. Von Resignation ist rund um den Verein nichts zu spüren. Vielmehr werden die Würfel wieder in den Becher gelegt und mit Energie und Passion ein neuer Wurf vorbereitet.

Teamzusammensetzung in der neuen Saison

Mit folgenden Spielern und Trainern startet Traktor Basel in die NLB Saison: 

Spieler vom letztjährigen NLA-Team: Nico Ramer, Timo Simonett, Nathan Broch

Neu: Jannis Hilber (Gelterkinden)

Ausländer: Amar Brodlic

Vom 1. Liga Team: Janis Gysin, Timon Gysin, Lorin Rehn, Jann Dillier, Linus Deecke, Lino Steinmann, Severin Breer

Trainer: Matthias Buser (von Gelterkinden) , Freddy Locher

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