Kunstturnen

Vom Schmerz gestoppt: Oliver Hegi verpasst Titelverteidigung

Der Kunstturner Oliver Hegi kann seinen Titel nicht verteidigen.

Oliver Hegi bleibt an den Europameisterschaften in Stettin die Chance verwehrt, seinen Titel am Reck zu verteidigen. Der angeschlagene Aargauer stürzt in der Qualifikation am Königsgerät und verpasst den Final. Insgesamt erkämpft sich die STV-Riege fünf Finalplätze.

Es hat nicht sein sollen. Oliver Hegi, der Reck-Europameister vom letzten August in Glasgow, hatte auf die Zähne gebissen und alles versucht, sich eine neuerliche Chance auf den Gewinn einer EM-Medaille zu erarbeiten.

Am Reck patzte aber bereits beim zweiten Flugelement der Traum von der neuerlichen Final-Qualifikation, als er die Stange verfehlte und bäuchlings auf der Matte landete. Am Pauschenpferd sah es lange Zeit gut aus, ehe der Aargauer kurz vor Ende der Übung aus der Balance kam und das Gerät verlassen musste. «Ich habe eine Millisekunde nicht aufgepasst, dann war ich unten», so Hegi.

Keine ideale Vorbereitung

Gestoppt hatte den 26-Jährigen eine schmerzhafte Prellung und eine Muskelquetschung in der Hüftgegend, die er sich letzte Woche im Training bei einem missglückten Abgang am Barren zugezogen hatte. «Die Schmerzen gingen nicht weg. Ich habe alles gegeben, aber es klappte nicht», so Hegi.

Die Vorbereitung auf den Wettkampf war alles andere als ideal. «Ich spürte die Geräte nicht richtig, weil ich kaum an ihnen turnen konnte.» Zudem sei es schwierig gewesen, sich zu fokussieren. «Man weiss genau, dass die Schmerzen kommen werden. Dies ist nicht alltäglich und kann man im Training kaum trainieren.»

Baumanns Erinnerungen an 2015

Für Hegi mussten andere in die Bresche springen. Die beiden Mehrkämpfer Eddy Yusof und Christian Baumann zeigten einen sehr soliden Wettkampf und totalisierten mit 81,697 Punkten exakt die gleiche Punktzahl. Ein noch besseres Resultat als die Ränge 12 und 13 verpassten beide am letzten Gerät mit missglückten Übungen am Pauschenpferd.

Sein Glanzstück hatte Baumann am Barren abgeliefert. Dank einer nahezu fehlerfreien Übung, die mit 14,633 Punkten belohnt wurde, qualifizierte sich der Aargauer für den Gerätefinal vom Sonntag. 2015 hatte Baumann in Montpellier an diesem Gerät EM-Silber geholt.

Die Erinnerungen an den Erfolg in Südfrankreich sind zwar präsent, Baumann aber relativierte: «Viel mehr als ich in der Qualifikation gezeigt habe, kann ich nicht. Momentan turne ich noch nicht so schwierig. Um ganz vorne mitzumischen, fehlt noch ein bisschen.»

Im letzten Jahr hatte sich Baumann mit Problemen am Handgelenk herumgeschlagen, noch heute spürt er gelegentlich Schmerzen, weshalb er auch das von ihm kreierte Element, den Baumann, nicht turnen kann. Den Final am Reck verpasste Baumann als Neunter nur knapp, ebenso wie Taha Serhani, dem eine unsaubere Landung zum Verhängnis wurde.

Zwei Finals für Gischard

Neben Baumann war Benjamin Gischard der grosse Gewinner im Schweizer Team. Der Berner zeigte am Boden eine glänzende Vorstellung und überzeugte mit tadellosen Landungen. Mit 14,800 Punkten tritt er als Dritter der Qualifikation am Samstag zum Final der besten acht an.

Und auch am Sprung schaffte er als Siebenter der bereinigten Rangliste die Qualifikation für den Final. «Jetzt muss ich noch einmal ähnlich turnen, dann kommt es gut», sagte Gischard. Der Jura-Student ist nun die grosse Schweizer Medaillenhoffnung in Stettin.

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