Langlauf
Wann kommt Curdin Perl mit seiner blauen Zipfelmütze ins Bild?

Der Engadiner ist mit grosser Zuversicht zum Weltcupstart in den hohen Norden gereist. Und mit noch grösserer Ernüchterung zurück nach Davos.

Rainer Sommerhalder
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Curdin Perl kam diese Saison bisher noch nicht auf Touren.

Curdin Perl kam diese Saison bisher noch nicht auf Touren.

Keystone

«Die Form ist eigentlich gut, wären nur diese blöden Rennen nicht!» Curdin Perl muss selber lachen über den Satz, den er soeben von sich gegeben hat. Der 32-Jährige weiss, dass er sich trotz Bestwerten in den Leistungstests und einer Extraportion Motivation in der Saisonvorbereitung im Wettkampf nichts kaufen kann.

Nach drei Wintern ohne einstelligen Weltcuprang wollte der Engadiner eigentlich wieder die Abteilung Attacke anführen. Offensiv verkündete er vor zwei Wochen seine Zielsetzung, regelmässig in die Top 10 zu laufen.

In Lillehammer enttäuschte Perl auf ganzer Linie.

In Lillehammer enttäuschte Perl auf ganzer Linie.

Keystone

Doch zuletzt beim Verfolgungsrennen über 15 km klassisch in Lillehammer war Perl derart abgeschlagen im Feld, dass seine charakteristische blaue Zipfelmütze kein einziges Mal durchs Live-Bild am TV huschte. «Es war so schlecht, dass ich mir nicht mal sicher war, es bis ins Ziel zu schaffen», sagt Perl in seiner bekannten, bisweilen zynisch angehauchten Art.

Die Ränge 55, 30 und 58 in den drei bisherigen Weltcuprennen schreien nach einer Erklärung. Doch erklären kann der Familienvater aus Pontresina wenig bis nichts. «Es war total frustrierend. Das gesamte Schweizer Team wurde zum Auftakt von der Realität überrumpelt.»

Erste Spuren von Unsicherheit

Selbstverständlich frage man sich in einem solchen Moment, ob die Form wirklich so gut ist, wie es einem das Gefühl sage. Die Rennen unter ferner liefen haben selbst beim Routinier in seiner 12. Weltcupsaison Spuren der Verunsicherung hinterlassen. Kommt hinzu, dass er derzeit die Signale des Körpers nur schwer interpretieren kann. «Als ich am Dienstag in Davos ankam, war ich im Kraftraum bereits nach fünf Klimmzügen extrem schlapp. Einen Tag später in der Loipe war es dann schon wieder ganz ordentlich.»

Einen 15. Rang am Samstag beim Heimrennen in Davos würde er auf jeden Fall sofort unterschreiben. Mehr ist inzwischen auch für ihn nur schwer vorstellbar. Da helfen bisweilen als Durchhalteparolen nur noch traditionelle Sportweisheiten.

Etwa zu seiner Saisonvorbereitung: «Wenn man eine gute Arbeit gemacht hat, kommt der Zahltag.» Oder zum grossen Saisonhöhepunkt: «Wenn an der Weltmeisterschaft alles passt, dann fragt niemand mehr nach Kuusamo oder Lillehammer.» Derzeit wird er noch danach gefragt. Und findet kaum Antworten.

Gäbe es Dario Cologna nicht, Curdin Perl wäre ein Schweizer Langlaufstar. Sein Husarenstück lieferte der blaue Zipfelmützenmann an der Tour de Ski 2011 mit dem 4. Schlussrang. Mehrere Top-10-Plätze im Weltcup, ein elfter Platz an der WM 2013 und ein 12. Platz beim Fünfziger an den Olympischen Spielen in Sotschi komplettieren Perls Leistungsausweis.

In Sotschi wusste Curdin Perl zu überzeugen.

In Sotschi wusste Curdin Perl zu überzeugen.

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Immer wieder musste er sich angesichts seines oft sehr angriffigen Laufstils und seiner kilometerlangen Führungsarbeit an der Spitze des Feldes vorwerfen lassen, noch bessere Resultate taktisch vergeben zu haben. «Derzeit schaffe ich es nicht mal ganz nach vorne ins Feld, selbst wenn ich wollte», sagt Perl mit einem Grinsen im Gesicht.

Die richtige Taktik für Davos

Für das Heimrennen in Davos über 30 Kilometer in freier Technik, das für den Engadiner so etwas wie Saisonstart Version 2.0 darstellt, hat er sich bewusst eine Taktik zurechtgelegt. Im Skatingrennen in Lillehammer habe er die erste Runde komplett verschlafen und in der Schlussrunde dann mit den Allerbesten mitgehalten. «Ich muss also gut ins Rennen reinkommen und später ein schnelles Züglein erwischen. Das ist in Davos mit den langen Anstiegen die halbe Miete.»

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