In der Radsportszene stören sich viele daran, dass Chris Froome überhaupt beim Giro d'Italia mitmacht. «Ich an seiner Stelle hätte verzichtet», sagt zum Beispiel Vorjahressieger Tom Dumoulin. Seit im letzten Spätherbst bekannt wurde, dass Froome bei seinem Sieg an der Spanienrundfahrt 2017 mit einer zu hohen Dosis des Asthma-Medikaments Salbutamol in einer Doping-Kontrolle hängen geblieben ist, wartet der britische Radstar noch immer auf eine mögliche Sanktion.

Weil verschiedene Asthma-Mittel wie zum Beispiel Salbutamol bis zu einer gewissen Dosis zugelassen sind, führt ein Überschreiten dieser Menge nicht automatisch zu einer Sperre. Der betroffene Sportler kann eine Begründung liefern, die ihn möglicherweise entlastet.

Froome bezeichnet sich als unschuldig und behauptet, eine anatomische Besonderheit oder ein verfälschter Messwert wegen einer extremen Dehydration während der 18. Etappe der Vuelta seien verantwortlich für die genau um 100 Prozent überschrittene erlaubte Höchstmenge. Er habe die Regeln für den Gebrauch eingehalten.

Wer jetzt mit dem Finger auf Froome zeigt, sollte aber auch ein Auge auf Simon Yates werfen. Schliesslich blickt auch der Giro-Leader auf ein Vergehen mit einem Asthma-Medikament zurück. Während des Mehretappenrennens Paris-Nizza im Frühling 2016 wurde er der Einnahme des  Asthma-Mittels Terbutalin überführt. Das Team sprach von einem «menschlichen Irrtum» und die Teamärzte nahmen die Schuld auf sich. Sie hätten die Einholung der dafür notwendigen Ausnahmebewilligung (TUE) verpasst. 

Die Disziplinarkommission des Radsportverbandes glaubte dieser Version und verurteilte Yates mit der Begründung eines «unbeabsichtigten Verstosses gegen die Anti-Doping-Regeln» zu einer geringen Sperre von vier Monaten. Damit hat er Froome immerhin voraus, für sein «Vergehen» bereits Busse geleistet zu haben. Yates verpasste deswegen vor zwei Jahren die Tour de France.

Andere Vorgänger von Froome mussten wegen zu hoher Salbutamol-Werten im Urin länger aussetzen. Der italienische Sprinter Alessandro Pettachi erwischte es im Giro 2007. Er durfte ein Jahr lang rennmässig nicht aufs Velo steigen. Bergspezialist Diego Ulissi – auch er ist derzeit im Giro engagiert – war vor vier Jahren überdosiert bei der Italien-Rundfahrt unterwegs und bekam dafür neun Monate Sperre.

Maximal drohen Chris Froome zwei Jahre sowie die Aberkennung sämtlicher Resultate seit der positiven Probe in der 18. Etappe der Spanien-Rundfahrt. Es wird erwartet, dass die Anti-Doping-Einheit der UCI ein Urteil vor dem Start der Tour de France fällt. Die Organisatoren des bedeutendsten Velorennens haben mitgeteilt, dass sie Froome allenfalls von der Tour ausladen wollen. (rs)