EM 2016
Was Mehmedi als erster Schweizer Natispieler geschafft hat

Admir Mehmedi schiesst gegen Rumänien sein erstes Tor an einer Europameisterschaft. Ein Treffer von Tragweite, auch wenn er sich das im ersten Moment nicht bewusst ist.

Etienne Wuillemin, Montpellier
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Zuversichtlicher Blick in die Zukunft. Admir Mehmedi ist überzeugt, bald noch mehr Tore für das Nationalteam zu schiessen. KEY

Zuversichtlicher Blick in die Zukunft. Admir Mehmedi ist überzeugt, bald noch mehr Tore für das Nationalteam zu schiessen. KEY

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Ganz am Anfang ist Admir Mehmedi vor allem ratlos. «Nein, darauf kann ich so kurz nach dem Spiel nun wirklich keine Antwort geben», sagt er. Zugegeben, die Frage war auch nicht ganz einfach: Welche Bedeutung dieses wunderbare Tor gegen Rumänien habe in seiner Karriere. Dann lächelt Mehmedi. «Ich habe gehört, dass ich der erste Schweizer sei, dem sowohl an einer WM als auch an einer EM ein Tor gelingt, das ist natürlich geil!» Und dies erst noch mit dem linken Fuss, «der ist ja eigentlich viel schlechter als der rechte.»

So ist das manchmal im Leben eines Fussballers. Ein halbes Jahr lang ist man vor allem mit Zweifeln konfrontiert. Dann kommt ein Spiel, Tor! – und alles ist anders. Wenn Mehmedi in diesen Tagen über sich selbst spricht, klingt er immer auch ein wenig wie ein Angeklagter. Weil er eine Saison erklären muss, die nicht immer so verlief, wie er sich das vorgestellt hätte.

Der 25-Jährige tut das ganz abgeklärt. «Vieles kommt negativ rüber, weil ich in den letzten zwei Monaten nicht mehr richtig zum Einsatz gekommen bin. Aber ich blicke lieber auf die gesamte Saison.» Und lässt Fakten sprechen. «Ich habe 41 Spiele absolviert und dabei 15 Skorerpunkte erzielt. Ich konnte Erfahrungen in der Champions League sammeln. Und all dies nicht irgendwo, sondern bei Leverkusen, einem Topklub in Deutschland.»

Seit Mitte März setzte Roger Schmidt, Mehmedis Trainer in Leverkusen, nicht mehr auf ihn. Drei schwache Spiele des Teams gegen Mainz (1:3), Bremen (1:4) und Augsburg (3:3) wurden ihm zum Verhängnis – trotz dreier Assists. «Wenn man bei Leverkusen eine schwächere Phase hat, dann kommt der nächste, der wartet. Da ist es eben nicht mehr wie in Freiburg, wo man es sich erlauben kann, einmal in ein Loch zu fallen. Meinem Konkurrenten Julian Brandt lief es sehr gut und dazu gewann das Team plötzlich sieben Mal in Serie.»

Auch darum ist Mehmedi nicht mit dem Selbstvertrauen wie vor der WM 2014 ins Camp der Nationalmannschaft eingerückt, als er zwölf Bundesliga-Tore erzielt hatte, viele davon in der Rückrunde. Eines aber ist gleich geblieben: seine Fähigkeit für den besonderen Moment. Genau zwei Jahre sind vergangen zwischen damals und dem Spiel am Mittwoch. Damals, das war diese WM-Auftaktpartie gegen Ecuador. Mehmedi, zur Pause eingewechselt, schoss nicht einmal zwei Minuten später schon das 1:1. Am Ende gewann die Schweiz 2:1.

Diesmal ist Mehmedis Treffer gegen Rumänien immerhin einen Punkt (und wahrscheinlich die vorzeitige Achtelfinal-Qualifikation) wert. Er hat viele Gratulationen bekommen, über 100 SMS. «Am meisten gefreut haben mich die Worte meines Vaters.» Auch aus Leverkusen kam eine Botschaft – allerdings nicht vom Trainer, sondern von Sportvorstand Rudi Völler.

Ist Mehmedi also der neue Mann der wichtigen Tore? «Das würde ich so nicht sagen. Es wäre schön, wenn ich das eine oder andere Tor mehr hätte im Nationalteam. Aber es ist leider so, ich habe erst fünf.» Pause. Dann sagt Mehmedi: «Ich bin überzeugt, dass es bald mehr werden.»

Vielleicht schon gegen Frankreich. Er sagt: «An der WM wollten wir zu viel und sind ihnen ins offene Messer gelaufen. Wir haben die Lehren daraus gezogen.»

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