Fabian Cancellara

Cancellara im taktischen Schwitzkasten

Aus der Traum: Cancellara, ausgepumpt am Ziel der Heim-WM.

Cancellara

Aus der Traum: Cancellara, ausgepumpt am Ziel der Heim-WM.

Fabian Cancellara versuchte alles, war im Fahrerfeld einer der Stärksten, wurde aber von den taktierenden Italienern und den Spaniern am erträumten WM-Triumph gehindert.

Marcel Kuchta

Da sass er, völlig ausgepumpt an die Werbebande gelehnt, gierig ein Rivella trinkend, mit leerem Blick, die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Fabian Cancellara war nach 262 harten Kilometern als Fünfter über die Ziellinie gefahren. Ein hervorragendes Resultat, aber am Ende doch nicht das, was er und die Mehrheit der 100 000 Zuschauer in Mendriso sich so sehr erhofft hatten: den Weltmeistertitel.

Alles gegeben

Fabian Cancellara hatte alles gegeben. Er hatte versucht, dem Rennen in der Schlussphase mit aller Macht den Stempel aufzudrücken. Sorgte bei seinen Gegnern mit seinen Antritten für schmerzverzerrte Gesichter. Und doch reichte es nicht. Denn Cancellara war fast zu stark, hatte mit seiner dominanten Fahrweise die Konkurrenz aus Spanien und Italien, die ihn sowieso schon ganz oben auf der Liste der Hauptgegner platziert hatten, endgültig aufgeschreckt.

Fabian, der Hauptgegner

Die beiden stärksten Mannschaften hatten Cancellara als Hauptgegner auserkoren und liessen den Zeitfahr-Weltmeister nicht gewähren. Als er in der Abfahrt in Richtung Balerna Kopf und Kragen riskierte, da klebte ihm unablässig ein Spanier am Hinterrad. Und als er seinen Angriff schliesslich entkräftet abbrach, da profitierten die anderen. Cadel Evans ritt die entscheidende Attacke, während Fabian Cancellara im taktischen Schwitzkasten gefangen blieb. Ein kleiner, wenn auch schwacher Trost blieb dem 28-Jährigen. Sowohl die Italiener als auch die Spanier wurden für ihre Feigheit bestraft. Damiano Cunego war als Achter bester Azzurro. Und mit Joaquin Rodriguez' Bronzemedaille können auch die erfolgsverwöhnten Spanier nur wenig anfangen.
«Es hat nicht sollen sein, dass ich in Mendrisio Doppel-Weltmeister werde», sagte ein enttäuschter, aber trotzdem gefasst wirkender Fabian Cancellara. «Ich habe etwas riskiert, suchte die Vorentscheidung. Aber es gab halt Leute, die die Lotterie für mich nicht gewinnbar machten», konnte er sich einen Seitenhieb auf die südeuropäische Konkurrenz nicht verkneifen und fügte an: «Immerhin habe ich gezeigt, dass der Sieg möglich gewesen wäre.»

Vor dem grossen Finale in diesem spannenden Rennen hatten seine Teamkollegen eine taktisch blitzsaubere Leistung gezeigt. Die kleine Schweizer Mannschaft zeigte ein starkes Rennen, war stets präsent, um die goldene Mission erfolgreich zu Ende zu bringen. Doch am Ende blieb auch für sie nur die Enttäuschung, über den Traum, der sich nicht erfüllte.

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