Springreiten
Der CSI Zürich behauptet sich im Touren-Chaos

Co-Präsident Rolf Theiler erzählt von den Hürden, die der CSI Zürich jährlich überwinden muss, um als Weltcupspringen bestehen zu können. Die Zukunft des Mercedes-CSI könnte aber schlechter aussehen sein.

Michael Wehrle
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Reiter und Besucher geniessen den CSI im Hallenstadion in Zürich Oerlikon.

Reiter und Besucher geniessen den CSI im Hallenstadion in Zürich Oerlikon.

KEYSTONE

Ein Topfeld präsentiert Theiler in diesem Jahr wieder. «Acht Reiter aus den Top 10 starten im Hallenstadion», freut er sich. Und keiner habe abgesagt. Vielleicht hänge das mit dem starken Franken zusammen. Denn für die Reiter aus dem Euro-Raum sei das Preisgeld, das bis zu 930 000 Franken beträgt, ja um 20 Prozent gestiegen.

Voraussetzung ist, dass endlich ein Reiter einmal den «Art on Ice-Rittberger» kassiert. Mit 300 000 Franken ist dieser dotiert. Es braucht dazu die Siege in allen drei grossen Prüfungen des Mercedes-CSI Zürich. Noch hat das keiner geschafft.

«Besser geht es kaum», freut sich Theiler über das Feld. Und ist sicher, dass sich sein Konzept mit nur drei Tagen und nur zwei Hauptprüfungen mit Stechen bewährt, auch wenn zu Beginn einige die Nase gerümpft hätten: «Das wird den Pferden gerechter und wird von den Reitern geschätzt.» Auch wenn das beim einen oder anderen anders töne. «Das Preisgeld muss stimmen», sagt Theiler. Um zweimal 100 000 Franken und im Weltcupspringen vom Sonntag um 230 000 Franken gehe es in den Hauptprüfungen.

Basel und Zürich hocken aufeinander

Theiler ist nach wie vor vom Konzept des CSI mit drei Säulen überzeugt: Topsport, tolle Show und Unterhaltung für die ganze Familie. «Der letzte Punkt ist auch ganz wichtig, die Tickets für Samstag mit viel Unterhaltung sind immer am schnellsten weg.»

Weil Basel, zwei Wochen vor Zürich, ganz auf Sport setzt, sprechen die Turniere nicht genau dieselbe Kundschaft an. Dennoch sagt Theiler: «Basel und Zürich ist eigentlich zu viel in dieser Zeit.» Eine Entflechtung der Termine wäre gut, auch weil Zürich die Zuschauer aus dem Raum Basel fehlen. Rund 3500 seien das früher gewesen. Theiler kennt aber die Probleme der Basler mit einem anderen Termin in der St. Jakobshalle.

Der Traum vom Weltcupfinal

Schon deshalb ist Theiler am Weltcupfinal Mitte April interessiert. «Doch das Problem ist die Messe Zürich», sagt er. Drei Jahre vor einem Final müsse er dem Internationalen Pferdsportverband (FEI) zusagen. «Doch solange im Voraus reserviert uns die Messe ihre Hallen nicht und die brauche ich für einen Final», erklärt er.

So bleibt es beim normalen Weltcupspringen. «Da sind jetzt gute Turniere dabei, deshalb sind wir auch froh, dass wir dazugehören», sagt er. Denn der Weltcup sei das Format, das funktioniere. Auch wenn sich Theiler noch mehr Kontinuität bei der Auswahl der Turniere wünscht. Ansonsten aber kritisiert er die FEI hart: «Die Krankheit unseres Sports ist, dass es ein ‹Jekami› ist, jeder kann ein Fünfsternturnier organisieren, die Daten sind nicht geschützt.»

Dazu gebe es zu viele Touren: «Da wird das Chaos immer schlimmer statt besser.» Die Global Champions Tour trage den falschen Namen, nur wenige Champions seien jeweils am Start, es sei einfach eine Global Tour. «Und die Nationenpreisserie hat die FEI verkachelt», kritisiert Theiler. Das einstige Aushängeschild des Springsports sei unübersichtlich, kaum jemand verstehe den Modus.

Top-Nati sei dank

Unter solchen Schwierigkeiten leide jedes Turnier, auch Zürich. «Eine erfolgreiche Nationalmannschaft hilft immer», sagt Theiler. So wie der Weltcupstatus dem Sport in der Schweiz helfe dank Aufmerksamkeit und Startmöglichkeiten auf höchstem Niveau für einheimische Reiter. Von daher hofft Theiler, dass sich die Schweiz im Sommer für Olympia qualifiziert.

Rund 20 Prozent Arbeit wendet Theiler für den CSI auf und ist mit 58 Jahren keineswegs müde. Bis 2017 läuft der Vertrag mit dem Titelsponsor. Das Verhältnis sei sehr gut, noch enger als früher, deshalb sei eine Verlängerung gut möglich.

Sicherheit brächten die Verträge mit Longines und LGT bis 2018. So ist Theiler zuversichtlich, obwohl der starke Franken sicher Probleme bringen wird: «Aber wir haben die Immobilien- und die Finanzkrise überwunden, wir bewältigen auch die Euro-Krise.»

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