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Disqualifikation wegen blutiger Wunde führt zu Diskussionen

Martin Fuchs wurde disqualifiziert, weil sein Pferd Clooney blutete.

Martin Fuchs wurde disqualifiziert, weil sein Pferd Clooney blutete.

Weil Martin Fuchs, aufgrund eines blutigen Kratzers seines Pferdes Clooney disqualifiziert wird, landen die Schweizer beim CSIO von St. Gallen nur auf dem sechsten Rang.

So schlecht waren die Schweizer Reiter seit 2004 nicht mehr. Damals beendete das Team den CSIO Schweiz, in Luzern, lediglich auf dem siebten Platz. Gestern liessen sie mit der Tschechien und Belgien nur zwei Nationen hinter sich – Platz sechs ist eine herbe Enttäuschung. Es siegte Irland.

Dabei schickte Equipenchef Andy Kistler sein bestes Team auf den Parcours, das Team, das sich in zweieinhalb Monaten bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro selbst eine Medaille zum Ziel gesetzt hat.

Martin Fuchs auf Clooney in Aktion

Martin Fuchs auf Clooney in Aktion

Den Sieg hatte Kistler beim Nationenpreis in St. Gallen als Vorgabe ausgegeben, zumindest auf dem Podest sollten seine Reiter landen. Doch es kam ganz anders. Zwar schonte Steve Guerdat sein Paradepferd Nino de Buissonnets und sattelte Bianca. Doch das sollte eigentlich keine grosse Rolle spielen, schliesslich setzt der Olympiasieger von London inzwischen auch auf die, allerdings noch unerfahrene, Stute.

Mit einem Fehler beendete Guerdat den ersten Umlauf, wie Paul Estermann auf Lord Pepsi und Martin Fuchs auf Clooney. Einzig Romain Duguet blieb mit Quorida de Treho ohne Fehler. Damit belegten die Schweizer zur Halbzeit immerhin den zweiten Platz hinter Deutschland.

Hiobsbotschaft folgt

Die Hiobsbotschaft aber folgte sofort. Joachim Geilfus, der ausländische Richter, überbrachte sie: Disqualifikation von Martin Fuchs. Sein Pferd hatte Blut an der Flanke. Das gleiche Schicksal ereilte auch den Schweden Rolf-Göran Bengtsson. «Wir haben die Ritte der beiden analysiert, aber keine Vergehen gefunden», betonte Geilfus. Doch die Regel sei nun einmal so. Blut am Pferd bedeute das Aus.

«Ich bin mir keiner Schuld bewusst», sagte Fuchs. Er habe auch nichts bemerkt und das sei ihm zum ersten Mal in seiner Karriere passiert. «Es ist ein Kratzer an der Flanke», erklärte er. Zunächst habe der Steward ein Foto gemacht, dann der Veterinär und etwa 20 Minuten später habe er von seiner Disqualifikation erfahren.

Da habe er das Blut schon abgewaschen und den Kratzer mit Creme abgedeckt. «Das ist eine umstrittene Regel, Clooney hatte sicher keine Schmerzen», betonte Fuchs. Seine Enttäuschung sei gross, zumal er sicher gewesen sei, einen zweiten Umgang ohne Fehler hinzulegen. «Es tut mir leid, dass ich dadurch das Team geschwächt habe», erklärte Fuchs. Seine Kollegen allerdings hätten Verständnis gezeigt, ihm keine Vorwürfe gemacht.

Guerdat sauer auf Verband

Ziemlich sauer war aber Guerdat. Jedoch nicht auf Fuchs, sondern auf den internationalen Verband FEI, der seit einigen Monaten ein besonderes Augenmerkauf solche Sachen lege: «Da gehen inzwischen Bilder um die Welt, Leute suchen solche Fotos und schicken sie herum und die FEI schenkt dem viel zu viel Aufmerksamkeit, statt zu dokumentieren, wie sorgfältig wir mit unseren Tieren umgehen.»

Das sei ein Kratzer, wie er bei einem 20 Kilogramm schweren Kleinkind vorkomme, der schmerze ein 500 Kilogramm schweres Pferd sicher nicht. «Jedes Ross kommt von der Weide mit Kratzern zurück, das ist natürlich», betonte Guerdat und ergänzte: «Wenn es allen Menschen auf der Welt so gut geht wie unseren Pferden, dann geht es allen besser.» Diese Regel werfe ein schlechtes Bild auf den Sport, sie müsse angepasst werden, fand Kistler.

Gute Pferde

Wegen der Disqualifikation fehlte den Schweizern das Streichresultat im zweiten Durchgang. Und weil sich jeder noch einen Fehler leistete, fiel das Team auf den sechsten Rang zurück. Dabei waren sich alle einig. Die Pferde seien wirklich gut drauf gewesen, jeder Reiter habe seine Fehler selbst verursacht.

«Das alles war natürlich ganz anders vorgesehen», sagte Kistler. Positiv sei, dass alle vier Pferde gut gegangen seien. Aber Philippe Guerdat, Vater von Steve und Equipenchef der Franzosen, habe ihm gesagt: «Ihr habt an einem Tag alles Pech der Saison.» Das sei dann auch sein Motto bei der Ansprache zwischen den beiden Umläufen gewesen. So wollte Kistler den Stab nicht über sein Team brechen: «Ich muss das nun verdauen, aber alle haben toll zusammengearbeitet und ob wir daraus Lehren ziehen können, muss ich erst einmal analysieren.»

Autor

Michael Wehrle

Michael Wehrle

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