Noemi ist eine hoffnungsvolle Mittelstrecken-Leichtathletin. Die 18-jährige Innerschweizerin gehört dem nationalen Nachwuchskader an. Doch Noemi rennt nicht nur schnell, sie macht sich auch Gedanken über ihre Sportart. Eine Sportart, in der Athleten, denen Noemi auf den sozialen Medien folgt, auf einmal als Dopingsünder entlarvt werden. «Ich habe immer gewusst, dass es Doping gibt, aber ich habe nicht geahnt, wie gross das Ausmass ist», sagt Noemi mit Blick auf den russischen Betrug.

Also hat sich die junge Frau für ihre Maturarbeit das brisante Thema «Soll man Doping freigeben?» ausgesucht. Die Antwort für sich selbst kennt die Alpnacherin längst. «Ich werde nie zu unerlaubten Mitteln greifen», heisst es in der Einleitung einer ihrer Fragen: «Bin ich deswegen naiv?» Nein Noemi, du bist ein Vorbild!

Junge Schweizer Athletinnen und Athleten aus Sportarten mit erhöhtem Dopingrisiko können sich glücklich schätzen, intensiv über Gefahren und Risiken aufgeklärt zu werden. Antidoping Schweiz lobt explizit die Präventionsarbeit in der Leichtathletik und im Radsport. So absolvieren Talente bei Swiss Athletics jährlich das E-Learning-Tool «Clean Winner» und thematisieren zweimal pro Jahr bei Kaderzusammenzügen Fragen rund um Doping.

Es geht etwa um Nahrungsergänzungsmittel, oder ein Vertreter von Antidoping Schweiz zeigt, wie eine Kontrolle abläuft und welche Rechte ein Athlet hat. Auch am jährlichen Besuch beim Kaderarzt werden Fragen zu Doping erläutert. Noemi weiss also im Gegensatz zu vielen gleichaltrigen Leichtathleten aus anderen Weltregionen ganz genau, was Sache ist.

Auch bei Swiss Cycling geht man das Thema Doping offensiv an. «Ich halte nichts von der Meinung, dass man beim Nachwuchs keine schlafenden Hunde wecken soll», sagt Leistungssportchef Thomas Peter. «Manchmal tun mir die jungen Fahrer aber auch leid, weil sie ständig mit Doping konfrontiert werden. Sie sind im Grunde noch weit weg von diesem Thema.»

Immer wieder Diskussionen gibt es im Verband auch, weil man mit Danilo Hondo einen Nationaltrainer beschäftigt, der als Fahrer selbst wegen Dopings gesperrt war. Peter sieht die Vorteile: «Er ist als Trainer in diesen Gesprächen mit jungen Fahrern extrem glaubwürdig.» Ein Kaderathlet durchläuft bei Swiss Cycling mehrere Ausbildungen zu Dopingthemen. Man organisiert Vorträge, vermittelt Werte. Doch Thomas Peter macht sich keine Illusionen: «Man muss sich letztlich auch eingestehen, dass man trotz aller Prävention nicht voraussehen kann, wie ein Fahrer später in einer extremen Drucksituation auf ein unmoralisches Angebot reagiert.»