Ein Spielerberater nervt die Liga

Max Urscheler streut in Europa per Fax seine Liste mit jungen Spielern. Darunter sind auch 15-Jährige. Ernst Graf, Ausbildungschef beim FC Zürich, spricht von Menschenhandel.

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Aargauer Zeitung

François Schmid-Bechtel

16. November. Max Urscheler sitzt als Talk-Gast in der Sendung «Sportlounge» des Schweizer Fernsehens. Er produziert sich als Gutmensch und sagt Sätze wie: «Unser erstes Ziel ist, dass ein junger Spieler Erfolg hat.» Fast gleichzeitig sendet er etlichen Klubs in Europa eine Liste (siehe Auszug rechts) mit «seinen» jungen Spielern vom FC Basel, FC Zürich, FC St. Gallen, Servette, den Young Boys und den Grasshoppers. In seinem Portfolio führt Urscheler vier U17-Weltmeister und zwei Spieler mit Jahrgang 1994 auf. Zwar bietet er die Talente gemäss Wortlaut nicht explizit zum Verkauf an, sondern betont, dass diese Spieler exklusiv mit seiner Firma zusammenarbeiten würden. Doch es ist schleierhaft, welche anderen Motive, wenn nicht ein Transfer ins Ausland, ihn sonst zu dieser Aktion motiviert haben könnten.

Der Tottenham Hotspur Football Club, einer der Adressaten, sendet Urschelers Fax an einen Schweizer Klub zurück. In einer Sitzung der Ausbildungs-Chefs der Super-League-Klubs wird Urscheler zum Thema. Der Tenor an jener Sitzung: Es geht nicht nur um dieses Fax, sondern darum, dass die Praktiken der Spielervermittler immer dreister werden.

Genervter FCZ - gelassener FCB

Beim FC Zürich gehen die Emotionen hoch. Sportchef Fredy Bickel sagt: «Wir verurteilen Urschelers Aktion aufs Schärfste. Er serviert den europäischen Grossklubs unsere jungen Spieler auf dem Serviertablett.» Ernst Graf sagt: «Ich finde es makaber, 15-Jährige in London anzubieten. Vorne herum reden Leute wie Urscheler von Karriereplanung, hintenrum machen sie das Gegenteil davon. Für mich ist das Menschenhandel. Und ich kann die Eltern der Spieler nicht verstehen, die sich in die Hände begeben.» Beim FCZ ist Urscheler einer von etwa fünf Beratern, welche auf einer schwarzen Liste aufgeführt werden. Eine solche wünscht sich Graf klubübergreifend.

Georg Heitz, Sportkoordinator beim FC Basel, kommentiert den «Fall Urscheler» etwas unaufgeregter. Er findet das Vorgehen des Inhabers der Agentur «Gold-Kick» etwas «unappetitlich. Urscheler war uns gegenüber nie unseriös. Es gibt in diesem Geschäft viel Schlimmere als ihn. Solche, die mit aller Macht versuchen, die Spieler möglichst schnell ins Ausland zu verkaufen. Urschelers Aktion bringt uns nicht aus der Ruhe. Denn wir haben Abmachungen mit den Spielern und ihren Eltern getroffen.» So wird U17-Weltmeister Granit Xhaka, der ebenfalls auf Urschelers Liste aufgeführt wird, im Winter das Trainingslager mit der ersten Mannschaft absolvieren und mit einem Profivertrag bis 2012 ausgestattet.

Gelassen reagiert man auch bei den Young Boys. Stefan Freiburghaus, Trainer der U21, stuft das Verhalten Urschelers als «nicht derart dramatisch» ein, um selber aktiv zu werden. Peter Knäbel, Technischer Direktor beim Verband, verrät, dass er von etlichen Bundesligaklubs auf Urschelers Fax hingewiesen wurde. «Viele befürchten, dass das Tafelsilber des Schweizer Fussballs veräussert wird.» Deshalb werde Urschelers Aktion etwas hochgebauscht. «Was ich aber am bedauerlichsten finde, dass offenbar weder die Spieler noch die Eltern der Spieler von Urscheler in Kenntnis gesetzt wurden.» Georg Heitz sagt zwar, Urscheler hätte den FCB vorgängig informiert. Doch beim FCZ, bei GC und YB hat dies Urscheler unterlassen.

Eltern und Spieler sind irritiert

Markus Frei, Vater von St. Gallens Mittelfeldspieler Fabian und Coach bei GC, ist irritiert über Urschelers Vorgehen. «Grundsätzlich ist das mit dem Fax Urschelers Sache. Aber wenn er am Fernsehen dafür einsteht, dass die Talente in der Schweiz die Ausbildung fertig machen sollten, ist das nicht vereinbar mit seiner Aktion. Bei GC können wir nicht beeinflussen, was Urscheler macht. Aber als Vater eines Spielers habe ich das Recht zu erfahren, was der Berater macht. Und auch mein Sohn wusste nichts davon.»

Fabian Frei ist nicht der einzige Unwissende. Auch U17-Weltmeister Kofi Nimeley vom FC Basel wurde von Urscheler nicht informiert. Charyl Chappuis von GC, der wie Nimeley in Nigeria Gold gewann, hat nicht mal einen Vertrag mit Urscheler abgeschlossen. Trotzdem wird er vom Spielervermittler aufgeführt. Und was sagt Urscheler dazu? Er ist im Ausland und nimmt den Anruf nicht entgegen.

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