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Grossbanken: Lobbyisten dringend gesucht

Die Banken - hier UBS und CS am Zürcher Paradeplatz.

Die Banken - hier UBS und CS am Zürcher Paradeplatz - machen den grössten Sprung (Archiv)

Die Banken - hier UBS und CS am Zürcher Paradeplatz.

Schärfere Bankenregulierung, Abzocker-Initiative: Für die Banken steht in den kommenden Monaten politisch viel auf dem Spiel. Kein Zufall, bauen sie ihre Lobbying-Arbeit aus.

Christof Forster
In einem Stelleninserat in der «NZZ» vom letzten Samstag sucht die UBS eine «erfahrene und motivierte Persönlichkeit», welche die Beziehungen zur Politik pflegt.

Zum Aufgabenportfolio gehört weiter, die politischen und regulatorischen Entwicklungen auf dem Radar zu halten und das Management zu beraten. Die UBS sucht also einen klassischen Lobbyisten, der die Interessen der Grossbank gegenüber der Politik vertritt.

Das zeigt sich auch am Anforderungsprofil für die Bewerber: Gesucht sind profunde Kenntnisse des Schweizer Polit-Systems und ein gutes Kontaktnetz in der Bundespolitik. Es ist deshalb kein Zufall, richtet die UBS das Inserat direkt an Journalisten sowie Mitarbeitern in Parteisekretariaten, Verbänden und Verwaltung.

Auch die CS sucht Leute, die für sie in Bern weibeln. Im Auftrag der Grossbank versucht ein Headhunter-Büro, Journalisten abzuwerben. Es locken eine gute Bezahlung und die Aussicht auf einen Kaderposten.

Ringen um Bankenregulierung

Das stärkere Engagement der Grossbanken in Bern fällt zusammen mit wichtigen Bankgeschäften. In den kommenden Monaten diskutiert das Parlament über eine stärkere Bankenregulierung.

Es geht um griffige Eigenkapitalvorschriften, die Bankenexzesse künftig verhindern sollen. Ein auf Ende August angekündigter Expertenbericht wird wahrscheinlich verschoben.

Politiker aus dem linken Lager befürchten, dass mit dem zeitlichen Abstand zum UBS-Desaster der politische Wille für schärfere Vorschriften abnehme.

Keine Freude haben die Banken an der «Abzocker-Initiative» von Thomas Minder, welche auf die hohen Managerlöhne zielt. Sie befürchten, Mitarbeiter an die Konkurrenz zu verlieren, wenn sie nicht mehr «marktübliche» Saläre bezahlen können. Derzeit arbeitet der Ständerat an einem indirekten Gegenvorschlag zur Initiative.

«Haben nichts zu verstecken»

Die UBS-Pressestelle spielt das Stelleninserat herunter. Es handle sich nicht um eine Ausbau-Initiative, sagt Sprecher Serge Steiner: «Wir haben nichts zu verstecken und schreiben deshalb die Stelle öffentlich aus.»

Es sei nicht seriös, politische Implikationen in das Inserat reinzulesen. Es gebe keinen nennenswerten Ausbau, heisst es auf der CS-Pressestelle. Beobachter der Szene bestätigen indes, dass die Grossbanken vermehrt in Bern präsent sein wollen. Auch ist im UBS-Inserat von «Verstärkung unseres Teams» die Rede.

Bereits im Frühling hat UBS-Chef Oswald Grübel die Lobbying-Abteilung aufgewertet. Die Einheit, bankenintern «Group Governmental Affairs» genannt, rapportiert jetzt direkt dem Bankenchef.

Einst hatte der ehemalige CVP-Präsident Adalbert Durrer eine vergleichbare Abteilung geleitet. Nach seinem Tod sind diese Aufgaben brachgelegen. Hinter dem Umbau steht die Erkenntnis der UBS-Führungsspitze, dass der Schutz der Reputation zu einem Kernanliegen der Grossbank gehört.

Deshalb sollen Erwartungen und Forderungen von Politik und Aufsichtsbehörden unmittelbar an die höchsten Stellen bei der UBS gelangen. Den «Public Affairs»-Mitarbeitern obliegt es, den Ruf der UBS bei Politikern und Behörden zu verbessern.

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