Der Biologische Athletenpass (Athlet Biological Passport, kurz ABP) wurde als Folge der EPO-Skandale im Radsport vom Antidoping-Labor in Lausanne entwickelt und kontrolliert seit 2008 die Blutwerte von Athleten. So können EPO-Gebrauch und Bluttransfusionen entdeckt werden, seit 2014 dank einem Steroid-Modul auch anabole Steroide.

Bis heute wurden 150 Sportler dank des ABP als Doper entlarvt und gesperrt. In vielen weiteren Fällen lieferten verdächtige Blutwerte Hinweise, um einen Athleten konkret mit intelligenten Testmethoden ins Visier zu nehmen und später auf frischer Tat zu ertappen.

Die nun überführten Sportler hingegen konnten offensichtlich trotz ABP jahrelang unentdeckt betrügen. Ist dies also die Bankrotterklärung des Blutpasses? Zuerst muss man wissen, wie der Blutpass funktioniert.

Er ist eine Datensammlung aus Blutproben eines Sportlers und überwacht eine Reihe von biologischen Parametern wie den Hämatokrit- und den Hämoglobin-Wert. Alleine von Antidoping Schweiz wurden im Jahr 2017 rund 900 Blutproben für den ABP verwendet. Eine Software erstellt für jeden Athleten einen individuellen Referenzbereich.

Ausschläge bieten Hinweise auf Doping. Eine Athletic Passport Management Unit – oft bei Antidoping-Labors angeschlossen – untersucht aussergewöhnliche Schwankungen. Falls sich der Verdacht auf Doping erhärtet, geht das untypische Profil an drei Experten mit unterschiedlichem wissenschaftlichem Background.

Diese nehmen weitere Abklärungen vor – Schwankungen können auch Folge von Aufenthalten in der Höhe, extremer Dehydration oder Einsatz einer Kältekammer sein. Nur wenn alle drei Doping als Grund erkennen, ist es ein positiver Fall.

In jüngster Zeit gibt es häufiger Fälle, wo keine Einigkeit erzielt wird. Auch dies ist letztlich eine Wirkung des Blutpasses. Betrüger weichen zu kleineren Mengen EPO oder Bluttransfusionen aus, um nicht aufzufliegen.

Damit geht aber auch die Dopingwirkung stark zurück. Keiner der jetzt überführten Athleten hat in letzter Zeit grosse Erfolge gefeiert. Der Blutpass hat das Zeitfenster für Manipulationen verkürzt und zwingt Athleten zu gesundheitlich hochriskanten Manövern wie mehreren Bluttransfusionen am Wettkampftag.

Die neuen Taktiken fordern die Wissenschaft, ihre Analysemethoden anzupassen. Und er fordert die Sportverbände, diese Methoden auch anzuwenden. Selbst wenn sie die Dopingbekämpfung einmal mehr deutlich verteuern.