Springreiten
Pius Schwizer gewinnt Weltcupspringen in Zürich

Pius Schwizer gewinnt beim Mercedes-Benz-CSI in Zürich das Weltcupspringen. Im Hallenstadion rollte der Oensinger als allerletzter Starter das hochkarätige Feld von hinten auf und blieb auf PSG Future ohne Fehler.

Michael Wehrle
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Pius Schwizer räumte das Feld von hinten auf.
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Der Oensinger blieb auf PSG Future ohne Fehler
Der Sieger Pius Schwizer lässt seinen Emotionen freien Lauf
Pius Schwizer gewinnt beim Mercedes-Benz-CSI das Weltcupspringen
Edwina Tops-Alexander mit Carentina de Joter wurde zweite.
Denis Lynch mit All Star sprang auf Rang 3.
Martin Fuchs wird Sechster

Pius Schwizer räumte das Feld von hinten auf.

Keystone

Der letzte Reiter machte das Rennen. Und die Fans im Hallenstadion zu Oerlikon jubelten laut auf. Mit Startnummer 39 hatten Pius Schwizer und sein Pferd PSG Future als Letzte die Mercedes-Benz Classic, das Weltcupspringen, in Angriff genommen und hatten sich als neuntes Paar ohne Fehler für das Stechen qualifiziert.

Und wieder als Letzte gingen sie dort in den Parcours. Nur Edwina Top-Alexander auf Caretina de Joter und Denis Lynch mit All Star waren bis dahin ohne Fehler durchgekommen. Beide nicht allzu schnell. So riskierte Schwizer auch nicht alles, ritt aber zügig voran und hatte auch das notwendige Glück.

Gleich zweimal klapperten in der zweifachen Kombination die Stangen ziemlich heftig, blieben aber oben. Und so sicherte sich der Schweizer mit dem um 37 Hundertstelsekunden schnelleren Ritt den Sieg vor dem Iren und der in Holland lebenden Australierin. «Eine Hundertstel reicht auch», kommentierte er seine Massarbeit. Nach ruhigem Start habe er in der zweiten Hälfte beschleunigt. «Ganz sicher ist mir auch meine Routine zu Hilfe gekommen», sagte er.

Die Peitsche blieb hängen

Jubelnd drehte Schwizer noch zwei Runden und winkte mit seinem Helm den begeisterten Fans zu. Nur als er die Peitsche vor Freude in die Luft werfen wollte, patzte er. Die blieb hängen. «Das muss ich wohl noch üben», sagte Schwizer und grinste. Tops-Alexander, die Caretina von Schwizer übernommen hat, war mit ihrem dritten Platz zufrieden. «Ich wollte ohne Fehler bleiben, weil ich mit diesem Pferd noch nicht oft auf Tempo geritten bin und vor mir fünf Reiter gepatzt hatten», sagte sie. «Ich habe das Richtige gemacht.»

Zum zweiten Mal gewann Schwizer nach 2014 die wichtigste Prüfung beim CSI in Zürich und nahm dafür einen Mercedes im Wert von 110 000 Franken nach Hause mit. Die akribische Vorbereitung des Mannes aus dem solothurnischen Oensingen hatte sich bezahlt gemacht. Zwei Stunden vor dem Grand Prix arbeitete er mit seinem Hengst intensiv auf dem Abreitplatz, direkt vor dem Stechen legte er dort noch selbst Hand an die Hindernisstangen.

«Meine Helferin hielt das Pferd, da sprang ich schnell runter und legte mir die Stange für den Probesprung selbst so hin, wie ich sie wollte», sagte er lächelnd. Alles sei für ihn angerichtet gewesen. «Aber ich musste es noch abholen, ich wollte nicht Zweiter oder Dritter werden, sondern gewinnen», betonte er. Zürich sei sein Heimturnier, da wolle er sich in Bestform präsentieren, auch weil viele Freunde und Bekannte da seien. «Das ist bei mir wie bei Steve Guerdat Genf», sagte Schwizer. Darum bedeute ihm dieser Sieg auch so viel.

Am Vormittag hatte er wieder seinen roten Kittel hervorgeholt, den grauen im Schrank versorgt. «In dieser Hinsicht bin ich ein wenig abergläubisch, jetzt reite ich erst einmal in Rot weiter», sagte er. Zumal er schon im ersten Springen des Tages gemeinsam mit Guerdat das Zweier-Equipenspringen gewonnen hatte. «Steve rief mich an, sagte, mach mit, wir brauchen noch einen Sieg», erzählte Schwizer.

Mit seinem Sieg bewies der 53-Jährige, dass er mit diesem Pferd ein ernsthafter Kandidat für die Schweizer Equipe bei den Olympischen Spielen in Rio im August ist. Noch im Parcours beglückwünschte Equipenchef Andy Kistler den Sieger. «Es freut mich sehr für Pius, dass er nun wieder voll im Geschäft ist», sagte Kistler. Erst Ende Juli des vergangenen Jahres hatte ihm Besitzer Peter Schildknecht PSG Future zur Verfügung gestellt. Bereits gut einen Monat später siegte das Duo beim GP am Fünfstern-CSI im österreichischen Villach. Vor Schwizer hatte Martin Fuchs den Wallach geritten.

«Das Pferd war am Freitag schon gut, aber beging am Schluss einen dummen Fehler», sagte Schwizer. Nun habe es gepasst. «Wahrscheinlich musste sich Future mehr an mich gewöhnen als umgekehrt», sagte Schwizer.

Fuchs wieder bester Reiter

Fuchs hatte auf Clooney den GP in Zürich mit einer Nullerrunde eröffnet. Im Stechen unterlief dem Paar ein Fehler, so landete Fuchs schliesslich auf dem sechsten Platz. Das reichte, um an seinem Heimturnier zum dritten Mal in Folge die Wertung als bester Reiter zu gewinnen. Den Sieg in einer der drei grossen Prüfungen verpasste er allerdings.

Zehn Schweizer waren beim GP insgesamt am Start, nur Schwizer und Fuchs erreichten das Stechen. Olympiasieger Guerdat landete mit Corbinian nach zwei Fehlern nur auf dem 27. Platz. «Dennoch bin ich sehr zufrieden», betonte Kistler. Alle Reiter hätten sich sehr gut präsentiert. Schade sei nur, dass es lediglich bei zwei von ihnen im GP so richtig aufgegangen sei.

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