Sportärzte haben im Umfeld eines Athleten eine besondere Verantwortung. Sie helfen mit ihrem Können und Fachwissen mit, dass ein Sportler an seine Grenzen gehen kann und dabei gesund bleibt. Und sie kennen sich innerhalb des Netzwerks Spitzensport oft auch am besten mit der Dopingthematik aus.

Was selbstredend zu Versuchungen führen kann. Ein Patient etwa könnte wünschen, ihn mittels Spezialbehandlung auf ein höheres Level zu bringen. Oder ein geltungssüchtiger Mediziner möchte sich in der Sportszene als «Wunderdoktor» positionieren.

Schräge Vögel unter den Medizinern

Der spanische Gynäkologe Eufemiano Fuentes liess sich die Dienste im Radsport teuer bezahlen und wurde als «Herr der Blutbeutel» zum Mahnmal für unerlaubte Praktiken. Der Westschweizer Sportarzt Gontran Blanc spritzte Sprinter Pascal Mancini 2011 Nandrolon anstatt Kortison ins Gelenk.

Mancini wurde für zwei Jahre gesperrt, Blanc ebenso lang aus der Schweizer Gesellschaft für Sportmedizin (SGSM) suspendiert. Und in diesem Frühling gelangte ein Berner Arzt in die Schlagzeilen, weil er Patienten mit unerlaubten Mitteln versorgte. Er war unter Medizinern als schräger Vogel bekannt.

Schwarze Schafe ausmachen und isolieren

In der Schweiz setzt die SGSM den Standard, wer sich Sportarzt nennen darf und wer nicht. Rund 440 diplomierte Sportmediziner zählt man hierzulande. Dopingjäger Matthias Kamber lobt die Arbeit der Berufsorganisation. So nimmt Antidoping in der Aus- und Weiterbildung viel Platz ein.

SGSM-Präsident German Clénin weist auf die Nulltoleranz-Philosophie sowie die gute Vernetzung mit Antidoping Schweiz und Swiss Olympic hin. In einem funktionierenden System sei es einfacher, schwarze Schafe auszumachen und zu isolieren.

Intensivierte Auseinandersetzung mit Doping

Der jüngste Fall hat dafür gesorgt, dass die Auseinandersetzung mit Doping noch einmal intensiviert wird. Die SGSM arbeitet an einer Charta, in welcher das ethische Verhalten grundsätzlich und ganz konkret AntiDoping und sexuelle Ausbeutung thematisiert werden.

Auch diskutiert man mit den Sportverbänden darüber, dass bei der Zusammenarbeit von Kaderathleten mit Ärzten anstatt «grossmehrheitlich» künftig verbindlich auf SGSM-Mitglieder gesetzt wird.

Zu guter Letzt soll an der Versammlung des Ärzte-Berufsverbandes FMH am 25. Oktober der überarbeitete Anhang 5 der Standesordnung («Medizinische Betreuung von Sporttreibenden») verabschiedet werden. Er sorgt für mehr Klarheit, welche konkrete Handhabe man gegen schwarze Schafe in der Ärztezunft hat. Denn eines ist German Clénin klar: «Wo es um sportlichen Erfolg geht, gibt es immer Menschen, die sich nicht an die Regeln halten.»