Weltcup-Finale
Er bleibt locker, sie schaut nicht auf den Punktestand: Beat Feuz und Corinne Suter könnten ihre Saison veredeln

Nach ihren Olympiasiegen haben Beat Feuz und Corinne Suter beim Weltcup-Final in Courchevel die Chance auf eine Kristallkugel. Beide müssen aber darauf hoffen, dass die Konkurrenz schwächelt.

Claudio Zanini
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«Ich kann dieser Entscheidung gelassen entgegenschauen», sagt Beat Feuz.

«Ich kann dieser Entscheidung gelassen entgegenschauen», sagt Beat Feuz.

Georg Hochmuth/AP

Beim Weltcup-Final von Lenzerheide 2007 bestritt Beat Feuz seine erste Abfahrt auf der höchsten Stufe. Den Startplatz hatte er sich mit seinem Junioren-Weltmeistertitel verdient, den er in der Vorwoche in Zauchensee gewann. Im Weltcup tummelten sich nicht wenige Platzhirsche. Sie hiessen Cuche und Kernen, Maier und Walchhofer, Miller oder Svindal.

Das Finale ist ein gehobener Event. Nur die besten 25 der Disziplinen schaffen es ins Teilnehmerfeld. Die Limite für Weltcuppunkte wird nach oben gesetzt, nur die besten 15 kriegen Punkte. Doch Feuz, eben erst 20-jährig geworden damals, erstarrte nicht vor Angst. Er kannte den Weltcup nicht, die Piste kaum, doch am Ende stand er auf Platz 14.

Die Legende vom Emmentaler mit dem gottgegebenen Talent war geboren. Ein Genie, das mit Intuition auf der Piste kompensieren kann, was es im Fitnessraum zuvor verpasste. Wie auch immer sein Trainingsplan aussehen mag: Die Erfolge sprechen eine ausreichend deutliche Sprache. Feuz ist Olympiasieger, Feuz ist Weltmeister, Feuz siegte in Wengen und Kitzbühel. Und Feuz gewann in den letzten vier Saisons die Abfahrtswertung. Vielleicht ist er der beste Abfahrer, den der Skisport je hatte.

Feuz: «Kilde wird nervöser sein»

Beim Weltcup-Final in Courchevel hat Feuz nun die Möglichkeit, seinen Status weiter zu untermauern. Mit dem fünften Sieg des Abfahrtsweltcups in Folge würde er zu Franz Klammer aufschliessen, der österreichischen Lichtgestalt. Klammer gewann zwischen 1975 und 1978 viermal die kleine Kristallkugel, das fünfte Mal realisierte er dann 1983. Fünfmal in Serie schaffte es noch kein Athlet.

Doch Beat Feuz braucht am Mittwoch (ab 10.00 Uhr) etwas Wettkampfglück. Sein grösster Konkurrent, der norwegische Speedspezialist Aleksander Kilde, steht mit 23 Punkten Vorsprung an der Spitze der Wertung. Feuz muss darauf hoffen, dass Kilde in Courchevel schwächelt. Am Dienstag nach dem Training sagt der Schweizer: «Ich kann dieser Entscheidung gelassen entgegenschauen. Kilde führt, er hat noch keine solche Kugel, er wird nervöser sein.» Kilde, der erste Gesamtweltcupsieger der Post-Hirscher-Ära, sagt: «Ich bin schon angespannt. Beat ist ein wilder Hund. Er könnte hier schnell sein.»

Die Kristallkugel für den besten Super-G-Fahrer hat Aleksander Kilde schon auf sicher.

Die Kristallkugel für den besten Super-G-Fahrer hat Aleksander Kilde schon auf sicher.

Gabriele Facciotti/AP

Die Intuition von Feuz, die er schon in seiner ersten Weltcup-Abfahrt unter Beweis stellte, könnte in Courchevel nochmals der Schlüssel zum Erfolg sein. Auf der neuen Abfahrtspiste Eclipse fand noch nie ein Ernstkampf statt. Im nächsten Jahr werden dort die WM-Rennen ausgetragen. Für alle Athleten wird es eine Premiere sein. Dass Feuz es blendend versteht, mit Ungewissheiten umzugehen, hatte er zuletzt in China bewiesen. Auf einer neuen Abfahrtspiste gewann er nach zwei schwierigen Trainings, die von chaotischen Winderverhältnissen gestört wurden, Olympiagold. Er sagt: «Das es immer wieder neue Strecken gibt, bin ich mir gewohnt. Ich sehe es als eine schöne Herausforderung an.» Seinen beiden Trainingsresultaten auf der Eclipse fehlt die Aussagekraft. Kilde war zweimal deutlich schneller, doch was heisst das schon?

Suter: «Ich schaue nicht auf den Abfahrtsweltcup»

Corinne Suter braucht noch mehr Wettkampfglück als Beat Feuz. Es ist nicht aussichtslos, aber ihre Chancen sind bescheiden. Die Italienerin Sofia Goggia liegt mit 75 Punkten Vorsprung an der Spitze. Goggia würde bereits ein zehnter Platz genügen im Falle eines Sieges von Suter. Ein italienischer Journalist möchte im Zielraum von Courchevel wissen, ob Suter wirklich noch an die Kristallkugel glaube. Die Schwyzerin bleibt vage: «Wir werden sehen, was herauskommt, wenn ich im Ziel bin.» Und auf die Nachfrage sagt sie: «Ich schaue nicht zu fest auf den Abfahrtsweltcup. Ich gehe genau gleich an den Start, egal ob ich Vorsprung habe oder im Rückstand liege.»

«Es ist für alle neu hier»: Corinne Suter am Dienstag im Training von Courchevel.

«Es ist für alle neu hier»: Corinne Suter am Dienstag im Training von Courchevel.

Alessandro Trovati/AP

Mit der neuen Piste scheint sie sich arrangiert zu haben. Im zweiten Training wird sie Zweite hinter Mikaela Shiffrin. Suter ist über eine Sekunde schneller als Goggia, aber auch das muss nichts heissen. «Es ist für alle neu hier und darum sind ja auch die Voraussetzungen für alle gleich, aber ich mag die Piste», sagt Suter. In Peking hatte Suter Goggia hinter sich gelassen und sich zur Olympiasiegerin gekürt. Letztes Jahr wurde sie Weltmeisterin. Ein Jahr davor gewann sie den Abfahrtsweltcup.

Suter und Feuz dürften sich nach dieser Saison kaum beklagen. Es stellt sich die Frage: Benötigt dieser Winter eine Krönung? Sind sie nicht ohnehin die Gekrönten? «Wenn es nicht klappt, geht das Leben genau gleich weiter», sagt Feuz.

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