Young Boys

Wenn der Zirkus YB in der Champions Lounge zur Vorstellung bittet

Die Stars der Manege (v.l.): YB-Mediensprecher Albert Staudenmann, Hansueli Rihs, Andy Rihs (mit Ringelsocken) und VR-Präsident Hanspeter Kienberger.

Die Stars der Manege (v.l.): YB-Mediensprecher Albert Staudenmann, Hansueli Rihs, Andy Rihs (mit Ringelsocken) und VR-Präsident Hanspeter Kienberger.

Die YB-Besitzer Andy und Hansueli Rihs und der Versuch, das personelle Debakel der vergangenen Woche zu erklären.

Im Stade de Suisse gibt es eine sogenannte Champions Lounge. Dort, im 3. Stock, hoch über dem Spielfeld, hängen die Bilder längst vergangener, erfolgreicher Tage der Berner Young Boys. Im neuen Stadion (2005 eröffnet) durfte der Traditionsklub bezeichnenderweise noch nie einen Triumph feiern. Der letzte Titel, der Cupsieg 1987, wurde im altehrwürdigen Wankdorf errungen. Eine Champions Lounge, aber vermutlich bald 30 Jahre ohne Titel. Treffender könnte man das YB-Dilemma – das Auseinanderklaffen von Anspruch und Realität – gar nicht nicht aufzeigen.

In ebendieser Champions Lounge bitten die Gebrüder Andy und Hansjörg Rihs, die beiden Klub- und Stadionbesitzer, sowie VR-Präsident Hanspeter Kienberger zum Rundtischgespräch. Nach den turbulenten Tagen, die die Young Boys in ihren Grundfesten erschüttert hatten, herrscht dringender Erklärungsbedarf. Die überstürzte Absetzung von Sportchef Fredy Bickel und CEO Alain Kappeler vor einer Woche sowie die folgende Realsatire um Verwaltungsrat Urs Siegenthaler, der schliesslich am Freitag das Handtuch warf, zeigten wieder einmal auf, wie orientierungslos das YB-Schiff dahinschippert.

Nun also wollen die Gebrüder Rihs Licht ins Dunkel bringen. Andy (72) hat zur Feier des Tages gelb-schwarze Ringelsocken angezogen und propagiert damit gleich seine Liebe zum Klub («Ich bin nicht nur Besitzer, ich bin auch Fan»). Kienberger trägt untenrum Gelb mit schwarzen Punkten. Einen Moment wähnt man sich im Zirkus, wo sich lustig verkleidete Clowns bemühen, das Publikum zu unterhalten.

Clownesk wirken durchaus auch die folgenden Erklärungsversuche von Andy Rihs. Er redet zwar unglaublich viel, hat dabei einige Mühe mit den Namen seiner VR-Kollegen und kann sich nicht mehr an den Cup-Gegner der Berner am letzten Wochenende erinnern («Breiten..., ääh Barzenheid»). Wirklich viel Erhellendes kommt am Ende der 45-minütigen Veranstaltung aber nicht heraus. Die Antworten auf die drängendsten Fragen:

Warum Fredy Bickels Freistellung derart überstürzt kommuniziert wurde, obwohl dessen Abgang bereits seit drei Monaten (!) beschlossene Sache war? «Dazu können wir nichts sagen», so Andy Rihs. Vorgesehen sei ein geordneteres Vorgehen zu einem späteren Zeitpunkt (Nati-Pause im Oktober?) gewesen. «Doch es gab Entwicklungen, die ein sofortiges Handeln nötig machten.» Dass man bei dieser Gelegenheit nicht gleich eine Pressekonferenz einberief und sauber kommunizierte, bezeichnet Rihs als «grossen Fehler, für den wir uns auch entschuldigen». Damit hätte man sich den ganzen Schlamassel ersparen können.

Sportchef immer noch unbekannt

Warum Bickels Nachfolger als Sportchef, der ja offenbar schon feststand, immer noch nicht bekannt ist? «Es ist so, dass der Mann mit Sportkompetenz fehlt. Deshalb ist die Ausgangslage neu. Das ist jetzt eine vordringliche Aufgabe. Denn die operative Leitung im Sport muss sofort funktionieren. Da wird in dieser Woche einiges passieren», erklärt Andy Rihs die Folgen von Siegenthalers Abgang aus dem VR. In der Poleposition für das Amt des Sportchefs steht nicht mehr Paul Meier, sondern neu Ex-Captain Christoph Spycher.

Der einstige YB-Spieler Christoph Spycher soll bei den Bernern der Favorit auf den Sportchef-Posten sein.

Der einstige YB-Spieler Christoph Spycher soll bei den Bernern der Favorit auf den Sportchef-Posten sein.

Wie sieht die neue Strategie der Young Boys aus? Es soll vermehrt in den eigenen Nachwuchs und dort in bessere Trainer investiert werden. Die Rihs-Brüder rechnen vor, dass sie in den sieben Jahren als Klub-Besitzer gegen 50 Millionen Franken aus dem eigenen Sack eingeschossen hätten. Eine Zahl, die Bickel schliesslich den Job gekostet hat. «Es geht einfach nicht, dass man jedes Jahr sagt: noch ein paar Millionen, noch ein paar Millionen. Man investiert gerne, wenn man einen Return-on-Investment hat.» Bis vor wenigen Monaten war Bickel aus Sicht der Rihs-Brüder noch «der beste Sportchef der Schweiz».

Was ist mit den öffentlich gewordenen Verkaufsabsichten? Hansueli Rihs: «Wir sind hier in einem Juwel von einem Stadion und man muss den Brand YB europaweit hoch ansiedeln.» Es gebe immer wieder Leute, die Interesse zeigen. «Wir wollen eine Berner Lösung. Am schönsten wäre es, wenn sich eine Berner Gruppierung zusammenraufen würde.» Ein Traum, der momentan so weit von der Realität entfernt ist wie der nächste YB-Meistertitel.

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