Armon Orlik, Nordostschweiz, 190 cm, 110 kg

Armon Orlik hat am Eidgenössischen Schwingfest vor drei Jahren in Estavayer den nationalen Durchbruch geschafft – trotz Schlussgangniederlage gegen Matthias Glarner. Dank seiner offensiven Schwing-Art flogen dem Bündner viele Sympathien zu. Aber eben: Die Krönung blieb aus. Diese Enttäuschung treibt den 1,90 m grossen und 110 kg schweren Modellathleten seither an. Dem Königstitel ordnet der ehemalige Judoka alles unter.

Nicht umsonst sagt der dreifache Schwingerkönig Jörg Abderhalden über ihn: «Er ist aus meiner Sicht der austrainierteste Athlet von allen.» Seine körperlichen Stärken sind so vielfältig wie seine Schwingweise. Dank Explosivität, Athletik und Beweglichkeit beherrscht er sowohl in der Offensive als auch in der Defensive alle Finessen, um einen Kampf zu gewinnen – oder nicht zu verlieren. Orlik schwingt auf beide Seiten ähnlich stark, beherrscht Stand-, Boden- und Flankenschwünge genauso wie Fussstiche und Haken. Für den Gegner fast unmöglich, sich auf den Bündner einzustellen. So resultierten in der laufenden Saison fünf Festsiege und ein dritter Rang. Dabei verlor er keinen von 37 Gängen.

Einziger Wermutstropfen: Den Schwägalp-Schwinget musste er mit Rückenschmerzen beenden. Das ist das einzige Fragezeichen, das hinter der Verfassung des 24-Jährigen steht. Denn der 17-fache Kranzfestsieger überlässt kein Detail dem Zufall. Es ist deshalb nicht damit zu rechnen, dass er sich von seinen Gegnern in Zug überraschen lässt. Genau das ist ihm im Schlussgang von Estavayer passiert. Gleich im ersten Gang bietet sich Orlik heuer die Gelegenheit, gegen Glarner die Dämonen der Vergangenheit zu besiegen. (ibr)

Pirmin Reichmuth konnte als Youngster begeistern, kassierte dann einige Dämpfer - folgt nun der Höhepunkt seiner Karriere?

Pirmin Reichmuth konnte als Youngster begeistern, kassierte dann einige Dämpfer - folgt nun der Höhepunkt seiner Karriere?

Pirmin Reichmuth, Innerschweiz, 198 cm, 105 kg

Als 18-Jähriger schaffte es Pirmin Reichmuth 2014 bis in den Schlussgang des Teilverbandsfests der Innerschweizer. Harry Knüsel, einziger Innerschweizer Schwingerkönig und wie Reichmuth dem Schwingklub Cham-Ennetsee angehörend, war damals schon ein Fan. Reichmuth dürfe stolz sein, sagte der König. «Er hat jetzt schon mehr erreicht als viele andere Altersgenossen.»

Nahtlos folgte der erste Dämpfer. Eine Woche nach dem Exploit riss das Kreuzband am Bergfest auf der Rigi. In der Saisonvorbereitung 2015 – Reichmuth war erst wiedergenesen – riss das Kreuzband nochmals. Er musste das ganze Jahr aussetzen. Seine Mutter hatte genug nach zwei Verletzungen. Eine dritte würde sie nicht mehr mitmachen, sagte sie. Von Reichmuth war zu lesen, dass er bei einer dritten Verletzung aufhören würde. Die Geister, die er rief, wurde er nicht los. Anfang 2017 kam der nächste Kreuzbandriss.

Ohne seine Krankenakte hätte er wohl schon viele Titel gesammelt. Er ist gross gewachsen, schwingt auf beiden Seiten stark. Sticht ein Schwung auf die eine Seite nicht, versucht er es sogleich auf die andere. Armon Orlik sagte nach dem Duell mit Reichmuth am «Innerschweizerischen» Anfang Juli: «Es ist fast unmöglich, sich auf ihn einzustellen.»
In dieser Saison startete Reichmuth durch. Am Zuger Kantonalen feierte er den ersten Kranzfestsieg. Das gut besetzte Urner Kantonale gewann er mit Maximalnoten. Auf dem Brünig siegte er hoch überlegen. Harry Knüsel ist überzeugt, einer der beiden Innerschweizer Favoriten wird sich durchsetzen, leichte Vorteile für Reichmuth. (cza)

Für einen Schwinger hat Joel Wicki eine bescheidene Körpergrösse, doch ein Nachteil ist dies für ihn nicht.

Für einen Schwinger hat Joel Wicki eine bescheidene Körpergrösse, doch ein Nachteil ist dies für ihn nicht.

Joel Wicki, Innerschweiz, 183 cm, 105 kg

Am Eidgenössischen in Burgdorf 2013 war Joel Wicki der Jüngste von allen Teilnehmern, erst 16 Jahre alt. «Es geht für mich darum, wertvolle Erfahrungen für die Zukunft zu sammeln», sagte er. Einmal einen Grossanlass miterleben, im besten Fall den Cut nach sechs Gängen überstehen. Er schaffte es, er bestritt alle acht Gänge. Dass solche Leistungen früh als normal angesehen werden, liegt an der Kadenz in der Karriere des Entlebuchers. Auf der Rigi 2014 legte er zum ersten Mal einen Schwingerkönig aufs Kreuz: Arnold Forrer, König von 2001. Wicki gewann mit der Maximalnote, eine glatte Zehn. Die Schwingerzeitung «Schlussgang» schrieb von einem «furiosen» 17-Jährigen.

Für einen Schwinger hat Wicki eine bescheidene Körpergrösse, er ist nur 1,83 gross. Das wird ihm oft als Schwäche ausgelegt. Ueli Banz, Ex-Spitzenschwinger und in Zug als Experte beim Regionalfernsehen im Einsatz, sieht das anders. «Er hat dadurch kürzere Hebel. Wenn er zum Kurz ansetzt, muss er nicht lange anziehen, er hat den Gegner bei sich.» 2016 verpasste Wicki das Eidgenössische. Zwei Wochen vorher brach er sich am Fest auf der Schwägalp den Unterschenkel. Wütend war Wicki am Telefon, einen Tag danach. Man solle ihn in Ruhe lassen. Für den 19-Jährigen ging die Welt unter.

Wicki ist reifer und gelassener geworden. Als er kürzlich eine Autogrammstunde in Obwalden gab, besuchte er spontan ein nahegelegenes Heim für Menschen mit Behinderung, obwohl seine Tage voller sind als je zuvor. 17 Eidgenossen hat er in dieser Saison bezwungen. So viel wie kein anderer im Land. (cza)

Seine Kraft gepaart mit einem unerschöpflichen Ehrgeiz zeichnet Samuel Giger aus.

Seine Kraft gepaart mit einem unerschöpflichen Ehrgeiz zeichnet Samuel Giger aus.

Samuel Giger, Nordostschweiz, 193 cm, 115 kg

Der 21-jährige Thurgauer Samuel Giger besitzt eine Waffe, die gefürchtet ist. Sein Paradeschwung, der Kurz, ist derart explosiv, dass er auch von den Schwergewichten kaum zu verteidigen ist. Auf der Schwägalp legte er so im vergangenen Jahr nacheinander Christian Stucki und Daniel Bösch auf den Rücken. Ein Kunststück, das wohl einzigartig bleiben wird.

Diese schier übermenschliche Kraft gepaart mit einem unerschöpflichen Ehrgeiz zeichnet den Sennenschwinger aus. In den vergangenen Jahren hat der mittlerweile 15-fache Kranzfestsieger aber auch an seiner Vielseitigkeit gearbeitet – für die ganz grossen Ziele wie den Königstitel eine Voraussetzung. Das ist auch den Experten nicht entgangen. «Man hat zuletzt auf der Schwägalp gesehen, dass er schwingerische Fortschritte gemacht hat», sagt Schwingerkönig Jörg Abderhalden.

Vom Talent her habe er schon immer ein bisschen mehr mitgebracht. Giger gilt als Wettkampftyp mit ausgeprägtem Killerinstinkt. Er verliert kaum Gänge und läuft just in den wichtigsten Situationen zur Hochform auf. Der letzte verlorene Gang Gigers an einem Kranzfest liegt schon mehr als zwei Jahre zurück. Am 9. Juli 2017 bezwang ihn Schwingerkönig Matthias Sempach. Auch in den Tagen vor dem Eidgenössischen lässt sich Giger nicht aus der Ruhe bringen. Bis gestern ging er noch seinem Beruf als Lastwagenfahrer nach. Einzig die Schulter stand ihm schon dreimal im Weg. So verpasste er den Unspunnenschwinget 2017 und fiel auch in dieser Saison acht Wochen aus. (ibr)