Freiämter Weinfreunde
Bulgarien - die Schweiz des Balkans

Christa Spitznagel
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Tanz der Tannine

Bulgarien – die Schweiz des Balkans

Mit diesem Vergleich eröffnet Referent Daniel Rutishauser aus Zürich seine Ausführungen über bulgarische Weine bei den Freiämter Weinfreunden. 83 Personen darf Präsident Markus Küng im Restaurant „Hans und Heidi“ in Wohlen begrüssen und den Besitzer und Geschäftsführer der B!Vino Weinhandlung mit seiner Frau Silvia Dragoeva vorstellen.

Dem Referenten ist die Begeisterung für das drei Mal so grosse Land wie die Schweiz mit nur 7,5 Millionen Einwohnern anzumerken, als er sagt: Leider könne sich der höchste Berg Bulgariens nur mit dem Säntis messen.

Bulgarien war im Laufe der Jahrtausende Siedlungsort vieler Völker. Am Beispiel von Plovdiv, der zweigrössten Stadt Bulgariens und UNESCO Welterbe seit 2004, lässt sich die Geschichte mehr als 8000 Jahre zurückverfolgen. Plovdiv trug viele Städtenamen, aber alle Völkerstämme, ob Thraker, Griechen oder Türken schätzten die Schönheit der Stadt der sieben Hügel. Das Umland von Plovdiv in der Oberthrakischen Tiefebene ist heute bekannt für seinen Wein und das Rosenöl.

Das Weinland Bulgarien

Die von 250 Winzerbetrieben kultivierte Rebfläche von rund 62 Tausend Hektar teilt sich auf fünf Weinregionen auf. Die grösste liegt in der Thrakischen Tiefebene, gefolgt von der Donauebene, der Schwarzmeer-Küste, dem Struma-Tal und dem Rosental. Erzeugt werden jährlich um die 130 Millionen Liter Wein, die sich hälftig auf rote und weisse Sorten aufteilen. Rund 43 Millionen Liter werden exportiert und im Land werden pro Kopf knapp zwölf Liter getrunken. (Die Schweizer im Vergleich konsumieren um die 30 Liter pro Jahr)

Bulgarien zählt 44 lokale Rebsorten. Zu den wertvollsten autochthonen roten Sorten gehört die Mavrud-Rebe, obschon sie nur knappe zwei Prozent der Gesamtrebfläche ausmacht. Weiter zu den prozentual wichtigen roten Rebsorten zählen Merlot, Cabernet Sauvignon, Pamid, Roter Misket, Gamza, Melnik und Syrah.

Die zwei meistangebauten weissen Traubensorten heissen Rkaziteli und Muskat Ottonel. Chardonnay, Dimiat, Sauvignon Blanc, Ugni Blanc und Traminer sind weitere weisse Sorten mit Anteilen zwischen fünf bis über einem Prozent pro Sorte.

Die Weinerzeuger Bulgariens brauchen sich nicht (mehr) zu verstecken! Anlässlich des letzten Concour Mondiale de Bruxelles vom November 2017 in Sofia erzielten drei Gewächse eine Goldmedaille.

Wie gefallen die Weine den Freiämtern

Daniel Rutishauser führt die Weinfreunde mit seiner Auswahl in die Regionen der Thrakischen Tiefebene und ins Struma-Tal. Zum Apéro wird der frische und fruchtige Blanc de Blancs brut aus 100 Prozent Chardonnay und mit feiner Perlage serviert. Er gefällt auf Anhieb und passt super zur selbstgebackenen Banista (Blätterteiggebäck) von Silvia Dragoeva. Es kommt rasch gute Stimmung auf.

Mit dem Flight von zwei Weissen und einem Rosé Wein wird die Kiopolo-Vorspeise serviert. Die dunklen, mit Auberginenpaste, Käse und Roastbeef belegten Brotscheiben munden so gut, dass die eher bescheidene Begeisterung für die Weine kaum auffällt.

Die zwei Dreierserien Rotweine, die eine zur im Ofen überbackenen Käsespeise Sirene po Schopski serviert, die andere zum bulgarischen Hauptgericht Wine Kebab gereicht, passen gut. Daniel Rutishauser kommentiert die Weine und punktet mit seinen Hinweisen über Rebsorten und Produzenten.

Der rote Noble Mavrud Dessertwein schmeckt zum dunklen Schoggiküchlein mit Vanilleglacé ausgezeichnet und lässt den Abend mit besten Erinnerungen ausklingen.

Die Legende von Mavrud

Erbost über die zunehmende Trunkenheit seines Volkes, liess Khan Krum per Gesetz alle Rebstöcke ausrotten. Gegen den bösen Drachen, der das Volk verarmen und hungern liess, kämpfte ein Junge erfolgreich. Die Mutter des Jungen erzählte dem Khan, dass sie einen Rebstock im Garten gerettet, und mit den Trauben den Sohn ernährt und mit dem Wein seinen Durst gelöscht habe. Der Khan verstand, dass Trauben und Wein sein Volk gesund machen. Er befahl, den Rebstock nach dem jungen Helden: Mavrud zu benenn und hob das Gesetz auf.

Melnik - Sir Winston Churchill’s Lieblingswein

Melnik mit nur wenigen Hundert Einwohnern ist die kleinste Stadt Bulgariens, liegt im Südwesten nahe an der Grenze zu Griechenland. Das Städtchen übertrug der spätreifenden und breitblätterigen Melniker Rebe den Namen. Auf seinen Reisen im Balkan lernte Sir Winston Churchill den köstlichen Wein, gekeltert aus der Melnik Traube, kennen und schätzen. So soll er Auftrag erteilt haben, ihn jährlich mit einem 500 Liter-Fass Melniker zu beliefern.

Otto E. Sprenger

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