Kaufmännische Gesellschaft Aarau
Ein Besuch beim „Zauberberg“ ob Aarau

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Wer von Aarau Richtung Erlinsbach fährt und das Dorf Richtung Salhöhe verlässt, um kurz vor der Passhöhe beim Restaurant „Chalet“ nach links abzuzweigen, wird sich unversehens in einem „Kosmos im Kleinen“, der Barmelweid, wiederfinden. Die Klinik ist Arbeitgeberin, Naherholungsgebiet, Gesundheitsinstitution mit einer langen Geschichte, einem naturnahen Lebensraum und Ausbildungsort zugleich. Wie der junge Hans Castorp im Roman „Der Zauberberg“ (1924) von Thomas Mann, der sich von Hamburg kommend in ein Davoser Sanatorium für Lungenkranke begibt und dort ein Stück Zeitgeschichte erlebt, haben sich rund 50 Mitglieder der Kaufmännischen Gesellschaft Aarau, KGA, letzten Mittwoch zum Sommeranlass auf der Barmelweid eingefunden.

Auf fast 800 Metern über Meer mit einem atemberaubenden Ausblick ins Tal wurde uns in einer einleitenden Präsentation etwas über die Entstehungsgeschichte bis hin zur Gegenwart der Barmelweid näher gebracht. 1912 wurde die Barmelweid als Volksheilstätte für Tuberkulosekranke eröffnet. Mit Liegekuren und Sonnenbädern versuchte man der Krankheit beizukommen. Was mit 69 Betten begann, verfügte 1959 bereits über 205 Betten. In den 1960er Jahren wurde das ursprüngliche Tuberkulosesanatorium in eine Mehrzweckheilstätte umgewandelt. 1977 führte eine Neuorganisation zur Umstrukturierung der Mehrzweckheilstätte zur pneumologischen Klinik Barmelweid. Und 1989 erfolgte ein neuer Leistungsauftrag an die Klinik für die Abteilungen Pneumologie, medizinische und kardiale Rehabilitation sowie Psychosomatik. Ab 1991 folgte der Auf- und Ausbau des Schlaflabors. Und 2014 kamen noch die Leistungsaufträge für die geriatrische und internistische Rehabilitation hinzu.

Mit dem inzwischen stark erweiterten Leistungsangebot wurden der Platz knapp und die Wartelisten länger. Ein öffentlicher Architekturwettbewerb führte schliesslich 2014 zur Wahl des Siegerprojektes „Oscar“, mit dem das Vorhaben eines neuen Bettenhauses in Angriff genommen wurde. Heute verfügt die Barmelweid über rund 280 Betten für das stationäre und ambulante Angebot. Jährlich profitieren davon rund 3'000 Patienten und Patientinnen, die zwischen wenigen Tagen und mehreren Wochen auf der Barmelweid verbringen. Parallel dazu werden über 3'000 Patienten und Patientinnen ambulant behandelt. Über 550 Mitarbeitende kümmern sich darum, dass die Patienten und Patientinnen sich jederzeit rundum wohlfühlen können. Dazu gehören nebst medizinischem Fachwissen und einer erfolgreichen Rehabilitation auch eine liebenswürdige Atmosphäre in einer ansprechenden Umgebung. Auf einem Rundgang durch das neue Bettenhaus durften wir uns davon überzeugen, dass viel Wert auf körperliches wie seelisches Wohlbefinden gelegt wird, damit Kraft geschöpft werden kann für die anschliessende Heimkehr. Die Patientenzimmer sind geschmackvoll eingerichtet und bieten viel Raum und Licht samt Ausblick. Die Gänge sind mit wunderbaren Wandmalereien von Felix Hoffmann aus dem zurückgebauten Bella-Vista-Saal und den raumhohen Naturfotos von Renate Buser verziert. Das Areal rund um den Neubau wird in eine typische Juralandschaft verwandelt und lädt zum Wandern und Verweilen ein. Das Restaurant Barmelguet mit seiner beeindruckenden Fensterfront mit Panoramablick ins Erzbachtal bietet allerlei Köstlichkeiten aus der Region. Und hier endete auch unser Besuch - bei einem feinen Apéro im neu errichteten Restaurant mit freiem Blick in die langsam hereinbrechende Nacht. Was Hans Castorp wohl zu unserem „Zauberberg“ Barmelweid gemeint hätte ...?

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