Odd Fellows
Monika Weber stellte den Odd Fellows Rheinfelden «Jeanne Hersch» vor

Mösch Alfred
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Monika Weber, ehemalige Zürcher National- und Ständerätin, sowie Präsidentin der Jeanne Hersch-Gesellschaft, referierte am 21. Oktober bei den Odd Fellows der Waldstadt-Loge Nr. 12 in Rheinfelden über das Leben und Wirken der im Jahr 2000 verstorbenen Philosophin Jeanne Hersch anlässlich einer Veranstaltung, die allen Interessierten zugänglich war.

«Ich bin weniger eine Autorin eines grossen Werkes als vielmehr eine Stimme der Zeit». Dieser Ausspruch von Jeanne Hersch, einer Schülerin von Karl Jaspers, zeigt, dass sie einem breiten Publikum verständliche Philosophie zu Themen wie «Menschsein, Freiheit und Verantwortung» näherbrachte. Unvergessen sind vor allem einem älteren Publikum die fast wöchentlichen Radiosendungen in den 70er und 80er Jahren, in denen sie ihre Gedanken auslegte über das Menschsein, über den Sinn für den Sinn, über die Freiheit und über das philosophische Staunen.

Der Mensch, so sagte sie, sei, wenn er geboren wird, noch gar kein Mensch, er wird erst wenn er sich bildet, wenn er Freud’ und Leid erfährt, indem er Verantwortung übernimmt, zum Menschen. Zum Menschwerden gehören Erziehung, Bildung, Lernen und Vorbild sein. Gerade in den Jahren des Umbruches und der Jugendrevolutionen in Europa äusserte sich Jeanne Hersch klar zu den politischen Geschehnissen mit ihren jugendlich-idealistischen Forderungen nach antiautoritären Institutionen. In einer Zeit, in der die Jungen jeglicher Autorität misstrauten, bräuchten sie echte Gesprächspartner, die auch wagten, eine andere Sicht der Dinge zu formulieren. Die Jungen, so sagt sie, müssen revoltieren! Das ist völlig normal! Aber sie müssen etwas haben, wogegen sie revoltieren können. Wenn alles erlaubt ist, befinden sie sich im Nichts.

Sie war überzeugt dass, wenn man sich zu einem Thema äussert das in der Gegenwart brennend ist, man immer gegen den Strom sprechen sollte. Man müsse eigentlich zu missfallen versuchen, denn starke Strömungen sind immer nur teilweise richtig und es gibt immer eine Seite, die unterdrückt wird. Diese Haltung trug der «Sozialistin von Geburt», wie sie sich selbst manchmal bezeichnete, die Kritik der Linken ein, fand aber ein breites Echo bei einer Mitte, die mit vielen offenen Fragen in der Zeit des schnellen Wandels verunsichert war.

Jeanne Hersch wandte sich zeitlebens gegen alles Totalitäre und Doktrinäre. Entsprechend dem Menschen, der sich durch die verantwortliche Freiheit entwickelt, entstehen auch Gesellschaften durch Freiheit und Verantwortung. In einer ganzen Reihe von Aufsätzen und Vorträgen nimmt sie Stellung zu demokratischen Werten, Menschenrechten und zum Verhältnis der Schweiz zur EU. Viele Menschen im Westen gewöhnten sich an die Freiheit und schätzten deren Wert nicht mehr: «Die Freiheit ist nie einfach gegeben, sie ist immer im Leben eine Aufgabe, eine Pflicht». In einer Rundfunksendung zum Thema: «Menschen sind nicht von Natur aus friedlich!» sagte sie: «Die Erziehung zum Frieden hat kein Ende. Sie beginnt mit der Höflichkeit und setzt sich fort durch die Treue». Die Erziehung zum Frieden beginnt mit der Höflichkeit – Zum Nachdenken! www.oddfellows.ch

23.10. 2017 Lukas Jehle

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