Oberbipp
Archäologen suchen Siedlungsspuren in Oberbipp

Seit über einem Monat steht auf einer Wiese neben der Steingasse in Oberbipp ein grosses weisses Zelt. Dort führt der Archäologische Dienst des Kantons Bern eine gross angelegte Ausgrabung durch.

Marco Wölfli
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Fünf Personen sind momentan damit beschäftigt, die verschiedenen Bodenschichten zu untersuchen.

Fünf Personen sind momentan damit beschäftigt, die verschiedenen Bodenschichten zu untersuchen.

Seit über einem Monat steht auf einer Wiese neben der Steingasse in Oberbipp ein grosses weisses Zelt, einem Festzelt nicht unähnlich. Im Zelt wird aber nicht etwa eine rauschende Party gefeiert, sondern still und äusserst exakt gearbeitet. Der Archäologische Dienst des Kantons Bern führt nämlich eine gross angelegte Ausgrabung durch.

Der angehende Grabungstechniker Marco Amstutz, der die Grabung leitet, erhofft sich Spuren von römischen Gebäuden zu finden: «Unter der Kirche Oberbipp liegt ja ein römischer Gutshof. Wir wissen, dass in der Nähe dieser Höfe oft noch Ökonomiegebäude standen. Vielleicht stossen wir ja hier auf solche Spuren.»

Gelände droht überbaut zu werden

Als die Archäologen des Kantons Ende Februar mit grossem Gerät anrückten, begannen sie nicht auf gut Glück zu graben. Auslöserin der ganzen Aktion ist nämlich die Landbesitzerin. Sie entdeckte vergrabene Tierknochen und verständigte daraufhin die Archäologen. «Es stellte sich heraus, dass die Knochen von Kadavergruben aus dem 19.Jahrhundert stammten. Weil wir aber noch Scherben und Ziegel aus dem Mittelalter und von den Römern fanden, leiteten wir die Grabung ein», erklärt Amstutz.

Im Hinblick auf die Zukunft des Geländes ist die Grabung für die Archäologen besonders bedeutsam. Die Wiese an der Steingasse ist nämlich Bauland und könnte in den nächsten Jahren überbaut sein.

Marco Amstutz hat bisher Knochen, Scherben und Ziegel gefunden.

Marco Amstutz hat bisher Knochen, Scherben und Ziegel gefunden.

Laut Marco Amstutz stehen bei der Ausgrabung Fundgegenstände von den Römern und aus dem Mittelalter nicht unbedingt im Fokus der Archäologen: «Scherben und Ziegelstücke sind nur wichtig, um das Alter zu bestimmen. Sie können aber auch durch Bodenerosion hierhin gelangt sein und sind deswegen kein Beweis für vorhandene Gebäude.» Marco Amstutz und sein Archäologen-Team sind auf der Suche nach Hinweisen, die beweisen, dass auf dieser Wiese einst Gebäude standen. «Das können Abdrücke von Holzpfosten oder noch erkennbare Hausgrundrisse sein», so der Grabungsleiter. Es sei aber auch möglich, dass das Gelände nur dem Ackerbau diente.

Grabung als Abschlussprüfung

Für Amstutz ist die Grabung in Oberbipp etwas Besonderes. Es ist nämlich seine Prüfungsgrabung zum diplomierten Grabungstechniker. Trotzdem sei er nicht verpflichtet, etwas Aufsehenerregendes zu finden. «Ich muss einfach schauen, dass die Grabung korrekt abläuft und die Fundgegenstände sauber protokolliert werden.» Auch ein eigentliches Jagdfieber kennt er bei Grabungsbeginn nicht. Viel wichtiger sei es, einen kühlen Kopf zu bewahren und auf Details zu achten. «In der Praxis ist eine Ausgrabung oft nicht so spektakulär, wie es vielleicht tönt.»

Bisher ist das Archäologen-Team in Oberbipp noch auf keinen Beweis für eine Mittelalter- oder Römersiedlung gestossen. Die Grabung dauert voraussichtlich noch bis Ende Mai. Den Kantonsarchäologen bleibt also noch etwas Zeit, weitere Spuren römischen Lebens in «Pipinensis» (früherer lateinischer Name von Oberbipp) zu finden.

Falls die Grabung von Erfolg gekrönt würde, ist es gut möglich, dass sich das grosse Ausgrabungszelt doch noch in ein richtiges Festzelt verwandelt.

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