Ursenbach
Berner Tiefbauamt will, dass der Skilift im Sommer nicht ausgeschildert ist

Post für Ursenbachs Gemeindeschreiber. Dieser hat einen Brief vom Tiefbauamt bekommen. Dieses weist den Gemeindeschreiber darauf hin, das Verkehrsschild zum Skilift im Sommer zu entfernen. Denn es fahre ja gar kein Lift...

Ralph Moll
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Der Wegweiser zum Skilift in Walterswil hängt seit 41 Jahren in Ursenbach.

Der Wegweiser zum Skilift in Walterswil hängt seit 41 Jahren in Ursenbach.

az Langenthaler Tagblatt

«Dr langsamschti Bärner» ist ein Walliser. Jedenfalls, wenn es nach Ursenbachs Gemeindeschreiber Manfred Lehmann geht. Dieser hat im Juni nämlich Post vom Kanton Bern, genauer vom Tiefbauamt und noch genauer vom Oberingenieurkreis IV, erhalten. Absender des Schreibens ist der gebürtige Walliser Raffael Biner, zuständig für Verkehrstechnik und Signalisationen.
In besagtem Schreiben fordert Raffael Biner die Gemeinde Ursenbach auf, das Schild, das mitten im Dorf den Weg zum Skilift Walterswil weist, zu entfernen, und zwar jeweils während der Sommermonate.

Denn es mache ja keinen Sinn, Autofahrer mitten im Sommer auf einen Skilift hinzuweisen, der zu dieser Zeit gar nicht in Betrieb ist. Raffael Biner hat dafür extra das Archiv des Tiefbauamtes durchforstet und die Bewilligung für das Hinweisschild, die aus dem Jahre 1970 datiert, zutage gefördert: Und in dieser stehe eindeutig, dass nur eine saisonale Bewilligung erteilt worden sei und dass das Schild daher ausserhalb der Wintermonate entfernt werden müsse.

Spott in «Dr Ursebacher»

In der jüngsten Ausgabe der Ursenbacher Dorfzeitung «Dr Ursebacher» nimmt Manfred Lehmann den Oberingenieurkreis IV und damit auch Raffael Biner gehörig auf die Schippe. Aufgrund der Tatsache, dass der Kanton nur gerade 41 Jahre gebraucht habe, um diesen Missstand aufzudecken, scheint dem Ursenbacher Gemeindeschreiber die Verleihung des zweifelhaften Titels «Dr langsamschti Bärner» an den Oberingenieurkreis IV in Burgdorf mehr als angebracht.

Er sei jetzt seit 30 Jahren Gemeindeschreiber, aber eine solche Aufforderung habe er noch nie erhalten, sagt Manfred Lehmann auf Anfrage. Er denke daher auch nicht im Traum daran, besagtes Schild zu demontieren. Daran hinderten ihn nämlich nicht zuletzt Erosionsschäden. «Die Schrauben sind nach all den Jahren dermassen rostig, dass man sie unmöglich noch herausdrehen kann.» Man lasse es nun eben einfach darauf ankommen.

«Schilderkontrolleure» unterwegs?

Bleibt die Frage, wie denn der Kanton überhaupt auf das temporär illegale Schild in Ursenbach aufmerksam geworden ist. Die Vorstellung, dass der klamme Kanton Beamte beschäftigt, die den ganzen Tag in der Gegend herumfahren und nach rechtswidrig aufgehängten Schildern Ausschau halten, dürfte nämlich manchem Steuerzahler die Zornesröte ins Gesicht treiben oder zumindest Gedanken an einen Schildbürgerstreich aufkommen lassen.

Dem ist natürlich nicht (ganz) so. Raffael Biner ist zuständig für Verkehrssicherheit und Signalisation, und in dieser Funktion dürfte er wohl Wichtigeres zu tun haben, als deplatzierten Schildern im Oberaargau und im Emmental nachzufahren. «Wenn mir unterwegs allerdings ein Schild auffällt, das irgendwie kurios wirkt, versuche ich herauszufinden, ob dafür eine Bewilligung vorhanden ist», sagt Raffael Biner. Manchmal gebe ihm auch jemand vom Strasseninspektorat einen Tipp, dem er dann nachgehe. «Oftmals bestehen aber Vereinbarungen, welche meine Vorgänger mit den Gemeinden getroffen haben.» Dann werde er nicht aktiv. Ein Fall wie jener in Ursenbach sei allerdings schon selten, bestätigt Raffael Biner.

Zumindest in diesem Jahr haben die Ursenbacher Befehlsverweigerer vom Kanton keine Sanktionen mehr zu befürchten. «Jetzt ist ja schon Herbst. Da wäre es ein bisschen widersinnig, das Schild noch zu demontieren.» Den Fängen des Gesetzes entkommen sind die Ursenbacher damit aber noch lange nicht. Raffael Biner wird die Gemeinde im nächsten Frühling erneut kontaktieren. Als vorletzte Massnahme droht eine Räumungsverfügung. Wird dieser nicht Folge geleistet, könnte der Kanton das Schild auf Kosten der Gemeinde entfernen. Raffael Biner betont jedoch, dass er im Fall Ursenbach nicht in dieser Art vorgehen, sondern das Gespräch suchen wolle. «Ich möchte das Geschäft zu einem gütlichen Abschluss bringen.»

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