Industrie
Das Kartoffel-Wissen ist nun zentralisiert

Die Geiser agrocom ag aus Langenthal und die Kartoffel-Zentrale Amt Burgdorf haben ein neues Abpackzentrum: Wie das Fliessband-Konzept funktioniert.

Andrea Marthaler
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So werden Kartoffeln modern hergestellt
8 Bilder
 14 500 Quadratmeter messen die neuen Hallen
 Am Ende werden die Kartoffeln abgewogen
 Auf dem Förderband werden sie sanft transportiert
 Die Firma Terralog
 Das Meiste geschieht vollautomatisch
 Vom Computer werden die Kartoffeln nach Grösse sortiert
 Von Hand wird die Endkontrolle gemacht

So werden Kartoffeln modern hergestellt

az Langenthaler Tagblatt

Über ein Fliessband purzeln Kartoffeln, grosse und kleine. Im nächsten Augenblick öffnet sich unter einer sehr kleinen Knolle der Boden, sie fällt herunter auf ein separates Fliessband. Bevor die Kartoffeln für den Handel abgepackt werden, durchwandern sie mehrere Kontrollen, werden gewaschen und nach Grösse sortiert. Das meiste passiert vollautomatisch.

Seit dem 1. März sind die Lagerhallen und Verpackungslinien der neu gegründeten Firma Terralog in Rüdtligen in Betrieb. Am kommenden Samstag lädt sie die Bevölkerung zu einem Tag der offenen Tür ein (siehe Kasten).

Entstanden ist die Terralog ag aus der Zusammenarbeit der Geiser agrocom ag aus Langenthal mit der Kartoffel-Zentrale Amt Burgdorf (KAB). An der Tochterfirma sind beide zur Hälfte beteiligt.

Während die KAB ihren bisherigen Standort in Kirchberg aber auflöste, zügelte die Geiser ag lediglich den Verkauf sowie das Abpacken an den neuen Standort. Die Kartoffellager in Langenthal sind nach wie vor in Betrieb.

Aus zwei wurde eins

«Wir arbeiten schon seit mehreren Jahren zusammen. Da wir an den beiden Standorten keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr hatten, beschlossen wir, an einem gemeinsamen Standort weiterzumachen», sagt Walter Ingold.

Er war bei der Geiser ag der Bereichsleiter Kartoffel, heute leitet er die Terralog ag. Der Standort in Rüdtligen habe mehrere Vorteile. «Wir liegen direkt an der A1, somit sind wir sehr nahe beim Kunden», erklärt Ingold. Und zugleich seien sie mitten in einem der grössten Kartoffelanbaugebiete der Schweiz.

Rund die Hälfte der total 60000 Tonnen vertriebenen Kartoffeln stamme direkt aus der Umgebung der Terralog oder der Geiser ag. Der Rest wird aus der ganzen Schweiz eingekauft. Nur im Frühling beim Übergang von der letztjährigen zur neuen Ernte werde aus dem Ausland importiert. Ausländische Kartoffeln machen lediglich fünf Prozent der gesamten Menge aus. Derzeit ist in der Region bereits die Frühernte in Gang. So werden Kartoffeln täglich angeliefert, innert weniger Tage verlassen sie verpackt die Hallen.

Fast 40 Mitarbeiter mussten zügeln

Im Herbst wird die intensivste Zeit anstehen. Dann wird die 10000 Quadratmeter grosse Lagerhalle gefüllt. Insgesamt können in Rüdtligen 20000 Tonnen Kartoffeln gelagert werden. Das ist jener Teil, der via Grossverteiler – Hauptkunde ist die Migros Aare – zum Konsumenten gelangt. Weitere 40000 Tonnen, die in verschiedenen Hallen in der ganzen Schweiz gelagert werden, liefert Terralog direkt an die Lebensmittelindustrie, wo sie zu Chips, Pommesfrites oder anderen Produkten weiterverarbeitet werden.

In den Neubau in der Grösse von Total 14500 Quadratmetern haben die Geiser ag und die KAB über 30 Millionen Franken investiert. Für die 40 Mitarbeiter, die mehrheitlich aus den bisherigen Betrieben stammen, war es eine ziemliche Umstellung. So auch für Frieda Kläfliger. Sie macht die Endkontrolle der Kartoffeln, bevor diese in Plastiktüten abgepackt werden. Kläfliger muss neu von Langenthal nach Rüdtligen pendeln. «Wenn ich hätte wählen können, wäre ich nicht von Langenthal weg», gesteht Kläfliger. Doch am neuen Ort sei, nachdem sich alle eingelebt haben, das Arbeitsklima gut, die Räume seien deutlich grösser.

Eine geringere Umstellung war der Umzug für Fritz Reber. Er arbeitete zuvor bei der KAB in Kirchberg. «Es gefällt mir hier sehr gut. Die Hallen entsprechen den Bedürfnissen und sind sehr hell», sagt Reber und greift mit den Händen nach einem 2,5-Kilosack Kartoffeln. Diesen legt er in eine Plastikkiste, bereit für den Handel.

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