Weiningen
Der Gubrist wird zum Star eines internationalen Kinofilms

Im gesperrten Tunnel wurde eine Szene mit dem Schauspieler Carlos Leal gedreht.

Mojan Salehipour
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Dreharbeiten Gubristtunnel
10 Bilder
v.l. CH Produzent Niklaus Reichle, Kamerafrau Gelareh Kiazand, iranischer Produzent Ali Mansour, Regisseur Ali Ahmadzadeh, Schaupielerin Norah Lehembre, Regieassistenz Dorna Madani, CH Produzentin Shirin Dabirzadeh, vorne: Schauspieler Carlos Leal
Die Dreharbeiten im Gubristtunnel vereinen Filmschaffende aus der Schweiz, Iran und Frankreich.
Kamerafrau Gelareh Kiazand kurz vor Drehbeginn im Gubristtunnel
Regisseur Ali Ahmadzadeh im Gubristtunnel
So sieht man den Gubristtunnel selten.
Kameraassistent Dario Grasso
Regisseur Ali Ahmadzadeh mit Schauspielerin Norah Lehembre und Carlos Leal
Die Kamera steht. Die Dreharbeiten im Gubristtunnel können beginnen.
Hier fährt das Filmteam durch den Gubristtunnel. Für den Dreh brauchen sie einige hundert Meter Strecke

Dreharbeiten Gubristtunnel

Mojan Salehipour

Der Gubristtunnel machte in seiner bisherigen medialen Karriere vor allem mit Stau- und Schreckensmeldungen auf sich aufmerksam. Doch jetzt wurde er in einer schweizerisch-iranischen Filmproduktion zum Schauplatz einer Liebesgeschichte. Im gesperrten Tunnel fanden irgendwo zwischen Weiningen und Regensdorf die Dreharbeiten zum Kinofilm «Padideh» des iranischen Regisseurs Ali Ahmadzadeh statt.

Nachdem er nun für immer auf Film gebannt ist, wird der Gubrist schon bald an internationalen Filmfestivals über die Leinwände flackern. Die Geschichte, wie es zu den Dreharbeiten in der Schweiz kam, ist beinahe so aufregend wie der Film selbst. Als der aufstrebende iranische Regisseur Ali Ahmadzadeh im letzten Jahr seinen Film «Atomic Heart» am Zurich Filmfestival vorstellte, hatte er bereits geplant, für sein neues Werk «Padideh» zum Drehen nach Europa zu kommen. Ein Teil seines Beziehungsdramas sollte im französischsprachigen Raum spielen.

Es braucht Mut und Wahnsinn

Die Suche nach französischen Produzenten erwies sich jedoch als schwierig. Mit Niklaus Reichle und Shirin Dabirzadeh fand er in der Schweiz schliesslich zwei junge Koproduzenten, die genug Vertrauen in seine Arbeit hatten, um das Projekt an sich zu nehmen. Zudem brachten sie auch die nötige Portion Mut und den Schuss Wahnsinn mit, den es braucht, um als absolute Neulinge im Filmgeschäft ein solches Vorhaben zu stemmen. Sowohl der St. Galler Reichle als auch die in Zürich lebende iranische Grafikdesignerin Dabirzadeh produzieren zum ersten Mal einen Spielfilm. Dabei schafften sie es, auch teilweise widrige Umstände zu überwinden. Ali Ahmadzadeh und seine Crew konnten in die Schweiz einreisen und ihre Dreharbeiten aufnehmen.

Am Set herrscht Improvisation und Rock ’n’ Roll. Das Budget ist klein und die Zeit, wegen der kurzen Arbeitsvisa der iranischen Crew, knapp. Dafür ist das Engagement des internationalen Teams gross. Neben der professionellen Filmcrew, die aus Iranern und Schweizern besteht, sind viele freiwillige Helfer am Set. Es werden vier verschiedene Sprachen gesprochen: Englisch, Farsi, Französisch und Schweizerdeutsch. Gedreht wird fast ausschliesslich nachts. Für die männliche Hauptrolle konnte man den Schweizer Schauspieler Carlos Leal gewinnen, der mit seiner französischen Kollegin Norah Lehembre das Liebespaar Stéphane und Marie spielt. Für Leal war die Anfrage eine grosse Überraschung, wie er sagt. Er war schon lange vorher ein Fan von Ahmadzadehs Arbeit. Dass er nun in dessen neuem Film spielt, sei «einfach Schicksal» gewesen. «Ich vertraue diesem Regisseur voll und ganz», sagt er. «Seine Erzählweise und Bildsprache haben mich schon bei seinem letzten Film ‹Atomic Heart› umgehauen.»

Ahmadzadehs Filme spielen meist in der nächtlichen Stadt, oft im Innenraum eines Autos und sind durchsetzt mit surrealen Elementen. Das Beziehungsdrama «Padideh» zeigt das Liebesleben zweier Paare. Eines davon lebt im Iran, das andere in Europa. Es gibt viele Parallelen, sowohl in der Handlung als auch örtlich. So wurde auch in Teheran ein Autobahntunnel zum Schauplatz von Ahmadzadehs nächtlicher Poesie.

Ein absoluter Glücksfall

In der Schweiz fiel die Wahl auf den Gubrist. Die Dreharbeiten aufzugleisen, war dann aber gar nicht so einfach: Denn um hier in einem Autobahntunnel drehen zu dürfen, muss man sich für gewöhnlich nach den Terminen der Wartungsarbeiten richten. Doch Ahmadzadeh hatte Glück: Die Röhre des Gubristtunnels Richtung Zürich bot sich genau zur richtigen Zeit an. «Die schriftliche Bewilligung für die Dreharbeiten kam heute Morgen an», sagt Produktionsassistent Fabian Diem am Drehtag, während die Auto-Karawane mit der Filmcrew in den gesperrten Tunnel fährt. Der Gubrist schreibt damit zwei neue Geschichten. Eine fiktive, die von Liebe und Zuneigung handelt. Und eine reale, die von einer besonderen Zusammenarbeit zwischen Filmschaffenden zweier Kulturen erzählt.

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