Arbeitsmarkt
«Eigentlich ist die Krise vorüber»

Die 34 Entlassungen bei der Maschinenfabrik Jorns gehören trotz hohem Frankenkurs zu den Ausnahmen.

Jürg Rettenmund
Drucken
Teilen

Solothurner Zeitung

Die Tafel vor der Fabrik, mit der die Jorns AG offene Stellen bekannt macht, ist leer. Vorgestern musste das Unternehmen sogar die Entlassung von 34 Mitarbeitenden ankünden (siehe Text unten). Einen Trost gibt es immerhin: Anderen Firmen im Oberaargau haben offene Stellen. «Eigentlich ist die Krise vorüber», sagt Erich Trösch, CEO und Verwaltungsratspräsident der Glas Trösch AG in Bützberg.

Auch Glas Trösch sucht Mitarbeiter. Das hänge auch damit zusammen, dass ihr Geschäft saisonal schwanke: Vom September bis November, wenn auf dem Bau die Fassaden geschlossen würden, damit im Winter der Innenausbau anschliessen könne, werde in Bützberg unter Hochdruck gearbeitet. Trösch profitiere weiter davon, dass das Unternehmen im Ausland vor Ort produziere, also nicht unter den Währungsdifferenzen leide.

«Zudem», so Erich Trösch, «sind wir vor allem in Ländern stark, wo die Bauwirtschaft boomt.» Er nennt Frankreich, Deutschland, aber auch Polen. Hingegen gehörten England und Spanien nicht zu den Schwerpunktländern von Glas Trösch.

Es ging fast zu schnell

Tröschs Aussage, dass die Krise eigentlich vorbei sei, trifft auch auf Unternehmen zu, die vor rund einem Jahr massiv darunter gelitten hatten. Dazu gehörte die Schneeberger Lineartechnik in Roggwil. Anfang Jahr habe sich das Blatt gewendet, erklärt Geschäftsführer Hans-Martin Schneeberger. Und zwar in einer Art und Weise, dass er dem Aufschwung immer noch nicht ganz traue. «Ich rechne deshalb mit einer Abschwächung im dritten oder vierten Quartal.» Mitte Jahr habe Schneeberger umsatz- und mitarbeitermässig wieder das Niveau von Mitte 2008 erreicht, was vor einem Jahr noch für unerreichbar gehalten wurde.

Keine Kurzarbeit mehr

Gleich tönt es bei Daniel Schmid, dem CEO der Fischer Precise Group in Herzogenbuchsee, die 2009 ebenfalls Mitarbeitende entlassen und Kurzarbeit einführen musste. Die Kurzarbeit habe im Februar beendet werden können, inzwischen habe sich der Umsatz erholt. Fischer habe auch wieder Personal einstellen können.

Von einer verbesserten Situation betreffend Nachfrage und Umsätze spricht auch Catherine Hasler von der Conzzeta AG bezüglich der Firmen Bystronic in Niederönz und Bystronic Glass in Bützberg. Auch dort konnte die Kurzarbeit aufgehoben werden, im Moment seien «Anpassungsmassnahmen» beim Personal weder geplant noch absehbar.

Einig sind sich die Kontaktpersonen der drei Firmen jedoch in der Einschätzung des hohen Frankenkurses: Er ist ein «Riesenproblem» (Daniel Schmid). Die drei Firmen konnten die Folgen bisher durch grössere Umsatzvolumen in Grenzen halten. Wenn aber wie bei der Jorns zusätzlich noch die Aufträge einbrächen, könne dies einer Firma das Genick brechen, zeigen die drei Verständnis für die eingeleiteten Kündigungen.

Vor allem im Inland tätig und deshalb kaum mit Währungsproblemen konfrontiert ist die Sumec AG in Niederbipp, wie Geschäftsführer Urs Schneeberger erklärt. Allerdings sei auch im Inland die Auftragslage sehr kurzfristig, eine Planung über mehrere Monate deshalb kaum mehr möglich. Deshalb habe die Sumec vor ein paar Monaten einen Auftrag in Euro angenommen. «Damit haben wir sehr viel Geld vernichtet.»

Immerhin hätten so die Mitarbeiter weiterbeschäftigt und damit ihr Know-how der Firma gesichert werden können. Zudem ist der Auftrag gemäss Schneeberger künftig eine wichtige Referenz für die Sumec.

Es ist nicht nur der Euro

Wenn vom hohen Kostenniveau in der Schweiz die Rede ist, verweist Erich Trösch allerdings nicht nur auf die gegenwärtigen Währungsschwankungen, sondern auch auf neue Konkurrenten aus Fernost. Er spricht von Glasbearbeitungsmaschinen, die ihm aus China angeboten werden: «Mit gleicher Leistung, aber zu einem Drittel der Kosten –was da auf uns zukommt, kann ich auch noch nicht abschätzen.»

Immerhin kann Trösch als Präsident des Wirtschaftsverbandes die Zuversicht der kontaktierten Unternehmer verallgemeinern: «An unserer letzten Vorstandssitzung war die Krise kein Thema.»

Aktuelle Nachrichten