Steuerflucht
Es gibt unsympathischere Privilegien

Erich Trösch, der Chef von Glas Trösch, räumt seine Villa in Bützberg und zieht mit seiner Familie nach Nidwalden. So spart er knapp 300000 Franken Steuern pro Jahr. Bringen wir dafür Verständnis auf? Nein, ist der erste Reflex.

Jürg Rettenmund
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Solothurner Zeitung

Erich Trösch, der Chef von Glas Trösch, räumt seine Villa in Bützberg und zieht mit seiner Familie nach Nidwalden. So spart er knapp 300000 Franken Steuern pro Jahr. Bringen wir dafür Verständnis auf? Nein, ist der erste Reflex: Da hat einer so viel Geld, dass er sich praktisch alles leisten kann, und dann lässt er uns hier im Stich und zieht dorthin, wo ihm noch mehr übrig bleibt. Erich Trösch verletzt unser Gerechtigkeitsempfinden, das verlangt, dass jeder nach seiner wirtschaftlichen Situation seinen Beitrag an die Kosten der Allgemeinheit leistet.

Aufhorchen lässt jedoch Tröschs Hinweis, dass sein Steuerbetrag nicht in seiner Familienschatulle fehlt, sondern im Betrieb, weil er ihn nicht dort investieren kann. Anzeichen, dass das keine leeren Worte sind, finden sich in seinem Steuerausweis: Dort ist das Vermögen mit 3,3 Mio. Franken vergleichsweise bescheiden und in keinem Verhältnis zu den 300 bis 400 Mio., auf die der Wert der Firma geschätzt wird.

Man kann in dieser Tatsache eine Privilegierung sehen, bezahlen doch Unternehmen im Vergleich zu Privaten wenig Steuern. In Thunstetten-Bützberg sind es von allen juristischen Personen zusammen ganze 115000 Franken pro Jahr. Zum Vergleich: Von den natürlichen Personen stammen 5,9 Mio. Franken. Man kann dies aber auch als Beweis dafür sehen, dass das Steuersystem den richtigen Anreiz setzt: Es unterstützt den Unternehmer darin oder zwingt ihn dazu, sein Geld ins Unternehmen zu stecken und Arbeitsplätze zu schaffen.

Und die Steuergerechtigkeit? Sie wird an vielen Orten geritzt, wenn es gilt, Wohlhabende zu hätscheln. Erinnern wir uns nur an die Pauschalbesteuerung für Ausländer, die hier keiner Erwerbstätigkeit nachgehen. Und letztlich wirkt auch die im Zusammenhang mit Trösch diskutierte Vermögenssteuerbremse im Kanton der Steuergerechtigkeit entgegen, nimmt sie doch ebenfalls Erträge von der Besteuerung aus. Solche Ausnahmen sind weit störender als jene für einen Familienunternehmer. Schliesslich zeigt auch die aktuelle Diskussion um eine ökologische Steuerreform, dass ein System nicht wertneutral ist, sondern auf gesellschaftlichen Werten beruht, die gefördert werden sollen.

Man kann also durchaus Verständnis aufbringen für Erich Trösch, wenn er das Steuerschlupfloch nutzt, um sein Unternehmen zu stärken. Das heisst allerdings nicht, dass man auch Steuerwettbewerb gutheisst, der solche absurden Möglichkeiten erst schafft. Dort ist der Hebel anzusetzen: Die Schweiz braucht endlich ein Steuersystem, das der heutigen Mobilität Rechnung trägt.

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