Rettung
«Heimatloser Bär» bringt Unterschriften in Dietikon

638 Unterschriften hat das Komitee zur Rettung des «Alten Bären» dem Stadtpräsidenten Otto Müller am Donnerstag übergeben – und dabei den Stadtrat scharf kritisiert.

Bettina Hamilton-Irvine
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Das Initiativkomitee und der «heimatlose Bär» übergeben Stadtpräsident Otto Müller 638 Unterschriften.

Das Initiativkomitee und der «heimatlose Bär» übergeben Stadtpräsident Otto Müller 638 Unterschriften.

Bettina Hamilton-Irvine

Wilde Tiere im Dietiker Stadthaus: Das erlebt man nicht alle Tage. Doch gestern war es ein «heimatloser Bär» – der sich zur Sicherheit auch gleich auf einem Schild als solcher zu erkennen gab – der dem Dietiker Stadtpräsidenten Otto Müller am Mittag eine Schachtel mit 638 Unterschriften übergab.

Der Bär – im Kostüm steckte der Dietiker Kulturschaffende Stefan Baier – fungierte als Anspielung auf das historische Gebäude «Alter Bären», das der Stadtrat diese Woche an einen Investor verkauft hat. Ein überparteiliches Komitee aus SP, Grünen, AL und CVP hatte versucht, den Verkauf mittels einer Volksinitiative zu verhindern. Diese hat den Schutz des Ortskerns zum Ziel und will, dass die Stadt dies insbesondere als Eigentümerin der historischen Gebäude sicherstellt. Dass der Stadtrat den «Alten Bären» nur wenige Tage vor der Übergabe der Unterschriften noch verkauft hatte, sorgt bei den Initianten für Irritation, wie sie gestern noch einmal betonten. Trotzdem wollen sie die Initiative zur Abstimmung bringen.

«Es war noch nie so einfach»

«Wir sind enttäuscht und fragen uns, wie der Stadtrat nun seine Glaubwürdigkeit wieder zurückgewinnen will», sagte Reto Siegrist (CVP). Der Stadtrat habe das Vertrauen verspielt und mehr als 600 mehrheitlich alteingesessene Dietikerinnen und Dietiker brüskiert, die über den «Alten Bären» hätten abstimmen wollen. Ernst Joss (AL) sagte, er sei «schockiert» über das Vorgehen des Stadtrats. Dieser besitze den «Alten Bären» schon seit bald zehn Jahren, habe nun aber mit dem Verkauf nicht noch ein paar Monate warten können. Joss wies zudem darauf hin, dass es noch nie so einfach gewesen sei, für ein Anliegen Unterschriften zu sammeln.

Dies bestätigte Catherine Peer (SP). Nach wie vor bekomme sie jeden Tag Kuverts mit Unterschriften für die Volksinitiative. Das berühre sie, mache sie aber auch nachdenklich. «Man sieht, wie die Dietikerinnen und Dietiker an ihrem Ortskern hängen.» Lucas Neff (Grüne) verwies darauf, dass der Inhalt der Initiative wohl unbestritten sei: Es gehe darum, den Ortskern und damit die Identität von Dietikon zu erhalten. Dagegen werde sich der Stadtrat sicher auch nicht wehren. Schade sei bloss, dass dessen Verhalten zurzeit bloss von Hilflosigkeit zeuge.

Müller bedankte sich beim Initiativkomitee für dessen Einsatz. Er wiederholte, der Stadtrat sei überzeugt vom vorliegenden Projekt, das sechs Mietwohnungen im denkmalgeschützten Haus vorsieht. «Wir haben immer gesagt, wir verkaufen den ‹Bären›, wenn ein gutes Projekt vorliegt», so Müller. Der Stadtrat könne mit der Zielsetzung der Initiative, den Ortskern zu schützen, viel anfangen. Doch müsse man dafür nicht zwingend Eigentümer aller Liegenschaften sein. Die Initiative wird nun von der Stadt geprüft und könnte etwa im Herbst vors Volk kommen.

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