Weiningen
Hit aus Weiningen: Das Haarschneide-Video von Haugs ging um die Welt

Wie das Weininger Winzerpaar Hans-Heinrich und Dora Haug ungewollt einen viralen Video-Lacher landete.

Lydia Lippuner
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Auf dem letzten Skiausflug vor der Coronakrise brach Dora Haug aus Weiningen das Bein. Deshalb verbrachte sie die Zeit meist sitzend zuhause in der Stube. «Mein Mann ging in die Reben und ich blieb allein zuhause. Da kommen schon komische Gedanken auf», sagt sie. So entschloss sie die Freunde, die sie nun nicht mehr besuchen durfte, mit einem Video zum Schmunzeln zu bringen. Sie drückte ihrem Mann die Schere in die Hand und wies ihn an, ihre Haare zu schneiden. Das Ganze nahm sie als Video auf. «Ich wollte während des Drehs eigentlich ernst bleiben, aber ich konnte nicht», sagt Dora Haug.
Dora und Hans-Heinrich kennt man auch unter dem Namen Dorli und Surri. Sie sind bereits 39 Jahre verheiratet und führen das Weingut Haug.

Ihr Mann habe ihre Kurzhaarfrisur auf etwa zwei Zentimeter geschnitten. Nach dem Videodreh habe sie aber nochmals zur Schere gegriffen und die Frisur ein wenig ausgeglichen. Die Haare seien nun so kurz, dass sie ordentlich Haargel einkneten müsse, damit diese schön am Kopf liegen. «Doch es ist mir egal, ich bin ja sowieso zuhause», sagt sie. Früher habe sie ihrem Mann jeweils die Haare geschnitten. Als sie diese im November einmal zu kurz geschnitten habe, habe er gefroren und ihre Coiffeur-Karriere sei damit beendet gewesen. Seither gehen die beiden zum Coiffeur im Dorf.

Über Freunde landete das Video plötzlich beim SRF

Ihre Coiffeuse, die das Video ebenfalls erhielt, habe sich erst einmal kaputtgelacht, bevor sie antworten konnte. Auch die Freunde freuten sich über den lustigen Gruss des Winzerpaares. Ursprünglich sandten sie das Video an 50 Personen, doch diese verteilten es ihrerseits weiter. Es wurde auf Facebook geladen und plötzlich interessierte sich das Schweizer Radio (SRF) für das Video. Ihr Sohn habe ihr irgendwann gesagt, dass das ­Video viral gehe. Dorli Haug ist damals noch gar nicht bewusst gewesen, was das heisst. Bald schon sei ihr die Bedeutung aber klar geworden, denn einige Weininger hatten das Video aus Mexiko erhalten. «Das ­haben wir nicht erwartet. Wir waren total perplex», sagt Haug.

Blumen aus Toilettenpapier und ein «Dinner for One»

Ursprünglich wollten die Haugs jede Woche ein neues Video drehen. «Doch nachdem das Erste ein solcher Erfolg wurde, waren wir ein wenig gehemmt», sagt Haug. Als nächstes drehten sie ein Video, indem sie zeigten, wie sie aus Toilettenpapier einen Blumenstrauss basteln und dann erstellten sie ein Video, bei dem sie ein «Dinner for One» nachstellten. «Wir holten den langen Tisch in den Keller und mein Mann prostete mir Dutzende Male als Ersatz für alle Freunde zu. Er trank etwa drei Liter Traubensaft und ein wenig Wein. So viel Traubensaft tat ihm aber nicht gut», sagt Dorli Haug. Die letzten Videos hätten nicht mehr das gleiche Echo ausgelöst wie das erste. Doch das macht Haugs nichts aus. «Wir wollten die Videos, wie ursprünglich geplant, für unsere Freunde drehen. Wenn noch jemand anderes Freude daran hat – auch gut», sagt sie. Im nächsten Video werde es allenfalls um Hausmusik gehen, doch mehr wollen die beiden momentan noch nicht verraten.

Nebst dem Filmen geht Surri Haug in die Reben und bereitet den Weinberg für die kommenden Wochen vor. Dorli Haug würde ihn gerne begleiten, wegen ihres gebrochenen Beines ist sie aber nicht mobil. Doch sie weiss sich zu beschäftigen: Momentan sägt sie aus Sperrholz Puzzleteile aus und bemalt diese für die Enkel. Diese vermisse sie am meisten. «Es tut weh, wenn sie die Arme ausstrecken und ich sie nicht zu mir nehmen kann», sagt Haug. Sie freue sich sehr, wenn sie wieder mehr rauskomme und ihre Freunde wieder sehen, sprechen

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