Bützberg
Keine Tempo-30-Zone, aber ein Fussgängerweg

Geht es nach Marcel Graf, Leiter Bau und Betrieb der Gemeinde Thunstetten, soll der Weg zur Schulanlage Byfang in Bützberg soll noch dieses Jahr sicherer werden.

Irmgard Bayard
Drucken
Auf der Seite rechts wird ein Fussweg markiert, der mit Pollern ergänzt wird.

Auf der Seite rechts wird ein Fussweg markiert, der mit Pollern ergänzt wird.

Irmgard Bayard

Auf der Sonnhaldestrasse von der Bernstrasse (Restaurant Tell) her wird auf der rechten Seite ein Fussgängerweg markiert. «Zur weiteren Sicherheit wird alle 50 Meter ein Poller gestellt», erklärt Graf. Weitere bauliche Massnahmen sind nicht geplant, damit auch künftig Autos kreuzen können.

Hingegen sollen zwei Fussgängerstreifen - einer vor der Einmündung der Südstrasse, einer vor der Unterführung zum bestehenden Trottoir - das sicherere Queren der Strasse gewährleisten. Für alle Massnahmen werden rund 20000 Franken investiert. Graf hofft, die Bauarbeiten noch dieses Jahr fertigstellen zu können.

«Weder Fisch noch Vogel»

Das Vorhaben sei «weder Fisch noch Vogel», findet Hans-Peter Vetsch. Er ist Mitinitiant der IG Südstrassenquartier. Diese hat im Mai 2011 beim Gemeinderat eine von knapp 60 Personen unterschriebene Petition zur Überprüfung des Verkehrs in den Quartieren Südstrasse, Sonnhaldestrasse, Buchi-acker und zur Schul- und Sportanlage Byfang eingereicht.

In den vergangenen 20 Jahren sei im Quartier massiv gebaut worden und die Zahl der schulpflichtigen Kinder habe dadurch zugenommen, so ein Argument der Petitionäre. Sie fordern unter anderem verkehrsberuhigende Massnahmen und schlagen zum Beispiel Wohnstrassen vor. Aber auch die Prüfung einer anderen Erschliessung der Anlage Byfang (siehe Kasten).

Keine andere Erschliessung

Eine Erschliessung der Schulanlage Byfang via Schlossstrasse müsste via Landwirtschaftszone erfolgen. Der Gemeinderat hält fest, dass das Amt für Gemeinden und Raumordnung dieser nicht zustimmen würde. Der heutige Feldweg müsste zudem ausgebaut werden. «Das heisst, die Kofferung muss komplett neu aufgebaut und die Strasse auf 4.20 Meter verbreitert werden.» Dies würde weit über 100000 Franken kosten. Weitere Gründe, welche gegen diese Verkehrsführung sprechen, seien die suboptimale Ausfahrt Schlossstrasse und die umständliche Zufahrt zu den Parkplätzen in der Schulanlage, schreibt der Gemeinderat in seiner Antwort an die Petitionäre. (iba)

Fachstelle für Tempo-30-Zone

Daraufhin hat der Gemeinderat bei der Firma Kontextplan AG (Bern) ein Gutachten in Auftrag gegeben. In diesem wird die Einführung einer Tempo-30-Zone mit Begleitmassnahmen wie Aufhebung der bestehenden Fussgängerstreifen auf der Südstrasse und Rückbau der bestehenden Buckel empfohlen. Die Kosten werden auf rund 60000 Franken beziffert.

Das Büro hält aber auch fest, dass die Quartierzufahrten eine relativ gesehen geringe Verkehrsbelastung von rund 520 Motofahrzeugen (Südstrasse) beziehungsweise 550 Motorfahrzeugen (Sonnhaldestrasse) aufweisen. «Vor allem bei der Sonnhaldestrasse ist anzunehmen, dass ein nicht geringer Anteil des Verkehrs daraus entsteht, dass Eltern ihre Kinder zur Schule bringen und von dort wieder abholen», heisst es unter der Rubrik «Konfliktbeurteilung».

«Die Bau- und Betriebskommission und der Gemeinderat haben sich intensiv mit dem vorliegenden Gutachten auseinandergesetzt. Dabei hat man festgestellt, dass eine Tempo-30-Zone keine wesentliche Verbesserungen der aktuellen Situation mit sich bringt und zu wenig Wirkung bei der Sicherheit erzielt wird», schreibt der Gemeinderat in seiner Antwort an die Petitionäre. Aus Gründen der Verhältnismässigkeit habe sich der Gemeinderat schliesslich gegen die Einführung einer Tempo-30-Zone entschieden, heisst es weiter.

«Kinder spielen auf der Strasse»

Dafür zeigt Vetsch kein Verständnis. «Ich kann nicht verstehen, dass dem Gemeinderat ein Menschenleben keine 60000 Franken wert ist», wettert der Petitionär. Er glaubt auch nicht, dass der geplante Fussgängerweg viel nützt, «denn die Kinder spielen auf der Strasse, das wird sich auch danach nicht ändern.»

Ob dies so sein wird, kann Gemeindepräsident Fred Röthlisberger (SVP) nicht voraussehen, er versteht aber die Bedenken. Hingegen wehrt er sich gegen den Vorwurf, der Gemeinderat spare auf Kosten von Menschleben und verweist auf die im Quartier bereits bestehenden Fussgängerstreifen und Verkehrsberuhigungen. «Das hat nichts mit Geld zu tun. Wir glauben einfach, dass die von uns vorgesehenen Massnahmen sinnvoll sind und genügen.»

«Projekt zuerst studieren»

Bauverwalter Marcel Graf ergänzt, dass die optische Verengung der Sonnhaldestrasse die Autofahrer künftig automatisch langsamer fahren lasse. «Zudem sind die Fussgänger mit den vorgesehenen Pollern zusätzlich geschützt.» Das Problem des nicht optimalen Fussweges entlang von Hecken und Mauern ist ihm zwar bekannt, «die gegenüberliegenden Strassenseiten sind aber teilweise im Privatbesitz. Wir können diese nicht einfach nutzen.»

Ob und wie sich die IG Südstrassenquartier weiterhin einsetzen wird, lässt Hans-Peter Vetsch offen. «Zuerst müssen wir das geplante Projekt genau kennen.»

Aktuelle Nachrichten