Langenthal
Langenthal will endlich moderne Ansichtskarten

Stadträtin Ruth Trachsel (EVP) ärgert sich über die alten Langenthaler Karten. Sie wurde von einer Bekannten auf dieses Thema aufmerksam gemacht und hat ihr versprochen, sich dem zu widmen.

Urs Byland
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Die Jurastrasse in Langenthal

Die Jurastrasse in Langenthal

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Die Ansichtskarten von Langenthal beschäftigen periodisch die städtische Politik. Vor sieben Jahren war es die Grüne Liste-Stadträtin Luzia Bossard, die in der parlamentarischen Fragestunde ein «Update der völlig veralteten Sujets» verlangte. Der damalige Stadtpräsident Hans-Jürg Käser wollte die Idee aufnehmen, auch wenn dieser Artikel nicht in den Aufgabenbereich des Stadtmarketings fallen würde. Daraus wurde aber nichts. Die alten Karten werden immer älter.

Im Wahlkampfjahr nimmt EVP-Stadträtin Ruth Trachsel das Thema in einer Motion gerne auf. Die 54-jährige diplomierte Pflegefachfrau und Erwachsenenbildnerin ersetzte vor einem Jahr Michèle Rentsch-Ryf im Stadtrat. «Ich wurde von einer Bekannten auf die veralteten Ansichtskarten Langenthals aufmerksam gemacht und habe mir vorgenommen, mich diesem Thema anzunehmen», berichtet Trachsel. Worauf sie in den Stadtladen ging und Langenthaler Karten verlangte.

«Ich erhielt drei Karten zur Auswahl, mit vielen Entschuldigungen überreicht, weil die Karten so alte Motive zeigen würden. Ich bekam sie gratis.» Darauf habe sie sich den politischen Vorstoss überlegt, den sie an der Stadtratssitzung am Montag einreichte. «Die Sujets der drei aktuellen Ansichtskarten von Langenthal entsprechen kaum dem heutigen Selbstverständnis einer fortschrittlichen und modernen Stadt», schreibt Trachsel in der Motion. Sie müssten eher als historische Dokumente betrachtet werden. Die Stadt sei auf den Ansichtskarten kaum wiederzuerkennen.

Im Stadtladen kramt der Verkäufer die Karten, die er von Langenthal hat, aus einer Box hervor. Neben den alten Sujets kann er zwei weitere Ansichtskarten anbieten, die von einer Schulklasse im Kreuzfeld produziert worden sind. Sie zeigen einerseits das Wappen als Blumencollage und auf der zweiten Karte eine Spielerei mit dem Wort Langenthal. Die alten Ansichtkarten, von denen er noch etwa 80 Stück gelagert hat, bestelle er jeweils bei der Firma Photoglob AG.

Neues Geschäftsmodell

Gion Schneller, Geschäftsführer der Firma dürfte schon öfters Telefonate mit unzufriedenen Kunden geführt haben. «Langenthal ist nicht das Herz des Tourismus. Aber die Stadt ist kein Einzelfall. Wir haben von vielen Gemeinden veraltete Sujets im Umlauf.» Seine Firma könne nicht alle Jahre neue Ansichtskarten von den Gemeinden in eigener Regie produzieren. Das wäre zu teuer. Deshalb bietet die Firma ein anderes Geschäftsmodell an: «Wir suchen die Zusammenarbeit mit politischen oder touristischen Organisationen. Von diesen erhalten wir die Bilder: Wir übernehmen die Produktion der Karten und die Distribution.» So habe seine Firma mit Olten Tourismus eine Serie von zehn Ansichtskarten gemacht. In anderen Gemeinden würden Fotowettbewerbe lanciert, nennt er Beispiele der Zusammenarbeit.

«Wir haben in Langenthal viele schöne und gute Sujets, sodass wir einen moderneren Auftritt wagen könnten», sagt Ruth Trachsel. Auf die Frage, an welche Sujets sie denke, erwähnt sie die renovierten alten Gebäude zwischen dem Wuhrplatz und der Alten Mühle. Dem Einwand, dass diese Ansicht kein modernes Langenthal zeigen würde, stimmt Trachsel zu. Sie wünsche sich aber ein Sujet, das auf die Designstadt Langenthal hinweisen würde. «Einen konkreten Vorschlag könnte ich jetzt nicht
machen.»

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