Abstimmung
Lehrerdiplom nötig: Der Kampf gegen die reinen «Schulmanager»

Egal, wie sie ausgeht: Die Abstimmung am 3.März über die Frage, welche Qualifikationen ein Schulleiter oder eine Schulleiterin im Kanton Zürich haben muss, wird auf jeden Fall in die Geschichte eingehen – als letztes «konstruktives Referendum».

Michael Rüegg
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Schulleiter soll auch werden dürfen, wer kein Lehrerdiplom hat. Widerstand kommt von Lehrerseite. Fotolia

Schulleiter soll auch werden dürfen, wer kein Lehrerdiplom hat. Widerstand kommt von Lehrerseite. Fotolia

Und sie eignet sich hervorragend dafür, zu zeigen, welchen Zweck dieses mittlerweile abgeschaffte demokratische Instrument hat: Die eigentliche Vorlage, nämlich das «Gesetz über die Anpassung des Personalrechts bei Lehrpersonen an der Volksschule», ist bis auf ein kleines Detail politisch unumstritten. Das Gesetz regelt Anstellungsbedingungen und Kündigungsfristen und macht auch Lehrpersonen mit kleinen Pensen zu kantonalen Angestellten. Bei der Abstimmung ist das Variante A.

Der Grund, weshalb die Stimmbevölkerung überhaupt darüber befinden muss: Schulleiterinnen und Schulleiter müssen laut diesem Gesetz nicht mehr zwingend eine Anzahl Wochenstunden unterrichten. Und sie brauchen kein Lehrerdiplom mehr, um von einer Schulpflege angestellt zu werden.

SP, Grünliberale, EVP sowie Lehrerverbände haben dagegen das Referendum ergriffen und einen Gegenvorschlag eingereicht (Variante B). Sie fürchten sich vor reinen «Schulmanagern» und pochen auf «fachliche Kompetenz». Geht es nach ihnen, benötigen Schulleiter eine pädagogische Ausbildung mit Lehrerdiplom oder eine gleichwertige Ausbildung. Was mit «gleichwertig» genau gemeint ist, können sie derzeit jedoch noch nicht sagen.

«Etwas vom Geschäft verstehen»

In Mittel- und Berufsschulen sässen in den Schulleitungen ausnahmslos bewährte Lehrkräfte, sagt Markus Späth, SP-Kantonsrat und Gymi-Lehrer. «Wieso soll das in Primarschulen anders sein?», fragt er, und fügt an: «Schulen sind keine Grossunternehmen. Sie sind mit KMU-Betrieben zu vergleichen.» Dort erwarte man von den Chefinnen und Chefs auch, dass sie etwas vom Geschäft verstehen.

Die Befürworter des erleichterten Zugangs können die Aufregung über diesen Passus nicht ganz nachvollziehen. Sie gehen davon aus, dass die grosse Mehrheit der Schulleiterinnen und Schulleiter weiterhin aus dem Lehrerberuf kommen wird. Die Idee, das Lehrerdiplom als Voraussetzung aus dem Gesetz zu streichen, stamme aus der Praxis, sagt Martin Wendelspiess, Chef des kantonalen Volksschulamtes. «Es hat Einzelfälle gegeben, wo wir Nein sagen mussten, obwohl die Schule und Schulpflege jemanden ausdrücklich in dieser Funktion haben wollte.» Wendelspiess weist auch darauf hin, dass künftig nach dem Willen des Regierungsrates bei Kandidaten ohne Lehrerdiplom in der Ausbildung zum Schulleiter der Schwerpunkt auf pädagogischen Fragen liegen solle.

Gegner befürchten «Schnellbleiche»

Die Gegner sehen in der Schulleiterausbildung hingegen eine «Schnellbleiche», die innerhalb weniger Wochen absolviert werden kann – im Gegensatz zu einem mehrjährigen Studium an einer Pädagogischen Hochschule.

Eine qualitativ schlechtere Schule will freilich keine von beiden Seiten. Umstritten ist aber die Frage, welchen beruflichen Weg jemand gegangen sein muss, damit er die Verantwortung für einen Schulbetrieb übernehmen kann.

Dabei müssen sich die Lehrerinnen und Lehrern durchaus auch ein paar Worte leiser Kritik gefallen lassen: Nämlich, dass sie zwar überzeugt sind, Aufgaben wie Projektmanagement und Schulentwicklung problemlos erlernen zu können – es anderen aber nicht zutrauen, sich pädagogisches Fachwissen anzueignen.

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