Fanni Fetzer
«Mache die Ausstellungen eigentlich für mich selber»

Fünf Jahre lange leitete Fanni Fetzer das Kunsthaus Langenthal und brachte dieses öfters in die Schlagzeilen. Am Samstag, 1. Oktober, beginnt Fanni Fetzer offiziell ihr Engagement als Direktorin am Kunstmuseum Luzern.

Urs Byland
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Fanni Fetzer

Fanni Fetzer

Tobias Granwehr

Das Programm für das erste Jahr in Luzern hat sie aber bereits kommuniziert. Heute Abend gibt sie ein Abschiedsapéro in Langenthal. Erinnerungen an Skandale und Ausstellungen werden dann nochmals aufgewärmt.

Fanni Fetzer, haben Sie die Diskussion im Nationalrat zu den Kulturausgaben für die nächsten vier Jahre mitverfolgt?

Fanni Fetzer: Die Diskussion läuft schon länger, aber auf dem neusten Stand bin ich nicht, weil ich erst gerade aus London zurückgekommen bin.

Der Nationalrat spricht 690 statt 640 Millionen Franken.

Da steckt eine grosse Lobbyarbeit dahinter. Ursprüngliche Idee war ja, dass alle Kultursparten gleich behandelt werden sollen. Bisher hat aber die Bildende Kunst im Vergleich mehr erhalten.

Und das sollte so bleiben?

Ja. Die Diskussion war: Braucht wirklich jede Sparte gleich viel Geld? Die Schweiz ist für ihre Architektur und Bildende Kunst bekannt, aktuell aber weniger für ihre Literatur. Soll jetzt etwas, was gut funktioniert, eingebremst werden?

Stellvertretende Direktorin in Thun, Leiterin Kunsthaus Langenthal und nun das Kunstmuseum Luzern: Als Quereinsteigerin, aus dem Journalismus kommend, haben Sie Erfolg. Stimmen Sie dem zu?

Ich würde das auch sagen. Ich kann mich sicher nicht beklagen und ich bin immer wieder überrascht, wie alles geklappt hat. Das hängt sicher damit zusammen, dass ich mich auf zeitgenössische Kunst fokussiere, viel mit Leuten rede oder unterwegs bin und Künstlerinnen und Künstler in ihren Ateliers besuche. Eine Leitung beispielsweise des Zentrums Paul Klee in Bern käme für mich nicht in Frage, weil mir das kunsthistorische Wissen fehlt. Das müsste ich mir zuerst erarbeiten, aber das liegt mir auch nicht besonders am Herzen.

Welche Lust versteckt sich hinter diesem Fokussieren auf die zeitgenössische Kunst?

Neugier, oder dass ich oft eine ganze emotionale Beziehung zur Kunst habe, was mich wirklich stark berührt. Ich vertraue sehr stark auf den Bauch und schaue nicht strategisch, wer wird jetzt in den Fachzeitschriften gerade hochgejubelt. Ich mache die Ausstellungen eigentlich alle für mich selber.

Und wie lernen Sie die Künstlerinnen und Künstler kennen?

Das ist verschieden. Man muss auch bei den Kunstvereinen reinschauen und nicht nur in den grossen Museen. Oder man muss Diplomausstellung beachten, die neuen Galerien suchen, nach Wiesbaden fahren und nicht nur nach Berlin. Oder eine Gruppenausstellung in einer grösseren Institution interessiert verfolgen. Ist es nur ein einzelnes tolles Werk eines Künstlers oder einer Künstlerin oder steckt mehr dahinter?

Dann suchen Sie den Kontakt?

Ja. Ich habe beispielsweise in einer Fachzeitschrift über ein Gespräch mit einer polnischen Kuratorin gelesen. Sie beschrieb, was ihr im letzten Jahr aufgefallen ist. Dazu gehörte
das Werk einer tschechischen Künstlerin. Das Werk, ein Video, habe ich bestellt, angeschaut und in meiner Ausstellung «Average» gezeigt. Aus diesem Kontakt wegen einer Arbeit begann ich mich, für die Künstlerin zu interessieren. Mit ihr mache ich jetzt meine erste Ausstellung in Luzern.

Sie sagen Neugier treibe Sie an. Die Langenthaler würden eher sagen: Fanni Fetzer provoziert gerne.

Ich glaube nicht, dass dies alle Langenthalerinnen und Langenthaler sagen würden.

Was sagen sie denen, die das glauben?

Diesen Leuten sage ich, dass es Aufgabe der zeitgenössischen Kunst ist, gesellschaftliche und politische Fragestellungen aufzugreifen. Provozieren kann man nur, wenn ein gesellschaftliches Tabu besteht. Etwas, worüber man nicht redet. Dann thematisiere ich es in einer Ausstellung.

Es waren aber die Künstler, die das Minarett auf das Choufhüsi pflanzten oder ein Hakenkreuz mit Langenthaler Porzellan formten?

Schon, aber ich habe zum Beispiel Gianni Motti eingeladen, weil er für die Ausstellung «Average» über das Langenthaler Phänomen des Durchschnitts ein Werk gestalten sollte. Und ich habe gewusst, dass er ein politisch denkender Künstler ist. Wir haben dann darüber gesprochen, was in Langenthal besonders ist, liefen durch die Stadt und dann fragte er plötzlich, um welche Geschichte es sich mit dem Baugesuch des Minaretts handle.

Was hat Ihnen Langenthal gebracht?

Ich habe in Langenthal extrem viel verwirklichen können, was ich mir zuvor erhofft hatte. Dies ging nur mit Unterstützung eines engagierten Vorstandes, von Freiwilligen, vom Teilzeitteam sowie politischer Unterstützung durch Marianne Hauser Haupt, Paula Schaub und generell der Stadt. Da steckt das Bekenntnis einer kleinen Stadt dahinter, dass man ein eigenes Kunsthaus will.

Aber, wie Sie schon gesagt haben, eine Van-Gogh-Ausstellung würden Sie nicht kuratieren?

Als Direktorin eines Kunsthauses hätte ich gerne einen Blockbuster wie eine Van-Gogh-Ausstellung, aber ich würde sie nicht kuratieren. In Luzern habe ich diesbezüglich ganz andere Möglichkeiten mit externen und internen Fachpersonen. Ich selber mache nächstes Jahr drei Ausstellungen, die restlichen kuratieren andere.

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