Energiedebatte
Nach Räumung: Junge Grüne fordern Rücktritt von Stadtpräsident Tschäppät

Die Behörden der Stadt Bern haben den Protest-Standort der Atomkraftgegner aufgelöst. Für die Grünen Grund genug, den Rücktritt von Stadtpräsident Alexander Tschäppät zu fordern. Dieser sieht jedoch keinen Anlass dazu.

Samuel Thomi
Drucken
geräumtes bkw-camp

geräumtes bkw-camp

az Langenthaler Tagblatt

Die ersten Reaktionen auf die Räumung des Anti-AKW-Camps vor dem Hauptsitz der BKW Energie AG in Bern fallen gemischt aus: Auf dem Weg zur Arbeit spendeten die Anwohner den zwei Dutzend Polizisten, welche die Instandstellungsarbeiten bewachten, mehrfach spontanen Applaus.

Bei Aline Trede von den Jungen Grünen stösst die Räumung jedoch auf Unverständnis. «Das ist ein Skandal, dass ein solches Camp in einer rot-grünen Stadt keinen Platz mehr hat.» Sie selbst hatte zwar nicht auf dem Viktoriaplatz übernachtet; doch sei sie am frühen Morgen per SMS über die Räumung informiert worden.

Trede: Tschäppät muss gehen

Derweil lässt sich die Stadträtin nicht einschüchtern: «Der Protest geht weiter». Bereits heute Mittag soll das seit langer Zeit geplante wöchentliche Dienstags-Protest-Pick-Nick am Viktoriaplatz stattfinden. Zu diesem Anlass fordert Trede auf die Reaktion der Räumung «den sofortigen Rücktritt» von Stadtpräsident Alexander Tschäppät: «Das ist Wahlkampf pur. Es gab nicht mal ein Ultimatum», so Trede.

Der kritisierte rechtfertigt sich auf Anfrage: «Wir haben lange verhandelt. Doch von den Vertretern des Protest-Camps war kein Einlenken absehbar.» Daher habe es auch kein neuerliches Ultimatum gebraucht: «Unsere Forderung war klar: Kein Wohnen auf dem Areal.» Der Gemeinderat sei laut Tschäppät sogar bereit gewesen, einen Teil des Areals für einen dauerhaften Protest-Infostand zur Verfügung zu stellen: «Jetzt bleibt das Areal leer», so Tschäppät.

Stadtpräsident lobt Polizei

Stadtpräsident Alexander Tschäppät lobte zugleich die «über 100 Mitarbeiter von Stadtverwaltung, Stadtgärtnerei, Polizei und Strasseninspektorat», welche in der Nacht auf heute ab 3.30 Uhr die Räumung vornahmen wie auch die Camper: «Bis zum Schluss blieb der Protest friedlich.»

Erfreut über die Räumung zeigte sich auch BKW-Sprecher Sebastian Vogler. Bei einem Augenschein zeigte er sich zuversichtlich, dass die Stadt nun auch für die Freihaltung der geräumten Fläche sorgen werde.

Aktuelle Nachrichten