Schwingen
Schwinger Zindel versucht sich als Alphornbläser

Als Steuerberater und Treuhänder passt er nicht ins Klischee der Bösen. Aber Thomas Zindel (32) ist seit vielen Jahren der einzige waschechte Solothurner Spitzenschwinger. In Frauenfeld will er seine Karriere krönen: mit dem dritten Eidgenössischen Kranz.

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Michael Lüthi

«Ich kann keiner Fliege etwas zuleide tun», sagt Thomas Zindel. Er sitzt zu Hause in Günsberg im Garten. Rührend kümmert er sich um die beiden Kinder Stefanie (3 Jahre) und Lionel (15 Monate). Er spielt mit ihnen oder passt auf, dass der Kleine nicht am falschen Ort durchkrabbelt. Ein Böser ist der Solothurner höchstens im Sägemehlring. «Das mit den Bösen ist doch bloss ein Klischee. Wenn es aufs Schwingen bezogen ist, dann sehen wir das aber als Kompliment», sagt er.

Ihm fehlt der letzte Streich

Die Aussicht aus dem Garten des Spitzenschwingers ist überwältigend – Eiger, Mönch und Jungfrau grüssen aus der Ferne. Aller guten Dinge sind eben drei. Thomas Zindel fehlt dazu noch der letzte Streich. In Frauenfeld will er nach Bern (1998) und Aarau (2007) seinen dritten Eidgenössischen Kranz nach Hause bringen. «Ich bin auf dem richtigen Weg, die Form stimmt», sagt er.

Noch einmal möchte er den ganz grossen Moment eines eidgenössischen Eichenlaubgewinns erleben. «Bern und Aarau, das waren bisher meine Highlights der Karriere. Ich kann diese Momente gar nicht recht beschreiben. Die Freude war riesig, ich habe alles um mich herum vergessen.» Und der Titel? «Das ist eine Vision. Aber träumen darf ja schliesslich jeder», sagt Zindel.

Seit 22 Jahren steigt Thomas Zindel für den Schwingklub Solothurn in die Zwilchhosen. Er ist ein Typ der Marke Stehaufmännchen, ein Beisser. So oft war der Modellathlet (1,88 m/ 112 kg) schon verletzt. Aber ein Zindel gibt nicht einfach auf. «Ich bin immer wieder aufgestanden, habe versucht, das Positive zu sehen.»

Auch 2001 und 2004 lag er wieder einmal flach – ausgerechnet in den Jahren der eidgenössischen Feste. Der sportliche Ehrgeiz hat ihn immer wieder angetrieben. Und die Freude am Schwingen. «Für mich ist der Schwingsport eine Lebensschule und ein guter Ausgleich zum Alltag.» Aber auch ein sehr zeitaufwändiges Hobby. Frau Brigitte und die beiden Kinder müssen mehr als einmal pro Jahr hintenanstehen.

Sonderschichten im Kraftraum

Thomas Zindel ist nicht der Klischee-Schwinger. Er, der Steuerberater, der «Bürogummi». Deshalb muss er Sonderschichten im Kraftraum einlegen. «Dafür kann ich mich besser erholen als einer, der einer körperlichen Arbeit nachgeht», sagt er. Blöde Sprüche wegen seines Jobs gebe es keine. «Die bringe ich lieber selber.» Ein impulsiver Mensch sei er – «wenn meine eigene Leistung nicht stimmt, dann bringt mich das auf die Palme». Aber im Kreis der Familie relativiert sich das Ganze schnell wieder. «Der Sport ist nichts wert, wenn zum Beispiel jemandem in der Familie etwas passieren würde», sagt Zindel nachdenklich.

Der zweifache Eidgenosse ist bereit für den dritten Coup. Beim Feiern müsste er sich aber zurückhalten. Denn am Dienstag und Mittwoch nach Frauenfeld stehen die Abschlussprüfungen zum diplomierten Steuerexperten auf dem Programm. Thomas Zindel, ein spezieller Schwinger, berufsbedingt ein Exot. Wie lange er noch einer der Bösen sein will, das steht noch in den Sternen. «Ich werde erst im Oktober oder November entscheiden, ob die Zeit für den Rücktritt gekommen ist.»

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