Köniz
Seine Käseetiketten füllen 286 Bundesordner

Seit über 50 Jahren sammelt Heinz Boltshauser Käseetiketten. 186700 Käsebildchen «und öppis Wenigs» besitzt Boltshauser mittlerweile.

Bruno Utz
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Käseetiketten faszinieren Heinz Boltshauser seit vielen Jahrzehnten.
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Der Käse-Etiketten-Sammler

Käseetiketten faszinieren Heinz Boltshauser seit vielen Jahrzehnten.

Solothurner Zeitung

Der Könizer Heinz Boltshauser sammelt Käseetiketten. Und das seit über 50 Jahren. 186700 Käsebildchen «und öppis Wenigs» besitzt Boltshauser mittlerweile. «Schon als Bub begann ich mit dem Sammeln», blickt der 79-Jährige auf die Anfänge zurück. Er habe die «Bildli» damals in ein altes Schulheft eingeklebt. Dann sprach die Mutter ein Machtwort und verbot dem Sekundarschüler die Käseetiketten. «Ich solle Briefmarken sammeln, wie andere ‹Giele› auch», habe ihm die Mutter befohlen. Doch die Briefmarken lockten ihn nicht. «Damals wusste ich nicht weshalb, aber heute kenne ich den Grund: Bei den Käseetiketten zählt nur der ideelle Wert, und nicht das Materielle.»

Aus jugendlichem Trotz habe er darauf jedes Käsebildchen stets zerrissen. «Das tat ich noch, als ich schon verheiratet war.» In den 1950er-Jahren habe ihn seine Frau Dora bei einem abendlichen Essen mit Gschwellti und Käsli einmal nach dem Grund seines Tuns gefragt. «Nachdem ich ihr die Geschichte erzählt hatte, sagte Dora, von mir aus kannst Du die Etiketten sammeln.» Bereut habe sie es nie. «So wusste sie stets, was ich mache und wo ich bin», sagt Boltshauser und schmunzelt.

286 volle Bundesordner

In allen Jahren hat sich sein Hobby nach und nach zur Leidenschaft gewandelt. In Büro der 4,5-Zimmer-Wohnung in Köniz stehen mittlerweile auf Regalen eingereiht 286Bundesordner gefüllt mit Käseetiketten. Sämtliche Sammlerstücke sind fein säuberlich in einem PC archiviert. Alles sei bis ins letzte Detail gespeichert, betont Boltshauser. Sortiert würden die Etiketten nach Land, Firma, Sprache, Form, Geschmacksrichtung des Käses. «Bei mir hat jede Firma eine Nummer. Ich finde alles», sagt der ehemalige Prokurist einer Versicherungsfirma. «Ein Hobby soll doch etwas ganz anderes sein als der Beruf», antwortet Boltshauser auf eine entsprechende Frage.

Viele Jahre lang habe er in der Berner Druckerei Steiger Etiketten holen dürfen. Diese habe fast alle Käseetiketten der Schweiz gedruckt. Das habe sich geändert, die Druckerei existiere ebenso nicht mehr wie zahlreiche Käsefabriken. «In dieser Branche kommt es regelmässig zu Fusionen. Es werden stets weniger.» Auf seine schriftlichen Anfragen nach Etiketten reagiere kaum mehr eine Firma. «Doch ich brauche die Doubletten, um an die ausländischen Etiketten heranzukommen.»

«Cardon sammelt Käseetiketten»

Anfänglich habe er gedacht, er sei der Einzige überhaupt, der Käseetiketten sammelt. «Dann las ich in einem französischen Heftli den Artikel «Herr Cardon sammelt Käseetiketten.» Auf seinen Brief habe ihm Cardon geantwortet, er tausche nicht, aber in Frankreich gebe es einen Sammlerklub. Beim Besuch einer Sammlerbörse in Paris habe er zahlreiche Kontakte knüpfen können. Heute führe er einen «gewaltigen» Tauschhandel mit Sammlern aus Ländern wie Frankreich, Tschechien, Deutschland, Polen, Irland, Holland und Österreich. In der Schweiz wisse er nur noch von einem Käser aus dem Freiburgischen, der ebenfalls Käseetiketten sammelt. «Er besitzt aber nur einige Hundert.»

Museumspräsident darf erben

Eine Auswahl von Boltshauser Sammlung ist derzeit im Nationalen Milchwirtschaftlichen Museum in Kiesen zu sehen (vgl. Kasten). Die Ausstellung ausgelöst habe seine Suche nach einem Interessenten an der Sammlung nach seinem Tod. Weder sein Sohn noch seine Tochter wollten diese übernehmen. Von den zahlreichen von ihm angeschriebenen Institutionen, die mehr oder weniger mit Käse zu tun hätten, habe einzig das Milchwirtschaftliche Museum positiv geantwortet. Museums-Präsident Alfred Hofer habe bei einem Besuch begeistert reagiert und die Ausstellung angeregt.

«Hofer habe ich deshalb versprochen, dass er einmal alle Schweizer Etiketten erben wird.» Für die anderen Etiketten werde er Sammler im Ausland suchen. «Finde ich niemanden, werden sie halt einmal in der Kehrichtverbrennung enden.»

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