Dietikon
Trotz viel Herzblut und legendärem Birnenbrot: Bäckerei Kleiner macht dicht

Die Firma Kleiner übernahm 2013 den Oberstadt-Beck. Nun verabschiedet sie sich.

David Egger
Drucken
Teilen
Der Geruch frischer Gipfeli ist weg, die grauen Rouleaus bei der Oberstadt-Bäckerei bleiben unten. Ein tristes Bild, doch immerhin steht ein Nachfolger bereit. DEG

Der Geruch frischer Gipfeli ist weg, die grauen Rouleaus bei der Oberstadt-Bäckerei bleiben unten. Ein tristes Bild, doch immerhin steht ein Nachfolger bereit. DEG

David Egger

Die Oberstadt-Bäckerei schliesst ihre Türen. Es ist das letzte Kapitel in der Geschichte der traditionsreichen Dietiker Bäckerei. Viel Herzblut hatte das Ehepaar Faes in ihren Betrieb gesteckt. Die Gipfeli, das Birnenbrot, der zuvorkommende Service: All das machte die Bäckerei berühmt, auch über Dietikon hinaus. 1973 haben sich Urs und Marlies Faes in der Backstube kennen gelernt. 1989 übernahmen sie den Betrieb vom Vorgänger. Zwei Jahrzehnte später stand die Pensionierung bevor. Ein Nachfolger musste her, doch das war einfacher gesagt als getan.

23

Jahre lang hatte das Ehepaar Faes die Oberstadt-Bäckerei geführt. Nach weniger als drei Jahren unter dem Namen Kleiner ist die Bäckerei nun seit Montag geschlossen. «An die Wand gefahren» habe das grosse Unternehmen die kleine Bäckerei, schrieb nun ein ehemaliger Kunde in einem Mail an die Limmattaler Zeitung.

Das Ehepaar zögerte extra seine Pensionierung hinaus, um doch noch jemanden zu finden. Nach eineinhalb Jahren Suche stand dann fest: Die Bäckerei-Kette Kleiner führt das seit über 50 Jahren bestehende Geschäft an der Oberdorfstrasse ab 1. August 2013 weiter. Die Kunden waren – obgleich etwas skeptisch – froh, dass sie ihren Beck nicht verlieren. Und die Firma Kleiner setzte Hoffnungen auf die Filiale. «Urs und Marlies Faes übergeben ihren Betrieb in die Hände eines traditionsreichen Zürcher Unternehmens, das den Weiterbestand der renommierten Bäckerei auch in Zukunft sichern wird», schrieb im Sommer 2013 die Gastronomie-Gruppe ZFV, der die Bäckerei-Kette Kleiner seit 2006 gehört.

Und Kleiner nahm Rücksicht auf die Kunden, führte diverse Produkte des Ehepaars weiter im Sortiment. Das legendäre Faes-Birnenbrot schaffte es sogar in die anderen Kleiner-Filialen. Doch nun ist Schluss: Seit Montag bleiben die Rouleaus der Bäckerei unten. Und es kommt noch dicker: Nicht nur die Dietiker müssen mit einer Bäckerei weniger auskommen. Kleiner hat diesen Frühling auch die Filiale im aargauischen Niederrohrdorf, nahe der Stadt Baden, geschlossen. Auch dort verkaufte Kleiner das Brot noch nicht lange: Die Niederrohrdorfer Filiale wurde erst 2011 in einem modernen Neubau eröffnet.

Ähnlich ist die Situation beim Bahnhof Wetzikon: Dort hat Kleiner, ebenfalls im Jahr 2011, das Café Kofler übernommen. Und schliesst es nun noch diesen Monat. Wie der Pressesprecher der ZFV-Gruppe, Peter Waltenspühler, Anfang Monat gegenüber dem «Zürcher Oberländer» sagte, wolle man sich auf die Filialen in der Stadt Zürich konzentrieren. Ausserhalb der Stadt bleibt einzig die Kleiner-Filiale am Bahnhof in Uster bestehen.

Limmat-Beck ist nun der einzige

Nicht in der Stadt Zürich, sondern im Limmattal verankert ist hingegen der Limmat-Beck, welcher im März 2014 neben dem Kino Capitol in Dietikon eine Bäckerei eröffnete. Die Firma hat ihren Hauptsitz in Spreitenbach, bietet ihre Waren jeden Samstag am Schlieren-Märt an und ist nun die einzige klassische Bäckerei in Dietikon.

Immerhin: Wie Waltenspühl auf Anfrage sagt, hat die ZFV einen Nachfolger für die Oberstadt-Bäckerei gefunden, mit Vertragsbeginn 1. Juni. Noch muss der Nachfolger aber den Laden gemäss seinen Wünschen einrichten. Ob es sich beim neuen Unternehmen um eine klassische Bäckerei handelt, ist nicht klar. Denn auf weitere Nachfragen zu den Gründen der Schliessung und zur Nachfolge reagierte die ZFV seit Dienstagnachmittag nicht mehr.

«Nicht profitables Element»

Ein Blick in den aktuellen Geschäftsbericht der ZFV macht aber deutlich, warum das Unternehmen gleich drei Kleiner-Filialen schliesst. Die Konzentration auf die Stadt Zürich ist nicht die Motivation dahinter, sondern nur ein Nebeneffekt.

Denn im Bericht heisst es: «Der Geschäftsbereich Bäckerei-Konditorei verfehlte 2015 die gesteckten Ziele und blieb hinter den Erwartungen zurück.» Deshalb habe man «angesichts der seit langem unbefriedigenden Situation» eine strategische Neuausrichtung verabschiedet. Diese Strategie hat zum Ziel, dass der Geschäftsbereich Bäckerei-Konditorei bis Ende 2017 wieder auf Kurs ist. «In einem ersten Schritt werden nicht profitable Geschäftselemente eliminiert», heisst es weiter.

Während die Oberstadt-Bäckerei unter dem Ehepaar Faes noch ein Dutzend Mitarbeiter hatte, arbeiteten in der Kleiner-Bäckerei zuletzt drei Personen. Laut bisher unbestätigten Angaben der ZFV hat eine gekündigt, weil sie Mutter wird, eine weitere ging in Pension und die dritte arbeitet neu in einer anderen Kleiner-Bäckerei.

Aktuelle Nachrichten