32 Millionen Franken
Unwürdige Zustände: Zürcher Stadtrat kauft mit dringlichem Beschluss die Gammelhäuser

Mit einem dringlichen Beschluss hat der Stadtrat dem Kauf der Häuser an der Neufrankengasse 6 und 14, sowie der Magnusstrasse zugestimmt - in den Liegenschaften sollen künftig gemeinnützige Wohnungen entstehen. Die Gammelhäuser hatten aufgrund der unwürdigen Zustände schweizweit Bekanntheit erlangt.

Lina Giusto
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Polizeieinsatz vor zwei Häusern an der Zürcher Neufrankengasse Anfang Januar. Quelle: Keystone.
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 Die beiden Häuser an der Neufrankengasse 6 und 14 im Kreis 4.
Eine verwüstete Wohnung - die Zustände an der Neufrankengasse waren unhaltbar. Quelle: Keystone.
Ein offener Elektrokasten. Quelle: Keystone.
Die Gammelhäuser von Zürich
Journalisten in einer Gammelwohnung. Quelle: Keystone.
Verwalter Sherry Weidmann beantwortet Fragen der Medien. Quelle: Keystone.
Ein TV-Journalist interviewt eine Bewohnerin eines Hauses an der Zürcher Neufrankengasse. Quelle: Keystone.
Männer verlassen mit Säcken die Gammelhäuser an der Zürcher Neufrankengasse am Mittwoch, 4. Januar 2017. Die als "Gammelhäuser" in die Schlagzeilen geratenen Liegenschaften sind zu diesem Zeitpunkt noch bewohnt. Quelle: Keystone.

Polizeieinsatz vor zwei Häusern an der Zürcher Neufrankengasse Anfang Januar. Quelle: Keystone.

Limmattaler Zeitung

Die Liegenschaften an der Neufrankengasse 6 und 14 - auch als Gammelhäuser bekannt, sowie jenes an der Magnusstrasse 27 werden vom Stadtrat mit einem dringlichen Beschluss - also in eigener Kompetenz - für insgesamt knapp 32 Millionen Franken gekauft, wie er in einer Mitteilung schreibt. Damit macht der Stadtrat ernst, was verschiedentlich gefordert worden war.

Die Verkäuferin ist die PHS Immobilien AG aus Küsnacht, deren einziger Verwaltungsrat Peter Sander ist. Dieser machte als Bedingung des Verkaufs geltend, dass die Verträge noch vor den Sportferien unterschrieben sein müssen.

Der Kauf umfasst 81 Kleinwohnungen und 30 Einzelzimmer. In Zukunft soll in den Liegenschaften gemeinnütziger Wohnraum entstehen. Die 44 Wohnungen an der Neufrankengasse 6 sollen Mietern öffentlich zur Verfügung stehen. Der Netto-Mietzins für eine knapp 23 Quadratmeter grosse Wohnunge betrage künftig zwischen 879 und 919 Franken.

Die 37 Wohnungen an der Neufrankengasse 14 sollen künftig sucht- und psychisch kranken Menschen zur Verfügung stehen. Die Miete für diese Kleinwohnungen liege nach der Renovation der Liegenschaft zwischen 678 und 821 Franken.

Die Einzelzimmer an der Magnusstrasse 27 sollen der Asyl-Organisation Zürich vermietet werden. Diese bezahlen einen jährlichen Mietpreis von 214'000 Franken.

Mit dem Kauf läutet der Stadtrat nun offiziell das Ende der Problemliegenschaften ein, an denen sich in den vergangenen Jahren ein Mini-Platzspitz entwickelt hat. Mehr noch schafft der Stadtrat gemeinnützigen Wohnraum, für Menschen, die als Mieter auf dem freien Markt wenig Chancen haben.

Die Liegenschaften wurden schweizweit als Gammelhäuser bekannt, nachdem verstörende Bilder aus den Wohnungen an die Öffentlichkeit gelangten. Die Polizei nahm den Vermieter vorübergehen fest.

Die Garage: Hier werden abends, und vor allem am Wochenende, Drogen konsumiert.
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Warten auf bessere Zeiten: Auf dem Vorplatz zwischen Haus 6 und 14.
So sehen die Gammelhäuser aus.
Nicht alle Mieter haben etwas mit Drogen am Hut.
Der Vorplatz zwischen Haus Nummer 6 (rechts) und 14: Die Türen stehen immer offen, hier kommt und geht, wer will.

Die Garage: Hier werden abends, und vor allem am Wochenende, Drogen konsumiert.

watson.ch

Die Liegenschaft an der Neufrankengasse 6 kostet die Stadt rund 14,5 Millionen Franken, die Nummer 14 an der gleichen Strasse knapp 11,5 Millionen Franken. Für das Gebäude an der Magnusstrasse bezahlt die Stadt mehr als 6 Millionen Franken.

Weil alle Liegenschaften in einem schlechten Zustand sind, sollen diese mittelfristig in Stand gesetzt werden, wie der Stadtrat in seiner Mitteilung schreibt. Bis dahin sei eine Zwischennutzung vorgesehen. Details dazu werden die Stadträte Daniel Leupi und Raphael Golta an einer Medienkonferenz am Freitag näher erläutern.

Für die Renovation genehmigt der Stadtrat einen Kredit von je knapp 2 Millionen Franken für die Häuser an der Neufrankengasse.

Das Haus an der Magnusstrasse bleibt vorerst unbewohnbar. Aufgrund eines vorsätzlich gelegten Brandes müssen alle elektrischen und sanitären Anlagen demontiert werden. Deswegen bewilligt der Stadtrat einen zusätzlichen dringlichen Kredit von 650'000 Franken.