Spital Region Oberaargau
«Wir sind gut aufgestellt»

Vom Spitalpräsidenten zum stellvertretenden Spitaldirektor: «Es war ein Jahr mit vielen Veränderungen, schönen Erfolgen und viel Arbeit», sagt Dieter Widmer. Für den Job bei der Spital Region Oberaargau AG verliess er im Sommer nach 20 Jahren die BKW Energie AG.

Samuel Thomi
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Vor der Einführung der neuen Spitalfinanzierung per 2012 ist Vizedirektor Dieter Widmer zuversichtlich.sat

Vor der Einführung der neuen Spitalfinanzierung per 2012 ist Vizedirektor Dieter Widmer zuversichtlich.sat

Doch als Chef der BDP-Grossratsfraktion holte ihn die Energiedebatte wieder ein. Ein Jahresendgespräch auch über seine Arbeit als «Theaterdirektor». In Heimenhausen, das zu Widmers Wohnort Wanzwil gehört, betreute er im Sommer nämlich sechs Kummerbuben.

Herr Widmer, als Präsident der BDP Oberaargau sind Sie wohl zufrieden: Bei den eidgenössischen Wahlen am 23. Oktober wurde der Erfolg bei den Grossratswahlen 2010 bestätigt.

Dieter Widmer: Der BDP Kanton und BDP Oberaargau geht es effektiv gut. Vier Nationalräte, ein Ständeratsmandat, 25 Grossratsmitglieder und eine wiedergewählte Bundesrätin zeigen: Die BDP ist keine Eintagsfliege.

In Langenthal steht die Bewährungsprobe erst nächsten Herbst an.

Sicher, die BDP macht alles irgendwann zum ersten Mal. 2012 machen wir bei den Wahlen in Langenthal sicher mit.

Die Erwartungen sind hoch: Tritt die BDP auch für den Gemeinderat an?

Als Regionalpräsident will ich der Sektion nicht vorgreifen.

Im Grossen Rat ist die BDP begehrt.

Wir sind als drittstärkste Kraft ein verlässlicher Gesprächspartner und bereits breit akzeptiert.

Bei der Beratung der linken Initiativen Bern erneuerbar (Atomausstieg) und Faire Steuern – Für Familien (Abschaffung Pauschalsteuer) irritierte Ihre Fraktion jüngst jedoch doppelt und wies diese an die Kommissionen zurück. – Obwohl die BDP-Vertreter in den Kommissionen am Vorgehen nichts auszusetzen hatten. Ist das verlässlich?

Moment mal. Die definitiven Entscheide trifft immer noch der Grosse Rat und nicht die Kommission. Es ist legitim, an den Kommissionsanträgen Korrekturen anzubringen. Derzeit ist nicht klar, ob die Einschränkung der Energieträger kantonal zulässig ist oder nicht. Die BDP und mit ihr der Grosse Rat verlangen vom Bund Auskunft, nachdem mit der Strommarktöffnung die freie Wahl der Energieträger ausdrücklich verankert wurde. Mehr wurde nicht beschlossen. Lässt der Bund eine Einschränkung zu, wird die BDP dagegen nicht mehr opponieren. Ähnlich offene Fragen gab es zur Pauschalbesteuerung. Den Bedenken in der Bevölkerung jedoch wollen wir Rechnung tragen und einen Gegenvorschlag mit einer Mindest-Einkommensgrenze entwickeln.

Die BDP läuft der FDP den Rang ab, insbesondere in KMU-Kreisen. In Verbänden haben Sie aber noch nicht so viel zu sagen ...

... wir spüren auch aus Gewerbe und Industrie Unterstützung, das freut uns. Immerhin haben wir jetzt drei Jahre die Präsidentin von Berner KMU gestellt.

Vor den Berner Wahlen 2014: Wie lautet Ihr Leistungsausweis in Kurzform?

Die BDP ist eine verlässliche Partei mit Leuten, die Probleme lösen, Dossiers kennen und eine verlässliche Politik betreiben. Das macht sie berechenbar.

20 Jahre arbeiteten Sie für die BKW Energie AG. Im Grossen Rat und bei Abstimmungen hielten Sie sich zu Energiefragen oft zurück: Ändert dies?

Es wird sicher einfacher, mich künftig in Energiedebatten zu äussern.

Auch zur BKW?

Sicher. Ich habe die Entwicklung vom relativ kleinen kantonalen Energieversorger zum internatio-
nal tätigen, börsenkotierten Konzern erlebt. Im Moment durchlebt die BKW eine schwierige Phase. Das Ausmass der Veränderungen wurde jedoch erst nach meinem Weggang erkennbar. Wenn ich dabei die vielen Unwägbarkeiten und Widersprüche sehe, tut es schon weh und wirft Fragen auf, ob wir eine gesicherte Energieversorgung erreichen können.

Wie haben Sie «Fukushima» erlebt?

Das war ein einschneidendes Ereignis, das die friedliche Nutzung der Kernenergie besonders in der Schweiz beeinflusst.

Hat es Sie persönlich erschüttert?

Sicher. Die Bilder am TV gingen nicht spurlos an einem vorüber.
Sie wechselten nicht darum den Job?

Nein. Die Gespräche dazu begannen vor «Fukushima».

Im ablaufenden Jahr waren Sie auch «Direktor» von 21 ausverkauften Freilichttheater-Vorstellungen ...

Die «sechs Kummerbuben» waren ein Renner, gleich wie Gotthelfs «Gäldstag» 2008. Wir mussten auf die Schulkinder Rücksicht nehmen und konnten keine Zusatzvorstellungen anhängen. Und: Man hört besser auf dem Zenit auf.

Gibts also bald eine neue Produktion?

Wir überlegen uns, bald wieder etwas auf die Beine zu stellen.

Für die Einrichtung Ihres neuen Büros hat die Zeit offenbar nicht gereicht. Obwohl es in der Wand Schrauben hat, fehlen Bilder...

Das wird noch. Die Arbeit hatte Vorrang. Der neue Job ist äusserst anspruchsvoll, vielseitig und auch spannend.

Nun müssen Sie sich mit Alltäglichkeiten herumschlagen, statt Strategien für die Zukunft festzulegen.

Als Verwaltungsratspräsident hatte ich immer eine Affinität zum Operativen. Bei strategischen Entscheiden im VR interessierten mich stets Angaben zur Realisierbarkeit und Umsetzung. Heute arbeite ich bei der Entwicklung von strategischen Themen mit.

Als VR-Präsident waren Sie also ein unangenehmer Vorgesetzter?

Ich glaube nicht. Ein VR-Präsident eines öffentlichen Betriebs muss umsichtig agieren und verschiedenste Aspekte berücksichtigen. Jetzt, nach dem Wechsel, funktionieren Andreas Kohli und ich in der Direktion gleich gut wie vorher.

Der Kostendruck wird zunehmen.

Die Fallpauschalen ab 2012 bringen einschneidende Änderungen. Ich habe den Eindruck, dass die SRO AG die nötigen Massnahmen ergriffen hat. Mit der Umnutzung von drei Akutstandorten, einem Kostensenkungsprogramm und gewissen Stellenreduktionen sind wir gut aufgestellt. Der Kostendruck wird aber nicht abnehmen; weitere Senkungen der Base Rate sind bereits absehbar.

Mehr Spitäler können Sie nicht mehr schliessen. Wo wollen Sie sparen?

Wir machen zweierlei: Wir versuchen neue attraktive Leistungen anzubieten und müssen Angebote mit ungenügender Nachfrage kritisch hinterfragen.

Als Spital in der Peripherie dürfen Sie dafür ennet Grenzen grasen ...

...wir haben traditionell gute Beziehungen in die Nachbarregionen. Nun müssen wir unser Angebot noch besser in diese Regionen tragen. Zusätzlich hilft uns das laufende Masterplanprojekt gewissermassen zu einem neuen Spital.

In einem anderen Bereich, der Langzeitpflege, fanden Sie mit dem Dahlia Langnau einen Partner.

Es ist erfreulich, wie rasch sich die Dahlia Oberaargau AG positioniert hat. Dassnun auch das Oberaargauische Pflegeheim in Wiedlisbach zu uns kommt, ist ein grosser Schritt, um das Angebot in der Region auszubauen.

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