Werbekönig
Wird Wenger jetzt Werbe-Millionär?

Der neue König Kilian Wenger (20) verkörpert eine moderne, neue Welt des Schwingens, die mit dem alten König Jörg Abderhalden (31) in Frauenfeld 2010 ein Stück weit untergegangen ist.

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250 000 Menschen freuten sich mit dem erfolgreichen "Bösen" Kilian Wenger

250 000 Menschen freuten sich mit dem erfolgreichen "Bösen" Kilian Wenger

Keystone

Klaus Zaugg, Frauenfeld

Ausgerechnet König Jörg Aberhalden hat er gestürzt. Mit einem Hüfter am Sonntagmorgen im fünften Gang. Vor neun Jahren hatte er vor dem Fernseher noch geweint, weil Abderhalden nach dem Gestellten im Schlussgang in Nyon seine Krone vorübergehend an Noldi Forrer abgeben musste. «Ja, diese Geschichte stimmt. Ich war ein Fan von Jörg Abderhalden und weinte, als er den Titel verlor.»

Zum ersten Mal begegnete Wenger seinem Idol 2007 auf der Schwägalp und ein Jahr später plauderten sie beim Kilchbergschwinget erstmals miteinander. Gestern gehörte Abderhalden zu seinen ersten Gratulanten. «Er hat mir auf dem Weg zur Garderobe gratuliert und mir die besten Wünsche mit auf den Weg gegeben.» Abderhalden hat den zweiten Platz erreicht und er geht für viele als der Grösste aller Zeiten in die Geschichte ein: König 1998, 2004 und 2007, im Schlussgang 2001 und auf Platz 2 2010.
Auf den ersten Blick Traditionalist

Wer ist der neue König Kilian Wenger? Er verkörpert den Wandel des Schwingens in mancher Hinsicht. Er hat mit ziemlicher Sicherheit die beste Figur der neuzeitlichen Schwingerkönige seit dem drahtigen Simmentaler David Roschi (König 1972). Er wirkt ruhig und gelassen (oder eben cool), sanft in der Art, stark in der Tat. Der bisweilen knorrige Ehrgeiz und die Eigenwilligkeit eines Jörg Abderhalden scheinen ihm fremd.

Kilian Wenger

Geboren am: 11. Mai 1990
Sternzeichen: Stier
Wohnort: Horboden im Diemtigtal BE
Beruf: Metzger/Zimmermann-Lehrling
Grösse/Gewicht: 190 cm/101kg
Palmarès: Sieger Eidg. Schwingfest 2010, Sieger Eidg. Nachwuchsschwingertag 2006, 6 Kranzfestsiege.

Auf den ersten Blick ist er ein Traditionalist. Er hat bereits eine Lehre als Metzger hinter sich und steht zurzeit in der zweiten Ausbildung als Zimmermann. Als Motorfahrer leistet er Militärdienst. Auch seine Herkunft aus Horboden, einem Weiler in der Gemeinde Diemtigen im Berner Oberland, weist ihn als Traditionalisten aus.

Doch die familiäre Situation - seine Eltern leben nicht mehr zusammen - entspricht durchaus dem modernen, urbanen Leben. Der Legende nach ist er nach dem Namen eines ehemaligen Arbeitgebers seines Vaters getauft worden: Res Wenger arbeitete damals beim Holzereiunternehmer Kilian Wyssen, der als Motorsportler (Gespann-Europameister und GP-Fahrer) eine Berühmtheit im Oberland war.

Im Scheinwerferlicht

Mit der Thronbesteigung von Frauenfeld betritt er nun das Scheinwerferlicht einer grossen Öffentlichkeit. Er galt zwar als gefährlicher Aussenseiter, war aber nur den Kennern ein Begriff, und so wird er bei der improvisierten Medienkonferenz nach dem Fest vom Reporter des Schweizer Radios gefragt: «Können Sie sich kurz vorstellen?» Und der König, von dieser Frage etwas überrascht, sagt höflich: «Ich bin jetzt eben der Kilian Wenger vom Horboden.»

Den Medienrummel meistert er so gelassen wie die Kurzangriffe im Sägemehl. Ja, ja, es stimme, dass er keine Freundin habe. Eine blonde junge Reporterin fragt ihn, wie er jetzt mit dem Interesse der Frauen umgehen werde. Sie wissen von Mädels, die diese Saison nur wegen ihm zu Schwingfesten angereist seien. Der wohl begehrteste Junggeselle im Land sagt cool: «Ich werde sachlich und freundlich sein. So wie ich eben bin.» Sein Ziel sei es gewesen, in Frauenfeld den Kranz zu holen. Nach dem Sieg über Jörg Abderhalden im fünften Gang habe er dann erstmals daran gedacht, dass alles möglich sei. Dieser Sieg machte aus dem Aussenseiter einen König und der sonst so coole sagt: «Dieser Sieg hat bei mir Emotionen ausgelöst.» Dramatischer gesagt: Dieser Sieg liess alle Dämme brechen und machte den Weg zum Thron frei.

Auf dem IMG-Wunschzettel

Heute sind Schwinger Werbeträger. Von Jörg Abderhalden wird gesagt, er habe ein Werbe-Karrierepotenzial von einer Million. Der amerikanische Werbegigant IMG, der auch Weltstars wie Roger Federer oder Fabian Cancellara vermarktet, hat bereits Jörg Abderhalden und Christian Stucki unter Vertrag. IMG-Vertreter Rolf Huser hat Wenger schon lange auf seiner Wunschliste.

Aber bisher habe er noch keinen Kontakt mit Wenger gehabt. «Wir sind sehr stark daran interessiert, mit ihm zusammenzuarbeiten.» Auch wenn die Schwinger das Thema meiden wie der Teufel das geweihte Wasser: Eher früher oder später wird sich die Frage stellen, ob aus Kilian Wenger ein Werbemillionär wird.

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