Wirtepaar vor Bundesgericht

Pierre Buess verdiente mit dem Verkauf des Restaurants Stucki zwei Millionen. Diese wollte er in den Stadthof investieren. Doch Schüpfer blies den Deal ab.

Andreas Maurer
Drucken
Teilen
Am Bierdosenöffner: Josef Schüpfer. Im Weinkeller: Pierre Buess. Fotos: Martin Töngi/Archiv

Am Bierdosenöffner: Josef Schüpfer. Im Weinkeller: Pierre Buess. Fotos: Martin Töngi/Archiv

Schweiz am Wochenende

Zweimal hat Pierre Buess verloren. Vor dem Basler Zivilgericht und vor dem Appellationsgericht. Nun geht er vors Bundesgericht. «Die Leute in Basel sind vielleicht nicht ganz so objektiv», sagt er auf Anfrage. Buess hat sich mit dem höchsten Basler Wirt verkracht, mit Josef Schüpfer, dem Präsidenten des Basler Wirteverbands.
Nachdem Buess das Nobelrestaurant Stucki auf dem Bruderholz nach elf Jahren an Tanja Grandits übergeben hatte, wollte er seinen Traum verwirklichen. Er sehnte sich nach einer eigenen Brasserie im Herzen der Stadt. In Schüpfer glaubte er den idealen Partner gefunden zu haben, da dieser einen Nachfolger für seinen Stadthof am Barfüsserplatz suchte. Buess dachte dabei auch an seine Steuern. Mit dem Verkauf des Restaurants, das er einst von seinem Kochlehrmeister Hans Stucki übernommen hatte, machte er einen Gewinn von zwei Millionen Franken. Diesen wollte er im Stadthof «steuerneutral reinvestieren».
Schüpfer und Buess einigten sich per Händedruck. Einen schriftlichen Vertrag schlossen sie nicht. Zwei Jahre lang führten sie den Stadthof gemeinsam. Buess war für den Service zuständig, Schüpfer für das Backoffice. Die beiden Gastrokönige legten keinen Wert auf Formalien. Schüpfer übergab Buess jeden Monat ein Couvert mit 5000 Franken in bar, ohne Beleg oder Abrechnung. Nach Buess’ Kündigung zahlte Schüpfer weitere 189 000 Franken. Insgesamt kam Buess dadurch in seinen beiden Stadthof-Jahren auf einen monatlichen Lohn von 12 000 Franken. Das ist Buess zu wenig. Er fordert die Hälfte des Gewinns, rund eine halbe Million Franken. Deshalb verlangt er Einsicht in die Geschäftsunterlagen. Doch Schüpfer hütet diese als Geheimnis. Vor Gericht geht es um die Frage, ob Buess ein Einsichtsrecht hat.
Das Appellationsgericht gab in seinem kürzlich auf dem Zirkulationsweg gefällten Urteil, das der «Schweiz am Sonntag» vorliegt, der Vorinstanz vollumfänglich Recht. Schüpfer muss Buess seine Jahresabschlüsse nicht zeigen. Gerichtspräsidentin Marie-Louise Stamm (LDP) kommt im Urteil zum Schluss, dass sich Buess irrte in der Annahme, ein gleichberechtigter Partner von Schüpfer gewesen zu sein.
Da die zwei Männer keine schriftlichen Abmachungen trafen, untersuchte das Gericht die Geschäftsbeziehung des ungleichen Duos. Dazu analysierte es Aussagen der Büroleiterin, des Küchenchefs und des Steuerberaters. Buess hatte demnach kaum Mitbestimmungsrechte und keine Kontovollmacht. Zudem war er im Mietvertrag nicht aufgeführt, der weiter über Schüpfer und dessen Ehefrau lief. Folglich sei Buess nicht wie von diesem angenommen mit Schüpfer stillschweigend eine einfache Gesellschaft eingegangen. Es könne nicht nachgewiesen werden, dass sie sich ausdrücklich auf eine hälftige Gewinnaufteilung geeinigt hätten. Schüpfer argumentierte vor Gericht, dass beiden von Anfang an klar gewesen sei, dass eine partnerschaftliche Gleichbehandlung erst zustande käme, wenn sie sich über die Modalitäten einigen könnten. Doch dazu kam es nie. Schüpfer lehnte einen nicht näher bekannten Vorschlag von Buess ab, weil er «Bedenken zur Rechtmässigkeit» hatte. Danach trennten sich die Platzhirsche im Streit.
Während Schüpfer auf Anfrage keine Auskunft geben will, verschafft Buess seinem Ärger am Telefon Luft. Er sagt: «Ich bin ‹verseggelt› worden. Das lasse ich nicht auf mir sitzen.» Im Nachhinein sehe er es als Fehler, Schüpfer vertraut zu haben. Er sei unvorsichtig gewesen, weil er sich von Schüpfers Position habe beeindrucken lassen. Dem Präsidenten des Basler Wirteverbands, in dessen Vorstand Buess ebenfalls sass, sollte man doch noch vertrauen dürfen, meint Buess. Mündliche Verträge per Handschlag einzugehen, sei nichts Ungewöhnliches: «Das macht man auch im Schiffshandel noch heute so.»
Sollte das Bundesgericht die Basler Urteile bestätigen, stellen sich für Buess weitere Fragen. Unklar bliebe, in welcher Rolle er im Stadthof gearbeitet habe, sollte er tatsächlich nicht Gesellschafter gewesen sein. Als Berater lasse sich seine Rolle jedenfalls nicht wie von Schüpfer behauptet definieren: «Am Barfi braucht man keinen Berater, dort läuft das Geschäft von alleine.» Falls er ein gewöhnlicher Angestellter gewesen sei, hätte er Belege wie AHV-Abrechnungen erhalten sollen. Das könnte die Steuerverwaltung interessieren, sagt Buess. In den Verhandlungen war von «Schwarzgeld» die Rede. Selbst nach einer Niederlage vor Bundesgericht wird Buess nicht per Handschlag Frieden schliessen.
Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper

Aktuelle Nachrichten