Infektiologe Christoph Fux im Gespräch mit AZ-Chefredaktor Rolf Cavalli bei «TalkTäglich».

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«TalkTäglich»
«Ich halte 2G für gefährlich»: Infektiologe Fux über Massnahmen, Triage und ungeimpfte Coronapatienten

Christoph Fux ist Chef der Infektiologie im Kantonsspital Aarau. Im «TälkTäglich» mit AZ-Chefredaktor Rolf Cavalli erzählt er, warum er 2G für gefährlich hält und wie schlimm die Situation in den Spitälern tatsächlich ist.

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Wen zieht man bei einer Triage vor? Wer liegt aktuell mit Corona in der Intensivstation und wäre eine Impfpflicht angebracht? Christoph Fux, Chef Infektiologie im Kantonsspital Aarau, musste sich im Gespräch mit AZ-Chefredaktor Rolf Cavalli kritischen Fragen zur aktuellen Coronalage stellen. «Es geht nicht darum, ob man geimpft ist oder nicht», stellt Fux jedoch relativ früh klar, als Cavalli die drohende Triage-Situation in den Spitälern anspricht.

Viele Patienten, die derzeit wegen Corona in der Intensivstation landen, seien Menschen, die das Virus unterschätzt haben oder Ängste haben, so Fux. «Das sind oft nicht die Impfkritiker, die mit den Kuhglocken auftreten.» Daher könne der Impfstatus nicht ausschlaggebend sein bei einer Triage. «Es geht ausschliesslich darum, wer die besten Überlebenschancen hat, mit dem Aufwand, den das Spital betreiben kann.»

Nebst den alten Menschen, die wegen Impfdurchbrüchen auf der Intensivstation landen, seien oft auch junge Patienten vertreten. «Jung» bedeute in diesem Fall für Fux etwa 40-Jährige. «Wir haben aber auch jemanden, der 20 Jahre alt ist», hängt er auf Nachfrage von Cavalli an. Aber diese Personen gehören aufgrund anderer Faktoren, wie Übergewicht oder Kreislaufproblemen, ohnehin zur Risikogruppe.

2G als Freipass für Bars und Clubs?

Gemäss den neusten Massnahmen gilt in den Clubs und Bars nun 2G. «Das heisst, man kann die Lokale füllen, wie man will», beginnt Rolf Cavalli das nächste Thema. Jetzt wisse man aber, dass es Impfdurchbrüche gibt. «Ist diese Massnahme nicht kontraproduktiv?»

Sie sei dann gut, wenn sie die Impfbereitschaft fördere. «Aber aktuell halte ich das für eine gefährliche Intervention», so Fux. Die Massnahme wäre sinnvoller, wenn alle Clubbesucher bereits eine Booster-Impfung erhalten hätten. Aber das sei bei den Jungen noch nicht der Fall.

Eine Impfpflicht jedoch begrüsse der Infektiologe. «Es wäre die beste Massnahme, wie wir am schnellsten aus der Situation kommen.» Mit dem Beispiel der Pflichtimpfungen für gewisse Reiseregionen und der bereits eingeführten Impfpflicht gegen die Pocken betont Fux, dass die Massnahme kein Novum in der Schweizer Geschichte wäre. (gue)

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